Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Sekundärtherapie beim organbegrenzten Prostatakrebs

27.2.2006

Eigentlich beginnt die Nachsorge schon eine Woche nach der RP. Spätestens jetzt sollte Klarheit bestehen, ob der Tumor organbegrenzt ist oder nicht, ob Lymphknoten und wie viele Lymphknoten positiv sind, ob Schnittränder positiv sind und über den Differenzierungsgrad des Tumors.

Prof. Pummer aus Graz:

„ Wenn der Patient Glück hat, dass das Karzinom organbegrenzt ist, negative Lymphknoten und Schnittränder sowie ein günstiger Differenzierungsgrad vorliegen, dann ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Rezidivs innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre unter 10%.“
Lt. Uni-Professor Pummer könnte die Nachsorge solcher Patienten „in großen Intervallen etwa 1x pro Jahr“ erfolgen.

Bei Hochrisikopatienten wie z.B. bei Kapselüberschreitung, positiven Lymphknoten, Resektionsrändern und schlechtem Differenzierungsgrad, die Rezidivraten von 70 bis 90% zeitigen, stelle sich die Frage, so Pummer, einer raschen adjuvanten Behandlung nach der Operation. Es fehle aber noch jeglicher Beweis für eine lebensverlängernde Wirkung solcher Vorgehensweise.

Im 10-Jahresgesamtüberleben gibt es Studien zufolge keinen Unterschied auf Unterschiede mit und ohne Rezidiv-Therapie. Die mittlere Zeit bis zur Metastasierung liege den Fachleuten zu Folge bei 8 Jahren und weitere 5 Jahre bis zum Tode. Patienten mit günstigen prognostischen Faktoren würden erst spät, so etwa nach 7 Jahren, Metastasen entwickeln. Die PSA-Verdopplungszeit sei ein wesentlicher Faktor zur Risikoabschätzung.

Sekundärtherapie werden am häufigsten innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Versagen von Kryotherapien (88%), gefolgt von Strahlentherapien (34%) eingesetzt. Am besten weg kommt die RPE, hier sind Sekundärtherapie am seltensten.

Abgesehen davon, dass die Kosten zusammen mit dem Umfang und der Dauer der Nachsorgediagnostik heftig steigen, ist der Nutzen von immer mehr und zusätzlichen Untersuchungen umstritten, liefert der PSA-Wert zumeist erst dann therapeutisch relevante Ergebnisse, wenn er die eigentlich sinnvolle Interventionsgrenze bereits überschritten hat. Warum? Die Wahrscheinlichkeit für die Wirksamkeit einer Sekundärtherapie nimmt ab, je später sie beginnt. Ein Beispiel zeigt Prof. Stephenson: Bei einem PSA > 2ng/ml gegenüber einem PSA >0,6 ng/ml ist das Risiko für ein Therapieversagen etwa 3x größer. Prof. Pummer:

„ Die Nachbestrahlung sollte daher bei PSA < 1,5ng/ml ……beginnen.“
Als Interventionspunkt für eine Sekundärtherapie wird in der Literatur ein PSA-Wert genannt, der nicht unter 0,2ng/ml liegt.

Eine frühe antihormonelle Behandlung bei positiven Lymphknoten zeige eine verbesserte Überlebenszeit, allerdings waren sich die Fachleute auf der bayerisch-österreichischen Jahrestagung der Urologen einig, läuft eine solche Therapie möglicherweise 8 und mehr Jahre mit beachtenswerten Nebenwirkungen

Meine Anmerkung:
Wenn also ein Rezidiv erst spät auftritt, ist das nicht unbedingt ein Katastrophenfall. Es gilt jedoch, die Intervention in dem Therapiefenster zwischen 0,2 und 1,5 ng/ml PSA zu nutzen. Tröstlich in dem Zusammenhang: Dieser Mann wird vermutlich nicht an sondern eher mit seinem Prostatakrebs versterben.

Februar 2006



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