Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Nebenwirkung bei DHB

24.8.2009

Wir müssen als erstes bedenken (dürfen nicht vergessen): Wir haben es bei der Hormontherapie mit zwei verschiedenen Nebenwirkungen zu tun:
1. Durch fehlendes bzw. zu geringes Testosteron werden verursacht Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schlappheit, schmerzende Brustwarzen, Anstieg der Cholesterin- und Zuckerwerte, steigendes Risiko für einen Herzinfarkt und irgendwann auch Osteoporose.
2. Die vom Medikament ausgehenden Nebenwirkungen, d.h. genauer gesagt vom Arzneiwirkstoff auf die Organe wie Leber, Niere, Kreislauf usw.

Zu bedenken ist auch, dass Kombinationstherapien (LHRH + Antiandrogen oder LHRH + Antiandrogen + 5-Alpha-Reduktasehemmer) andere Nebenwirkungen haben können, als wenn ein Medikament nur allein verabreicht wird.

Mit Nebenwirkungen bei DHB sind nicht nur die gemeint bei der DHB (dreifache Hormonblockade) nach Dr. Leibowitz, sondern die üblicherweise bei einer Hormontherapie zu erwartenden, so gut wie generell auftretenden, Nebenwirkungen.
Diese Nebenwirkungen sind oder können sein (nicht jeder Betroffene leidet gleichermassen oder gleich stark unter Nebenwirkungen, das ist ganz unterschiedlich, ganz individuell):

Hitzewallungen
Libidoverlust
Fatigue
Austrocknen des Ejakulats
Anämie
Stimmungsschwankungen
Brustvergrößerung (gering nicht so viel wie bei Casodex)
Durchfall bei Flutamid

November 2005

Ergänzung:
Betroffene berichten, dass sie nach dem Absetzen von Casodex (aber auch gleichzeitiges Absetzen von Zometa) vermehrt Knochenschmerzen hätten.
Januar 2006

Mitgeteilt wurde von Betroffenen, dass sie Probleme hätten mit Erhöhung der LDL- und der Blutzuckerwerte kurz nach Beginn der Hormontherapie.

Die LHRH-Therapie mit Enantone bzw. Trenantone habe zu Sehstörungen im Augenhintergrund (Schleier) geführt, beklagten einzelne Betroffene.

Ergänzung zu Nebenwirkungen von Flutamid und Elligard:
Berichtet wurde von Schleimhautblutungen im Zahnfleisch nach Einnahme von Flutamid und Elligard (LHRH).
Abgesehen davon, dass eine unzureichende Vitaminversorgung insbesondere mit Vitamin C der Auslöser sein kann kann man von multifaktoriellen Gründen ausgehen z.B. "Verstopfung" von Blutkappilargefäßen oder Autoimmunreaktionen oder was sehr naheliegend ist von Medikamentennebenwirkungen. Bei der Kombination von Flutamid mit LHRH werden Nebenwirkungen im schweizer Arzneimittelkompendium wie folgt beschrieben:Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom, die mit einem LHRH-Agonisten und Flutamid behandelt wurden und bei denen Flutamid infolge fortschreitender Krankheit abgesetzt wurde, ist über das in der Literatur beschriebene Syndrom nach Absetzen der Antiandrogene (Antiandrogen-Withdrawal Syndrom) berichtet worden. Bei diesen Patienten kann es unter Umständen zu einer Verbesserung der Schmerzlinderung und der durch die Krankheit verursachten Anämie zusammen mit einer Abnahme des prostataspezifischen Antigens (PSA) und des Tumorwachstums kommen. Dieser Effekt tritt üblicherweise innerhalb von 1–2 Wochen nach Absetzen von Flutamid auf und kann für mehrere Monate anhalten. Obwohl der dem Antiandrogen-Withdrawal-Syndrom zugrundeliegende Mechanismus unklar ist, lautet die gegenwärtige Behandlungsempfehlung, Flutamid bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom, bei denen ein Rückfall nach kombinierter Androgenblockade aufgetreten ist, abzusetzen.

Störungen des Blutes und des Lymphsystems Selten: Ödeme, Ekchymosen, Lymphödeme

Durchfall (12% teilweise auch mit ausgeprägter Symptomatik), Übelkeit und Erbrechen berichtet. Mit Ausnahme von Durchfall, der unter Kombinationstherapie ca. 3× häufiger auftritt, treten alle genannten Nebenwirkungen unter Monotherapie mit einem LHRH-Agonisten mit gleicher Häufigkeit auf, sind also nicht dem Flutamid-Anteil in der Kombinationstherapie zuzuschreiben.

Eine zahnmedizinische Verlautbarung zu diesem Thema:Das Zahnfleisch - oder auch die Mundschleimhaut generell - wird auch als "Spiegel des Körpers" bezeichnet. Viele Erkrankungen haben deshalb auch ihre Auswirkungen auf die Mundschleimhaut, so z.B. Erkrankungen des Immunsystems, Mangelernährung verbunden mit Vitaminmangelerscheinungen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. schlecht eingestellte Zuckerkrankheit), Nikotin- und Alkoholmißbrauch, Medikamentennebenwirkungen (z.B. Kalziumblocker) oder auch virale Erkrankungen (z.B. Herpes).

Ergänzung:
Manche Medikamente sind im Ausgangszustand oft noch nicht immunogen, sondern werden nicht sofort sondern erst bei ihrer Metabolisierung und Bindung an Proteine vom Immunsystem als Antigene erkannt. Hier liegt ein wesentliches Problem beim Einsatz neuerer Medikamente: Da die einzelnen Metabolisierungsstufen dem behandelnden Arzt manchmal nicht genügend bekannt sind (bzw. ausreichende Erfahrungswerte noch nicht zur Verfügung stehen), sind negative Resultate (unerwünschte Stimulationen) im Bereich der Haut- und Lymphozyten möglich. D.h. NICHT-immunologische Mechanismen wie Toxizität, Nebenwirkungen oder Intoleranzreaktion, welche auch über die Dosierung ausgelöst sein können, müssen erkannt und abgegrenzt werden.

Ergänzung.
Prof. Miller, Berlin schrieb aktuell:

Die Nebenwirkungen des Testosteron-Entzugs sind mehr in den Focus gerückt. Bereits nach einem Jahr kommt es zu einer deutlichen Abnahme der Knochendichte (Osteoporose), nach längerer Therapiedauer nimmt das Risiko von Frakturen erheblich zu. Dem Knochenabbau kann durch die Gabe von Bisphosphonaten oder – in der Zukunft – mit RANKLigand Inhibitoren entgegengewirkt werden. Neben der Osteoporose geht die Testosteron-Absenkungen auch mit einem höheren Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen einher.

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aktualisiert im August 2009

Ergänzung 2014
Die Amerikaner konnten zeigen, das die FRÜHZEITIGE Hormontherapie keinen Überlebensvorteil brachte (DHB wurde da aber nicht untersucht)
und empfehlen heutzutage ganz klar, erst bei SYMPTOMEN mit der HT anzufangen - das spart zumindest viele Jahre Nebenwirkungen.

Quelle: BPS Forum
23.11.2914

 



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