Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Überlebensprognosen

29.5.2011

Überlebensprognosen bei Prostatakrebs

Bei einem mittleren Diagnosealter von über 70 Jahren sterben wegen dem meist langsamen Tumorwachstum viele Patienten an anderen Ursachen. Ihre Lebensqualität wird dabei durch den Prostatakrebs nicht oder nur wenig beeinträchtigt. Die Überlebenszeit ist abhängig von der Ausdehnung des Tumors und vom Differenzierungsgrad. Ein auf die Prostata begrenztes Karzinom ist oft heilbar und man(n) kann von einem mittleren Überleben von mehr als 5 Jahren ausgehen; 30% der operierten Männer überleben die 10-Jahres-Grenze. Ein fortgeschrittener Tumor, insbesondere mit Lymphknotenmetastasen, ist in der Regel nicht heilbar und die tumorbedingte Steberate ist hoch. Dennoch kann das mittlere Überleben im Bereich von 5 Jahren und mehr liegen. Bei Fernmetastasierung ist eine Heilung mit den heutigen Therapieformen nicht möglich. Das mittlere Überleben liegt unter fünf Jahren. Aber auch in dieser Situation kommen Ausnahmen, langjährige Verläufe ohne wesentlich beeinträchtigte Lebensqualität vor.

Neben dem PSA-Wert gilt auch die Bestimmung des nukleären DNS- Gehaltes durch Einzelzell-Photometrie oder Durchflußzytometrie als unabhängiger prognostischer Parameter, wobei die Patienten mit diploiden Tumoren im Stadium C oder D1 eine wesentlich bessere Prognose haben als die Patienten mit tetraploiden oder aneuploiden Tumoren. Diese Methoden haben sich u.a. aufgrund des hohen Aufwandes nicht durchsetzen können.

Nicht sicher zu beantworten ist derzeit die Frage, welche Patienten wie lange ohne Therapie überleben können. In einer Reihe von nicht kontrollierten Studien zum untherapierten (Wait and see) Verlauf des lokalisierten Prostatakarzinoms wurden Metastasierungsraten von 7,4 bis 74 % beschrieben. Dabei wurden gut oder mäßig differenzierte Karzinome festgestellt, aber oft nicht bis zum Tod verfolgt. Auch wurde mit rechnerischen Modellen versucht, den Überlebensvorteil der radikalen Prostatektomie gegenüber kontrolliertem Abwarten abzuschätzen. Für gut differenzierte Tumoren konnte hierbei kein Überlebensvorteil errechnet werden. Eine Literaturübersicht zeigte für die radikale Operation ein mittleres Alter von 63 Jahren, 11 % gering differenzierte Karzinome und eine jährliche Gesamt-Mortalität(Sterberate) von 3 %, für die Strahlentherapie ergaben sich 66 Jahre, 21 % G III-Tumoren und 5 % jährliche Sterberate und für das kontrollierte Abwarten 71 Jahre, 7 % G III-Karzinome und 6 % jährliche Sterblichkeit. Und das war auch zu lesen: Von den 8wait-and-see) Patienten, die eigentlich bei Erstdiagnose schon für eine radikale Therapie in Frage gekommen wären, verstarben im Mittel 61 % am Tumor.

Das ist so nicht vergleichbar! Auch die G I-Patienten versterben am Tumor, aber etwa 5 - 10 Jahre später als die G III-Patienten.

Ein kontrolliertes Abwarten kommt also nur in Frage, wenn ein kleiner, gut differenzierter Tumor vorliegt, und die Lebenserwartung des Patienten nicht höher ist als 10 Jahre. Auch unter diesen Umständen ist mit der Entwicklung von Metastasen bei 10 - 30 % und auch in einigen Fällen mit einem tumorbedingten Tod zu rechnen

Unbekannter Autor aus dem Internet

Meine persönliche Ergänzung: Jedoch haben sich die Überlebensraten in den vergangenen zehn Jahren verbessert. Das ist m.E. auf eine nunmehr frühzeitigere Diagnose (Vorsorge!) und verbesserte Therapiemöglichkeiten zurückzuführen.

Jedoch, auch wenn die Anzahl der im Frühstadium entdeckten Tumore ständig ansteigt, wird die Überlebensrate weiterhin relativ niedrig bleiben, weil sich der Informationsstand der Männer nicht oder nur wenig verbessert. Wie eine Studie des britischen Institute of Cancer Research ergab, wissen die meisten Männer besser über Brustkrebs Bescheid als über Prostatakrebs. 71 Prozent der befragten Männer gaben an, nicht oder nur spärlich informiert zu sein; lediglich 25 Prozent halten ihre Kenntnisse über Prostatakrebs für ausreichend. Laut einer Analystin bei Frost & Sullivan, ist dies ein typisches Phänomen: "Männer wachsen mit dem Bewusstsein auf, Gesundheit sei Frauensache. Viele weigern sich gegen Routineuntersuchungen und gehen auch bei Krankheiten nur selten zum Arzt."

Anmerkung:
M.E. hat ein solches Verhaltensmuster zur Folge, dass sich das Problem Männergesundheit auf nationaler, politischer Ebene fortsetzt: Den Frauenkrebsleiden wie Brustkrebs wird europaweit viel mehr Bedeutung beigemessen als dem Prostatakarzinom!

Männergesundheit hat keine Lobby!

Ergänzung:
Ein Experte zu Langzeitergebnissen: Für die Radikaloperation liegen Langzeitergebnisse über 15 Jahre und länger vor. Für die Seedimplantation gibt es nur von einigen wenigen Institutionen solche Langzeitergebnisse. Dennoch muss man die Ergebnisse der Radikaloperation mit Vorsicht geniessen. Die Überlebensdaten der Langzeitpatienten liegen nur von Patienten vor, die nicht nach moderenen OP-Techniken des Nervenerhaltes operiert wurden. (Anmerkung:in den 90.er Jahren) Die Nervenerhaltung bringt jedoch größere Risiken des Verbleibs von Tumor im Körper, die sog. R1 Resektion. Die gute Potenzergebnisse liegen jedoch nur von Patienten vor, die in den letzten Jahren operiert wurden. Hier liegen zwar die Impotenzdaten vor, es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Überlebensdaten nicht schlechter sind als früher.

Ergänzung
Die nachfolgende Aussage gebe ich gern weiter. Sie stammt von einem SHG-Leiter, der schon viele Jahre mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs (FPCa)leben muß:
Wir sind in der Abschätzung der Verlaufsformen fortgeschrittener Prostatakrebserkrankungen nicht gut beraten, wenn wir uns auf Statistiken aus der Vergangenheit stützen, die nur Aussagen darüber zulassen, wie die erfassten Verläufe früher waren. Da aber laufend die Krankheitsverläufe neu aufgesetzt und auch laufend immer etwas anders behandelt werden, vergrössern sich die Möglichkeiten einer langfristig auch bei systemischer Erkrankung gegebener Stabilisierung. (Rudolf Strathmann, Hamburg)

letzte Aktualisierung im Januar 2007/Mai 2011



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