Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prognose, Glesaon und PSA - eine theoretische Betrachtung

09.4.2011

LudwigS, ein über US-Foren gut informierter Schreiber in mehreren Foren äußert sich zur Problematik wie folgt:

....Entscheidend für die Genauigkeit der Prognose sind:

1. Zahl der Stanzen bei einer Biopsie, 14 sind natürlich genauer als 6, um eine engmaschige Prüfung zu haben. Die Möglichkeit, dass man den Tumor - meist sind es parallel mehrere Herde, da wir etwa 40 erbsengroße PSA-Drüsen in der Prostata haben, von denen durchaus mehrere gleichzeitig „verkrebsen“ können - unterschätzt, ist viel häufiger als umgekehrt. Eine Stichprobe sind 14 natürlich auch nur, ausserdem nimmt mit der Prostatagrösse logischerweise die Ungenauigkeit zu. Es gibt also eine Reihe von Ungenauigkeiten, die es zu reduzieren gilt.

2. Der Gleason - Score – und er sollte von einem Prostatakrebsspezialisten (da gibt es mehrere) geprüft oder zweitgeprüft sein, damit nicht so häufig das wie bei dir passiert. Epstein, einer der grossen US-Pathologen, plädiert dafür, Gleason 2+2 und günstiger gar nicht zu vergeben, da das fast immer falsch sein wird.

Wenn man einen richtig guten Pathologen erwischt, sagt der dann noch den Prozentsatz der z.B. Gleason-Grad 3 - und Gleason-Grad 4 - Anteile in einer Stanze.

Die erste Zahl des Gleason –Scores (deutsch Gleason –Summe) ist der Gleason-Grad des mengenmässig im gesamten Stanzmaterial gefundenen grössten Anteils, die zweite Zahl der Summe der Gleason-grad der mengenmässig zweitgrössten Menge.

So liegt rechnerisch die Menge des grössten gefundenen Gleason-Grad Anteils – bei dir Gleason-Grad 3 irgendwo innerhalb 51% und 99%, der kleinere Anteil – bei dir Gleason-Grad 4, liegt irgendwo zwischen 1 und 49 %. Wenn der Pathologe aber sagt, Gleason-Grad 4 - Menge 45%, dann ist die Sache dramatischer als wenn er sagt Gleason-Grad 4 nur 5%, dann bleiben eben 95% für den gutmütigen Gleason-Grad 3.

Dass PK 10mal mehr PSA ins Blut abgibt stimmt nur unter engen Voraussetzungen, Gleason-Score 2+2. Und das ist durchgängig Gleason Grad 2.

Stark zerstörte PSA-Drüsen geben im Normalfall weniger PSA (die Milch des Mannes) ins Blut. Von einer kaputten Brustdrüse erwartet man auch nicht, dass da die Milch in Strömen fliesst.

Der Zusammenhang ist (statistisch durchschnittlich) wie folgt:

Gleason-Grad 1 : 20 ng PSA/ml Blut pro Kubikzentimeter Tumor Gleason-Grad 2 : 10 ng PSA/ml Blut pro Kubikzentimeter Tumor Gleason-Grad 3 : 4 ng PSA/ml Blut pro Kubikzentimeter Tumor Gleason-Grad 4 : 2 ng PSA/ml Blut pro Kubikzentimeter Tumor Gleason-Grad 5: 1 ng PSA/ml Blut pro Kubikzentimeter Tumor

Hast du z. B. bei Gleason Score 3+4 im Extremfall 99% Grad 3 und 1% Grad 4, also fast alles Gleason-Grad 3, kannst du mit PSA 4 ng/ml pro cm³ Tumor rechnen.

Hast du z. B. bei Gleason Score 3+4 im Extremfall 51% Grad 3 und 49% Grad 4, also fast fifti-fifty, kannst du mit 3 ng/ml pro cm³ Tumor rechnen.

Im ungünstigsten Fall, so PSA und Gleason-Score stimmen, könnte man rechnen:

PSA gutartig = Prostatavolumen 37cm³ * 0,066 ng/ml/cm³ = 2,44 ng/ml

Maligner PSA-Überhang: 4,2 ng/ml – 2,44 ng/ml =1,76 ng/ml

Tumorvolumen: 1,76 ng/ml geteilt durch 3 ng/ml pro cm³Tumor = 0,59 cm³Tumor

Sind immerhin 2 Kugeln mit 8mm Durchmesser.

Deswegen hat der Gleason-Score einen so starken Einfluss – vorausgesetzt man hat die Tumore mangels Stanzenzahl nicht nur gestreift und erwischt die gut differenzierten Randbereiche

Viele haben sich schon gewundert, dass sie statt der zwei Krümel zwei Geschosse wie aus einem 38er Colt in sich trugen.

Aber das hier waren theoretische Betrachtungen. Die Praxis hat viele Streuungen parat.

Ergänzung:
Dr. Kahmann, Betreiber eines anderen PK-Forums schreibt als Antwort:

Die Ausführungen von Ludwig sind sehr eindrucksvoll aber leider genauso spekulativ. Zum einen repräsentieren die Stanzen nur einen geringen Anteil der Gesamtprostata, zum anderen ist der Anteil des Gleason 3 bzw 4 nicht definiert, und zum dritten können wir nicht ausschließen, dass noch weitere Tumoranteile mit höheren Gleason Scores vorhanden sind. Also eher viel Theorie mit noch mehr Unbekannten. Dennoch sehr einleuchtende und gut dargestellte Berechnungen.

März 2006



Zurück