Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Vorsorge bei Prostatakrebs sinnlos?

06.5.2011

Der Finger des Arztes kann ihn oft nicht ertasten, den Prostata-Krebs. Zwar ist das so genannte digitale Aufspüren das Standardverfahren der gesetzlichen Krankenversicherung, doch ein Drittel aller Prostata-Krebse liegen außerhalb der mit dem Finger erreichbaren Regionen und manche sind einfach zu klein. Ein Bluttest, kombiniert mit einer Ultraschall-Untersuchung, schließt die Lücke.

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Prostatakrebs und Vorsorge und unter Prostatakrebs und Vorsorge 2

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Ergänzung:
Dieser Tage erhielt ich eine Mail mit einem Anhang:
Vorsorge bei Prostatakrebs sinnlos.

Hier meine leicht gekürzte Antwort:
Guten Tag Herr E....,
danke für Ihre Mail. Ich freue mich immer, wenn Mitglieder unserer SHG aufmerksam die im Umlauf befindlichen Meldungen zu Prostatakrebs kommentieren, in Frage stellen oder im Betroffenenkreis hinterfragen bzw. weiterreichen. Bin z.Zt. im Urlaub, kann nur kurz antworten:
In schöner Regelmäßigkeit werden Meldungen, wie die, die Sie mir zukommen ließen, im Internet lanciert. In schöner Regelmäßigkeit folgen, je nach Ernsthaftigkeit der dargelegten Argumente, Gegenargumente anderer. Wenn wie hier im Hintergrund ein Verlag (K....) für seine regelmäßigen "Aufklärungsbriefe" wirbt, wenn Prof. M..... zitiert wird (Ein Großteil seiner mir bekannten Ansichten zu PK-Therapien lehne ich ab), wenn sogenannte Enthüllungsliteratur zitiert wird "Die Wahrheit über…", dann ist es für mich müßig, mir viele Gedanken über die Qualität solcher Ausführungen besser Enthüllungen zu machen. Die kommerziellen Hintergründe oder die oftmals apokalyptischen Sensationsschlagworte wie auch der ständige Kriegsschauplatz Pharmaindustrie gegen den Rest der Welt (wer ist das? Wie viele sind das wirklich? Welche Überzeugung treibt diese Leute wirklich an? Welches Ziel haben sie?) machen mich seit Jahren aus gutem Grund mißtrauisch.

Was tatsächlich bedauerlich ist, dass die Verbreiter dieser Meldungen im Gegensatz zu uns Betroffenen, die wissen, was Sache ist, kräftig dafür sorgen, dass eben weniger Menschen Vorsorge und Früherkennnung betreiben, beides wesentliche Voraussetzungen, schwerwiegende, lebensbedrohende Krankheiten in einem Stadium zu entdecken, wo kurativ noch gehandelt werden kann. Wird dieser Moment verpasst, ist das therapeutische Fenster, wo noch akzeptabel kurativ gehandelt werden kann, i.d.R. zu.
Wochenlang haben ... in Salzburg Urologen in einer bemerkenswerten Aktion an Tankstellen mit Flyern, kleinen Präsenten und abendlichem urologischem Kabarett das Gespräch mit Männern, bevorzugt jüngeren, gesucht und gefunden. Aus gutem Grund: wissen wir doch alle, der Prostatakrebs wird immer jünger. Und je jünger Schwerwiegendes entdeckt wird, um so eher sind nach heutigem medizinischem Wissensstand kurative Möglichkeiten gegeben. Wäre das nicht so, wäre die Meldung des letzten Monats falsch: Das statistische Bundesamt vermeldet, dass Männer seit 2008 im Durchschnitt weitere 2 Monate länger leben, als bisher. Wir Männer leben länger. Warum wohl? Doch nicht weil wir dem Prostata-Krebs tatenlos zuschauen.

Selbstverständlich kann jeder, ich betone auch jeder in unserer SHG , sich der Meinung der zitierten Verfasser anschließen, sich verfasserkonform zu verhalten. Ich werde mich in unserer Selbsthilfegruppe aus meiner selbstgewählten Verantwortung heraus nicht mit solchen wissenschaftlich in keinster Weise gesicherten, eher tendenziösen, überwiegend auf Behauptungen basierenden Informationen, mit Studien, die methodische Mängel haben, auseinandersetzen. Es steht Ihnen frei, dass Sie in der Junisitzung (im Mai 2011 passt es thematisch nicht) in der Gruppe Ihre heutige Mail zur Diskussion stellen. Anschließend folgt ja bekanntlich mein Vortrag: "Prostatakrebs – was nun?"

Gerade wir Selbsthilfegruppen haben durch eigene Anschauung, durch aktives Mitmachen im Kreise der S3 Leitlinienerstellung über 5 Jahre miterleben können, mit welcher Verantwortung dort von Vertretern der Ärzteschaft, der Kassen und der Gesundheitspolitik um das gerungen wurde, was dem Patienten u.a. letztlich dient: Frühzeitig Krankheit richtig erkennen, frühzeitig kurativ eingreifen können. Natürlich hat es dort wie überall im Leben auch Kompromisse gegeben, die auch ich nicht tolerieren möchte und zähneknirschend zu Kenntnis nehmen muß. Aber das heißt doch nicht, dass das Votum für Vorsorge und die Früherkennung falsch ist. Ganz im Gegenteil: Der Weg ist richtig, er muß nur verbessert werden.

Ich persönlich beachte, beherzige und bevorzuge die nachfolgende Stellungnahme von einem der bekanntesten us-amerikanischen Urologen am Ende eines Interviews:

DOES PSA TESTING SAVE LIVES?
A Critical Analysis of Two Randomized Trials by Patrick C. Walsh, M.D

……What is the take home message?
If you are the kind of person who doesn’t wear a seat belt nor goes regularly to the dentist or your family doctor for a check-up and are not worried about dying from prostate cancer, do not undergo PSA testing. On the other hand if you are a healthy man age 55-69 who does not want to die from prostate cancer, ……… that PSA testing can save your life.

Freie Übersetzung:
Was ist die Botschaft, die Sie mit nach Hause nehmen können?
Wenn Sie jemand sind, der keinen Sicherheitsgurt anlegt, der nicht regelmäßig zum Zahnarzt geht, keinen Gesundheits-Check-Up beim Hausarzt machen läßt und auch keinen PSA-Test, sind Sie nicht besorgt, an Prostatakrebs zu sterben. Wenn Sie jedoch ein gesunder Mann im Alter von 55-69 sind, der nicht an Prostatakrebs sterben will, kann der PSA-Test Ihr Leben retten.

Mai 2011

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.



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