Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Grading beim PCa nach Gleason

09.4.2011

Grading beim Prostatakarzinom nach Gleason
Gleason Punkte Morphologische Kriterien
      1   Runde bis ovale gleich große Einzeldrüsen, dicht nebeneinander liegend, scharf gegen die Umgebung abgrenzbar
      2 Etwas weniger uniforme Einzeldrüsen, getrennt durch geringe Mengen von Stroma, weniger scharf begrenzter Tumorrand
      3  a) Unregelmäßig große und unregelmäßig gestaltete Drüsen mit gewöhnlich reichlicherem Stroma, gelegentlich Drüsen dicht gelagert, unregelmäßige und unscharfe Tumorgrenze
b) Papilläre oder kribriforme Strukturen z.T. in großen gangähnlichen Bildungen
      4 a)Große unregelmäßige Epitherlformationen durch Drüsenverschmelzung (fused glands) sowie verzweigte Drüsen mit unregelmäßiger Infiltration in die Umgebung
b) Adenokarzinom mit ausgeprägt klarem Zytoplasma
      5 a)Scharf begrenzte runde Epithelhaufen mit meist solidem und kribriformen Bau, gewöhnlich mit zentraler Nekrose
b)Unregelmäßig begrenzte Formationen eines undifferenzierten Karzinoms, das nur durch gerade noch erkennbare Drüsenbildung oder Vakuolen (Siegelringähnlich) als Adenokarzinom zu identifizieren ist.

Berechnung der Gesamtpunktzahl:
-Bei einheitlich strukturierten Tumoren wird die Punktzahl verdoppelt; z.B. 3+3=6
-Bei unterschiedlich strukturierten Tumoren steht die Punktzahl für den überwiegenden Anteil an erster Stelle (primäres Grading). An zweiter Stelle steht die Punktzahl für den zweitgrößten Anteil (sekundäres Grading); z.B. 4+3=7.
bei primären Gleason Grade 4 und 5 sollte prinzipiell der prozentuelle Anteil angegeben werden, z.B. 3+4 (10%) = 7

Prof. Bonkhoff empfiehlt:
Gleason Grad 1 und die Gleason Score (Summe) 2, 3 und 4 sollten in Stanzbiopsien nicht diagnostiziert werden
für jede positive Stanzbiopsie sollte der Gleason Grad und der Gleason Score angegeben werden

Wiederum Prof. Bonkhoff:
Im Einzellfall ist der exakte Gleason Score prognostisch und therapeutisch ausschlaggebend. Insbesondere gilt dies für die Gleason Grade 6 und 7. Bei den Pathologen mit wenig urologischen Eingang besteht häufig das Problem der Unter-Graduierung, z.B. kleine Gleason 3 Herde werden als Gleason Grad 1 oder 2 fehl interpretiert oder die prognostische Bedeutung der Drüsenfusion (Grad 4) wird nicht erkannt.
... die Untergraduierung in der Stanze ist mit 33-45% wesentlich häufiger als die Übergraduierung ( 4-32%).

Der Gleason Grad korreliert mit:
-prätherapeutischen PSA
-pathologischen Tumorstadium (pTNM)
-Tumorvolumen
-Lymphknotenstatus
-Rezidivrate
-Überlebensrate
-andere Prognosefaktoren z.B. Ploidie und Angiogenese

Für prognostische Zwecke werden Gleason-Scores in drei Gruppen nach dem WHO-Grading eingeteilt:
G1 - hochdifferenziertes Prostatakrazinom
G2 - mäßigdifferenziertes Prostatakarzinom
G3 - geringdifferenziertes prostatakarzinom
Beispiel: G1=Gleason-Score 2 bis 4

Es gibt noch weitere Gradingsysteme, z.B. Helpap, Böcking und Pathologisch-Urologischer-Arbeitskreis. Dort haben auch zytologische Malignitätskriterien (Kernatypien, Nukleolen) Berücksichtigung gefunden.

Prognostisch wichtige und für die Therapieentscheidung maßgebliche Parameter bei Prostatakarzinompatienten orientieren sich heute am Gleason Grad bzw. Gleason-Score.



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