Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Lipidsenker und Prostatakrebs

26.5.2008

DEUTSCHES ÄRZTEBLATT ONLINE 19.04.2005

M E D I Z I N
Schützen Statine vor Prostatakrebs?
ANAHEIM/KALIFORNIEN.
Je länger Männer Lipidsenker aus der Gruppe der „Statine“ einnehmen, desto seltener erkranken sie an Prostatakrebs. Die regelmäßige Einnahme des Medikamentes halbierte in einer Auswertung der Professionals Follow-up Study das Risiko auf eine fortgeschrittene Erkrankung sogar um die Hälfte, heißt es in einer Pressemitteilung der American Association for Cancer Research (AACR).

Die Professionals Follow-up Study gehört zu den prospektiven Beobachtungsstudien, die den Ursachen von Zivilisationserkrankungen auf den Grund gehen. Hierzu gehört – mit Abstrichen – auch das Prostatakarzinom, das nicht zuletzt aufgrund der steigenden Lebenserwartung in der Bevölkerung immer häufiger wird. Die Auslöser des Prostatakarzinoms sind weitgehend unbekannt, frühere Untersuchungen hatten jedoch bereits auf einen Zusammenhang mit einer Hypercholesterinämie hingewiesen, darunter auch eine Auswertung der General Practice Research Database, einer Datenbank britischer Hausärzte. Sie ergab, dass Patienten mit unbehandelter Hyperlipidämie zu 50 Prozent häufiger an Prostatakrebs erkranken (Br J Cancer 2004; 90: 635-7). Auch für Kolonkarzinom und Blasenkrebs wurde übrigens eine Assoziation mit den Lipidwerten beobachtet.

Die Auswertung von Elizabeth Platz von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore liefert hierzu die korrespondierenden Daten. Sie wertete die Daten von 34 438 Männern aus, die seit 1986 alle zwei Jahre interviewt und medizinisch untersucht werden. Bis zum Jahr 2000 waren 2 074 neu an einem Prostatakarzinom erkrankt, davon 283 mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom und 206 mit metastasiertem oder bereits tödlichem verlaufener Erkrankung.

Die Analyse ergab nun, dass in den letzten beiden Gruppe Patienten unterrepräsentiert waren, die wegen einer Lipidstörung mit Medikamenten behandelt worden waren. Platz gibt eine Hazard-Ratio von 0,54 an für alle fortgeschrittenen Prostatakarzinom-Erkrankungen. Für metastasierte und tödliche Tumoren betrug die Hazard Ratio sogar 0,34. Das heißt: Die Einnahme von Lipidsenkern (und dies waren zu 90 Prozent Statine) senkte das Risiko auf ein metastasiertes oder tödliches Prostatakarzinom um zwei Drittel.

Das sind beeindruckende Zahlen, die indes „nur“ aus einer Beobachtungsstudie stammen. Die Epidemiologin betont, dass die Studie keineswegs beweist, dass Statine den Prostatakrebs verhinderten. Hierzu müssten weitere Studien durchgeführt werden, wobei die Epidemiologin an randomisierte kontrollierte Interventionsstudien denkt.

Völlig überzogen wäre es, aufgrund der Studie ältere Männer präventiv mit Lipidsenkern zu behandeln, auch wenn diese keine erhöhten Cholesterinwerte haben. Aufgrund der Daten der General Practice Research Database wäre vorstellbar, dass die Statine nicht direkt präventiv wirken, sondern nur den Risikofaktor Hyperlipidämie abstellen. Aber auch dies müsste erst in weiteren Studien belegt werden.

Platz erinnerte daran, dass es in den ersten Jahren nach der Einführung der Statine einmal die Befürchtung gegeben habe, dass Statine Krebserkrankungen auslösen, was sich aber später nicht bestätigte. /rme

Ergänzung:
Statine helfen, den Cholesterinwert zu senken, aber sie verschleiern (maskieren) auch den PSA-Wert.
Nicht nur der Cholesterinwert sank ab, auch der PSA-Spiegel ging nach unten. Ein wie ich meine trügerisches Signal. Deshalb ist angeraten, den PSA-Wert immer im Zusammenhang mit dem Cholesterinwert zu sehen, insbesondere wenn Diäten, Hungerkuren und ähnliche Aktionen anstehen. Also Vorsicht bei sinkendem Cholesterinspiegel.

Männer, die ihre überhöhten Cholesterinwerte mit Statinen behandeln, dürfen sich nicht völlig darauf verlassen, dass ein PSA-Test einen möglichen Prostatatumor anzeigt. Denn die Cholesterinsenker drücken auch die Werte des prostataspezifischen Antigens (PSA) nach unten. Das hat eine Studie der Duke University in Durham, North Carolina, nachgewiesen (Die Quellenangabe lautet: Hamilton RJ, Platz EA, Goldberg KC, Freedland SJ: The Association Between Cholesterol And PSA. J. Urol. Suppl, 2008, 179, 721, abstract 2094.).

letzte Aktualisierung im Mai 2008

Ergänzung

Lt. uro-update Handbuch zeitigt der Einsatz von Statinen ein deutlich verringertes Risiko einer Prostatakarzinommortalität, aber nur dann, wenn die betreffenden Männer die Statine bereits VOR einer Krebsdiagnose verwendet hatten. Prof. Hammerer

Mein Kommentar:

Der Ausaage traue ich nicht so unbedingt. Ehe da nicht weitere Studien für Klarheit sorgen, werde ich mich bei der Einnahme von Statinen zurückhalten u nd würde noch restriktiver Vorgehen, wenn es um Prophylaxe geht.

April 2015 WDF

 

 

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.

 

 
 

 

 
 

 

 
 

 

 
 

 

 
 

 

 
 

 

 
 

 

 

 



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