Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Screening

14.4.2011

Systematische Untersuchungen mit dem Ziel, Früherkennung von Krankheiten.

Hierzu gehören auch die Begriffe Prävention und Früherkennung.

Zwei kürzlich veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studien haben den Nutzen des PSA-Screenings nicht belegen können: während eine amerikanische Studie keine Senkung der Prostatakrebsmortalität zeigte, wurde in einer europäischen Studie die Mortalität um 0,17 Promille gesenkt, was bedeutet, dass für einen verhinderten Todesfall 1.410 Männer gescreent und 48 Männer behandelt werden müssen, 47 davon überflüssigerweise.

aus einer Veröffentlichung des Dartmouthinstituts.

Meine Anmerkung:
Jetzt stellt sich wieder die Frage, ob Screening mehr nützt oder ob es Schaden zufügt, z.B. durch Übertherapie. Und das bedeutet, die öffentlichen Expertendiskussionen (und die derer, die sich dafür in den verschiedensten Foren halten)über die Sinnhaftigkeit des PSA-Screenings, die Sterblichkeit und die Übertherapie dürften neue Nahrung erhalten haben. Wenn es denn der Klärung dient und gesundheitspolitisch die für uns Patienten richtige Entscheidung getroffen sollte, dann soll es mir recht sein.

Ergänzung:
Prostatakrebs-Screening nicht effektiv

In einer randomisierten Studie hat ein Team aus Schweden über einen Follow-up von 20 Jahren untersucht, wie sich das Screening mittels PSA und digitaler Rektumaustastung auf die krebsspezifische Mortalität auswirkt. Die Resultate sind ernüchternd.

1494 zufällig ausgewählte Männer der Stadt Norrköping in Schweden, welche 1987 zwischen 50 und 69 Jahre alt waren, nahmen an der randomisierten Studie teil und wurden zwischen 1987 und 1996 alle drei Jahre gescreent – in den ersten beiden Untersuchungen lediglich durch die digitale Rektumpalpation, ab 1993 in Kombination mit der PSA-Bestimmung (Cut-off 4 µg/l). Im Jahr 1996 wurden nur noch Männer gescreent, welche maximal 69-jährig waren. Primärer Endpunkt war die Prostatakrebs-spezifische Mortalität (gescreente Population versus 7500 nicht gescreente Männer aus Norrköping). Der Follow-up dauerte gute 20 Jahre.

Die Adhärenz (Therapietreue, Einhalten der zwischen Arzt und Patient vereinbarten Gesundheits- und/oder Therapieziele) lag in den vier verschiedenen Screenings zwischen 1987 und 1996 bei 70-78 Prozent.
In der Screeninggruppe betrug der Anteil Patienten mit einer Prostatakrebsdiagnose 5.7 Prozent und in der Kontrollgruppe 3.9 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakrebs zu sterben, war in der Screeninggruppe nicht geringer als in der Kontrollgruppe. Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom war weder bezüglich krebsspezifischem Überleben noch bezüglich Gesamtüberleben ein signifikanter Vorteil für gescreente Patienten nachweisbar.

Ergebnis der Studie: Nach einem 20-jährigen Follow-up hat sich bei 50- bis 69-jährigen Männern keine Reduktion der prostatakrebsspezifischen Mortalität durch das Screening gezeigt.

mehr in der Studie: BMJ 2011; 342,d1539 - Sandblom G et al

aktualisiert im Januar 2010/im April 2011

Siehe auch PSA-Screening ja oder nein vom 23.08.2014 - Laut gedacht von WDF

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Vorträgen von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.



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