Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Absender: WDF
Datum: 2017-07-09 04:41:08

Die beste Therapie Es ist nicht wirklich möglich, so glaube ich trotz laufender Studien zu diesem Thema, die Risiken und Folgen der einen Therapie gegen die einer anderen Therapie in allen Facetten abzuwägen. - Der eine von uns hat für sich die Operation als beste Option herausgefunden, ein anderer die Brachytherapie, noch ein Anderer will erstmal ab warten, also Aktive Surveillance. Jeder ist von „seiner“ Therapie überzeugt. Das ist gut so, wenn der, der etwas sagen möchte, sagen kann von der von ihm gewählten Methode auch wirklich überzeugt zu sein . Ich denke, dass hier dann "jeder" nur seine persönlichen Erfahrungen einbringt, um z.B. Neubetroffenen einen möglichen Weg aufzuzeigen, gegen den Krebs vorzugehen. Er, der Neue, wird dann für sich abwägen müssen, vermutlich mit Hilfe seines Urologen, welche der aufgezeigten Risiken, welche der beobachteten Folgen, ihn am geringsten belasten, körperlich und geistig. Viel wichtiger scheint es mir zu sein, sich als Neuer, als Neubetroffener, Gedanken zu Nebenwirkungen und insbesondere zur Lebensqualität zu machen, zur Lust zu leben. Die Lust kommt zu kurz. Ich beobachte es häufig: Die Lebenslust fehlt in den Gesprächen, Telefonaten in den Emails. Fast dominat oder sollte ich sagen beherrschend sind die Krankheitsaspekte. Es ist schon schlimm, was in Gesprächen, in Diskussionen, in Internetforen zu den Risiken, Nebenwirkungen und Folgen z.B. von der "Radikalen Prostataentfernung", zum Besten gegeben wird. Es zieht einem beinah die Schuhe aus, wenn man von schlimmsten Operationsfolgen hört: Viele Männer hätten eine dauernde Inkontinenz, nichts gehe mehr bei der Potenz, Arbeiten sei zu schwer und ausserdem nach der Chemo würde man eh bald sterben. Ich halte es für wesentlich wahrscheinlicher, auf dem Bielefelder Jahnplatz von einer Kokusnuss erschlagen zu werden, als bei einer PK-OP oder Bestrahlung zu versterben. Und dann das PSA; der PSA-Wert steige schon wieder ganz bedrohlich an von 0,06 auf 0,09 ng/ml. Wir schauen auf den PSA-Wert und seine Anstiege wie ein ängstliches Kaninchen auf die Schlange. Ja, wir haben Nebenwirkungen, aber davon geht die Welt für uns doch noch lange nicht unter. In unserer Selbsthilfegruppe sind eine Vielzahl von Operierten, von Betroffenen, die zwar Nebenwirkungen haben, jedoch mehr oder weniger sich damit arrangiert haben. Ja, ich habe auch Nebenwirkungen von Anfang an verspürt und darunter gelitten mal mehr - mal weniger unter Harninkontinenz, Stuhlschmieren, ED, Tristesse, Hitzewallungen, Oedeme (wegen LK Entfernung/Lymphdrainage - davon sagte mir der Urologe nichts!), Zunahme bei Gewicht - Blutzucker – Blutfettwerten, angeschlagene Psyche, Unsicherheit/Angst vor dem nächsten PSA-Check und den Arztbesuchen beim Urologen, Radiologen, Phlebologen und und und. Meine Lust zu leben ist stark genug, keiner negativen Gedankenspirale nachzuhängen. Mittlerweile verfügen unsere Urologen und Onkologen über ein ausgedehntes Waffenarsenal wider den Prostatakrebs und sein bedrohliches Wachstum. Ständig kommen neue Medikamente und Therapien hinzu, die uns mehr und mehr berechtigte Hoffnung auf ein längeres Überleben vermitteln. Mittlerweile fühle ich mich nicht zuletzt durch die Gespräche in der Selbsthilfegruppe so gut und intensiv informiert, dass ich wohl mit Fug und Recht sagen kann, Manager meiner Krankheit bin ich selbst. Aus tiefer Überzeugung meine ich: Männer, die weniger ihr Schicksal beweinen, sondern sich aktiv auseinandersetzen mit der eigenen Krankheit und den Begleitumständen, die ständig bemüht sind, sich mehr Wissen bzgl. der Überlebens-Chancen anzueignen, um mehr an Patientenkompetenz zu entwickeln, erreichen in einer harmonischen Partnerschaft mit ihrer Partnerin letztlich auch eine gefühlt gute Lebensqualität, wenn sie es verstehen, die Seele mit Streicheleinheiten zu versehen und das geschenkte Leben zu genießen. Und jetzt komme ich zu dem Wichtigsten in meinem Leben: Mit Liebe, mit Ausdauer, mit Geduld und viel, viel Empathie steht mir meine Frau bei. Sie ist für mich die beste Therapie der Welt. 09.07.2017 Wolfhard D. Frost
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