Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Östrogenpräparate

23.12.2011

Fosfesterol ist ein Östrogenpräparat. Fosfestrol ist eine europäische Verbindung und bekannt unter den Namen Honvan, Honvan ist tatsächlich seit einiger zeit vom Markt. Bereits im Mai des Jahres 2002 hatte die Herstellerfirma Baxter informiert, dass der Vertrieb des Arzneimittels Honvan® eingestellt werden muss, da der bisherige Lieferant für den Wirkstoff Fosfestrol nicht mehr zur Verfügung steht. Die Zulassung des Medikamentes ist seit dem 15.06.2005 (Amp.) bzw. 28.06.2005 (Tabl.) erloschen, das Produkt ist daher nicht mehr verkehrsfähig. Vermutet wird von mir: Die Pharmaindustrie hat anscheinend kein Interesse an diesem kostengünstigen Produkt. Eine Zeitlang konnte es noch aus (ich glaube) Ungarn und Japan bezogen werden.

Eine hochdosierte i.v. Östrogengabe soll eine direkt zytotoxische Wirkung auf die PK-Zelle haben

Weiter heißt es in der mir zur Verfügung stehenden Quelle: Kommt es nach Ausschöpfen der Hormonbehandlungen wieder zum Fortschritt des Krebswachstums, gibt es die Möglichkeit auf Kombinationen von Östrogenen (wie Estramustinphosphat, Fosfestrol) und Antiandrogene auszuweichen Kardiovaskuläre Komplikationen und thrombotische Komplikationen wurden jedoch bei Pateinten festgestellt. Auf Grund dieser Nebenwirkungen wurden Oestrogene praktisch nicht mehr eingesetzt. Bei parenteraler Gabe (Infusion) sollen die zuvor beschriebenen Nebenwirkungen heute in viel geringerem Maße auftreten, so daß Östrogene besonders auch unter Berücksichtigung des niedrigen Preises in Zukunft wieder interessant werden könnten

Es scheint also eine Wiederbelebung der Östrogene zur Behandlung des hormonrefraktären Prostatakarzinoms zu geben. Es gibt erfolgversprechende Studien dazu. Ca. 30% der androgeninsensitiven und metastasierten Prostatakarzinome sollen auf eine Antiöstrogene Therapie ansprechen. Auch wurden erste Informationen über ein therapeutisch wirksames Antiöstrogen bekannt, dass Raloxifen. Es soll androgeninsensitive Prostatakarzinomzellen in den programmierten zelltod treiben.

Zu Alternativtherapien sollte man(n) unbedingt mit seinem Urologen oder aber mit einem Uro-Onkologen sprechen. Hier braucht es viel Erfahrung und die haben wir Laien in den Selbsthilfegruppen nicht. Wir Selbsthilfegruppen haben zwar Patientenkompetenz aber keine medizinische Ausbildung. Deshalb gibt es auch keinen medizinischen Rat von mir.

In der Internetliteratur habe ich noch gefunden: Transdermales Estradiol (TDE = Östrogenpflaster) wären eine Alternative. (siehe Phase-2-Studie mit transdermaler Applikation von Estradiol beim androgenunabhängigen Prostata-Karzinom Bland LB, Garzotto M, Deloughery TG, Ryan CW, Schuff KG, Wersinger EM, Lemmon D, Beer TM. Division of Urology,Oregon Health and Science University and Portland Veterans Affairs Medical Center, Portland, Oregon)

Die intramuskuläre Gabe von 240mg Polyestradiol Phosphat (PEP) alle 2 Wochen über 8 Wochen (5 Dosie-rungen gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 240 mg jeden Monat) wäre eine weitere Alternative - siehe Studie Henriksson P, Carlstrom K, Pousette A, Gunnarsson PO, Johansson CJ, Eriksson B, Altersgard-Brorsson AK, Nordle O, Stege R. Department of Internal Medicine, Huddinge Hospital and Karolinska Institute, Stockholm, Sweden, Peter.Henriksson@medhis.ki.se

