Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Gleason Grading

07.12.2011

nach prof. Bonkhoff sollte bei Stanzbiopsien bedacht werden: - Gleason Grad 1 und Gleason Score 2,3 und 4 sollten nicht diagnostiziert werden.

- Gleason Grad 2 läßt sich nur dann diagnostizieren, wenn der Tumorherd ausreichend groß ist. Die Unterscheidung zwischen Gleason Grad 1 und 2 ist lt. Prof. Bonkhoff subjektiv.

- kleine Tumorherde mit nicht-fusionierten Drüsen entsprechen einem Gleason 3+3=6; Gleason Grad 3 ist mit Abstand der häufigste primäre Gleason Grad

- vier dichtgepackte Drüsen ohne trennendes Stroma =Gleason Grad 4; wenn jedoch noch um jede einzelne Drüse eine gedachte Linie gezogen werden kann, dann liegt Gleason Grad 3 vor.
Die meisten Gleason Grad 4 Karzinome haben dunkles, basophiles Zytoplasma und deutliche Kernatypien auf.=Gleason Grad 4A
Der seltene Gleason Grad 4B ist hellzellig und weist oft keine Karnatypien auf. Deshalb wird er in anderen Beurteilungssystemen meist niedriger eingestuft.

- für jede positive Stanzbiopsie sollte der Gleason Grad und Score angegeben werden

- bei primären Gleason Grade 4 und 5 sollte prinzipiell der prozentuale Anteil angegeben werden, z.B. 3+4 (10%)=7 Ergänzung:
Prof. Helpap, Pathologe auf den Magdeburger Prostatakrebsgesprächen des BPS im Juni 2006:
GleasonScore: Für die Therapieentscheidung gilt der Erste Scorewert als Maßgabe, das wäre bei 4+3=7 die 4 und nicht die Summe 7. Das wäre bei 5+3=8 die 5 und nicht die Summe 8.

ergänzende Anmerkung:
Vorsicht bei Überlegung in Bezug auf den Zusammenhang von Gleason 4 oder 5 und der Höhe des PSA. Bei Gleason 4 oder 5 wird beobachtet, das der PSA-Wert recht oft niedriger liegt als es eigentlich erwartet wird. Erklärung: Entartete Tumorzellen produzieren weniger PSA als Tumorzellen z.B. bei Gleason 3.
Aber wie immer: Das kann so sein, muß aber nicht zwangsläufig!

letzte Aktualisierung im September 2007

Ergänzung 2014

- gut differenzierte Gleason-Grade 3 sind in der überwiegenden Mehrheit,
- liegen aber auch mässig differenzierte GG4-Anteile vor, dann kann oder muß sogar ein geringer (sehr kleiner) Anteil an GG5 vermutet werden
- GG5-Anteile können typischerweise an sehr kurzen Verdoppelungszeiten vermutet werden.
aus einem Forumsbericht beim BPS: Einen noch so geringen GG5 zu ignorieren, ist  nicht nur unwissend, sondern es zeugt auch von ....... Dummheit.

Die Frage ist oft: Ja warum hat man denn dieses Turmorareal mit GS 5 bei der Biopsie nicht gefunden? Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Man hat danebengestochen, weil der Herd zum Zeitpunkt der Biopsie noch sehr klein war.

Meine persönliche Anmerkung: Aber bitte bedenken, was Prof. Bomkhoff uns in seinen Vorträgen mitgeteilt hat: Der aggressivste Gleason bestimmt die Therapie, auch wenn er zunächst nur ganz klein ist. Der wächst, und wie schnell kann man an der Wachstumsgeschwindigkeit, gemessen per PSA, leicht erkennen.
Wird Gleason 5 nicht erkannt weder durch die Biopsie noch indirekt über einen z.B. relativ hohen postoperativen PSA-Wert z.B. 0,2 ng/ml, dann ist die gewählte Therapie nicht ausreichend wirksam.

Muß ich vermuten, dass häufig Gleason 5 bei der Befundung im Patholabor übersehen wird?

M.E. NEIN, wenn es sich um einen erfahrenen Uropathologen handelt. Aber um allen Überlegungen vorzubeugen: Es könnte doch.... rate ich zu einer Zweitbefundung und zwar insbesondere dann, wenn
a) nur eine geringe Anzahl an Stanzen entnommen wurde (z.B. 6 oder 8) oder
b) eine abwartende Therapiestrategie wie Active Surveillance gewählt wird.

23.11.2014 WDF



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