November 2005

Ergänzung:
Man sollte bei oraler Östrogeneinnahme gleichzeitig mit Marcumar oder ähnlichen Medikamenten dem Risiko der übermäßigen Blutgerinnung entgegenwirken. Ob Aspirin hilft, ist fraglich.

weitere Ergänzung:
Verbrennungen durch Medikamentenpflaster bei Kernspintomografie

Die us-amerikanische FDA rät alle Pflaster vor Kernspintomografie zu entfernen

Und zwar würden die starken Magnete in Kernspintomografen Metalle erhitzen, selbst wenn diese nicht magnetisch seien. Dies könne bei Medikamenten-Pflaster (Transdermale Pflaster, die manchmal Spuren von Aluminium enthalten können, zur Erwärmung führen.

Bekannt geworden seien fünf Fälle, bei denen Patienten, die ein Medikamentenpflaster nicht vor der Untersuchung entfernten, leichte Verbrennungen der Haut erlitten. Einige Hersteller warnen bereits vor dem Risiko, andere wiederum nicht.

Da dem Pflaster von außen nicht anzusehen sei, ob es Metalle oder metallische Spuren enthalte, sollten alle Pflaster vor einer Untersuchung im Kernspintomografen entfernt werden. Überlegt würde, alle Hersteller zu verpflichten, die Pflaster mit einem Aufdruck vor MRI entfernen“ zu versehen.

Dazu schreibt Prof. Schostak im BPS-Forum:

Für die Entdeckung, dass eine Kastration sowie eine gegengeschlechtliche Behandlung das Pca stoppen kann, hat Huggins 1966 den Nobelpreis bekommen.
Die chirurgische, irreversible Kastration wurde nicht als besonders schick empfunden, man suchte statt dessen nach Tabletten. Das erste oral verfügbare Medikament hiess Diethystilbestrol (DES), ein Östrogen. Es wirkte zwar sehr gut gegen Prostatakrebs, hatte jedoch heftige, teilweise tötliche Nebenwirkungen: Herzinfarkte, Thrombosen, Lungenembolien u.v.m.
Wegen dieser -teilweise tötlichen- Nebenwirkungen wurden in den 1970ern die großen Studien der VACURG und MRC gestartet, die untersucht haben, wie lange man bis zur Therapie mit DES warten kann (Prinzip "Early vs. Deffered"): MRC, Br J Urol 1997, 79:235-246

Etwa zeitgleich in den 1970ern wurden die ersten LHRH-Analoga als Spritze erfunden und eingeführt, die eine gegengeschlechtliche Therapie unnötig machten und durch eine Testosteron-Entzugstherapie ersetzten. Nachteil war die tägliche Spritze in der Anfangszeit. Heute gibt es ja sogar 1-Jahresdepots
Die heute für Männer verschreibbaren Östroide (v.a. das Estramustin) haben noch immer diese Nebenwirkungen und sollen deshalb nur unter Gerinnungshemmung genommen werden. Empfohlen wird Marcumar....
Man darf davon ausgehen, dass Männern ähnliches auch bei für Frauen verschreibbarem Östrogen wie Ethinylestradiol blüht.
Bis zur Zulassung der neuen Second-Line-Chemotherapeutika und der neuen hocheffektiven sekundären Hormonmanipulation (Abirateron, bald auch TAK 700 ("Orteronel") und MDV 3100) gab es ein paar Jahre, in den das tatsächlich wieder diskutiert wurde (, weil man einfach nichts weiteres hatte).
Spätestens seit Sommer 2011 ist eine derartige Therapie jedoch völlig out (Zulassung Abirateron und Cabazitaxel).

Und jetzt gibt es auch noch die Option mit Enzalutamid (Xtandi)

Zum Thema Östrogentherapie und begleitend eine Medikation zur Blutverdünnung mit ASS und anderen Therapeutika siehe Östrogene

letzte Aktualisierung im März 2009/Dezember 2011 / November 2014

 



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