Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Gleason-Score

04.7.2006



histologische Einteilung, Abstufung der Bösartigkeit von Tumorgewebe (siehe Grading);

Das Gleason-Grading spielt bei der Therapieplanung des Prostatakarzinoms eine wichtige Rolle 

Drüsenform, Drüsengröße und Drüsenabstand sowie die Stromainvasion (Eindringen in das Bindegewebe) werden mit Punkten bewertet.

von 1 gleich weniger differenziert bis 10 stark maligne.

Es geht um Zellwachstumsmuster, um die Zell-Ähnlichkeit. Verglichen werden die Tumorzellen mit den normalen Prostatazellen.

Gleason (GS) 2 bedeutet große Ähnlichkeit
Gleason (GS) 10 bedeutet keine Ähnlichkeit.

Was bedeutet es, einen Gleason-Score von 6 oder 7 oder 8 bis 10 haben?

Die niedrigste Gleason-Score von Krebs in einer Prostatabiopsie ist 6. Es handelt sich dabei dann normalerweise um einen gut differenzierten oder low-grade und wahrscheinlich weniger aggressiven Tumor, der dazu neigt, langsam zu wachsen bzw. sich langsam auszubreiten.

Werden in der Stanze Prostata-Krebsanteile mit Gleason-Score von 08 bis 10 festgestellt, dann ist das ein schlecht differenzierter oder hochgradiger Krebs, der dazu neigt,  aggressiv zu sein und vermutlich schnell wachsen wird.

Tumoranteile mit einem Gleason-Score von 7 werden als mäßig differenziert beschrieben, sie gehören dem sog. Indermidiate-Bereich an.

Juni 2004/November 2014

Ergänzung:
Ein Grading ist keine präzise Messung, es ist eine individuelle Beurteilung und damit Schwankungen unterworfen. Zwei verschiedene Untersucher können den gleichen Fall unterschiedlich beurteilen.

Für Prof. Altwein ist nach seinen Ausführungen vor Vertretern des BPS im April 2005 der Gleason-Wert als alleiniger Indikator für Therapiemaßnahmen "zu unsicher". Prof. Altwein habe nur in 35 Prozent seiner Praxisfälle eine Übereinstimmung zwischen dem Gleason vor und dem Gleason nach der Operation feststellen können.

Prof. Altwein:"Wer um diese Abweichung weiß und sich gerade wegen dieser Abweichungen keine zweite Meinung einfordert, gefährdet die Erfolgsaussichten seiner Therapie."

Mai 2005

Ergänzung:
die Diagnose des Prostatakarzinoms in der Stanzbiopsie ist nach Prof. Bonkhoff abhängig von der

- Treffsicherheit des Urologen
- Größe des erfassten Tumorherdes
- Erfahrung und Entscheidungssicherheit des Pathologen
- sachgerechten Aufarbeitung (Vermeidung von Materialverlust)
- Schnitt- und Färbequalität

Die Martiniklinik schreibt zum Thema Gleason u.a.:

Die Muster 1 und 2 sind in Stanzbiopsien aus der peripheren Zone der Prostata nicht zu finden. Günstige Gleason-Grade sind Befunde wie Gleason 3+3=6 oder Gleason 3+4=7. In diesen Situationen kommt bei nicht zu ausgedehntem Tumorbefall der Stanzen und einem nicht zu hohen PSA-Wert eine Aktive Überwachung (active surveillance) infrage. Biologisch deutlich aggressivere Tumoren müssen bei Befunden wie Gleason 4+3=7, 4+4=8 oder 4+5=9 angenommen werden.

September 2005  und November 2014

Ergänzung:
Prof. Helpap, Pathologe auf den Magdeburger Prostatakrebsgesprächen des BPS im Juni 2006:
GleasonScore: Für die Therapieentscheidung gilt der Erste Scorewert als Maßgabe, das wäre bei 4+3=7 die 4 und nicht die Summe 7. Das wäre bei 5+3=8 die 5 und nicht die Summe 8.

letzte Ergänzung im Juni 2006

Ergänzung 2014

Da geistert eine Aussage durchs Forum: Nur 26% der am Prostatakrebs versterbenden Patienten hatte einen Gleason Score von von 6.

Dazu Prof. Martin Schostak, Magdeburg im BPS-Forum:
Epstein zeigte 2012, dass 0/14.000 Patienten mit Gleason 6-Klassifikation im Präparat nach radikaler Prostatektomie Lymphknotenmetastasen hatten (Epstein et al. Am J Surg Pathol 09/2012). Dazu meinte Carter im Journal of Clinical Oncology, "Gleason 6 - should it be labeled as Cancer?" (Carter, JCO 35, Dez 2012) Nun ist Epstein DER Großmeister der Prostatapathologie und diese Aussage deshalb vielleicht nicht unbedingt auf alle übertragbar (in der Analyse oben z.B. 26%).
In Deutschland haben wir aus unserer Versorgungsdatenbank www.prostata-ca.net, die ich leite (21.000 Patienten, davon 12.000 mit Radikaler Prostatektomie) gerade Folgendes extrahiert (Paper ist unterwegs):
3,8% der Patienten mit Gleason 6 in der Stanze UND im Präparat nach RPX hatten eine Lymphknotenmetastasierung, mit anderen Worten, die Gleasonklassifikation dieser Fälle wurde sowohl in der Stanze, als auch im Präparat nach RPX durch den jeweiligen lokalen Pathologen unterschätzt (und lag in Wirklichkeit höher als 6). Das untermauert die Forderung, Gleason 6-Fälle, die AS oder eine Fokale Behandlung wollen, zu einem (richtigen) Referenzpathologen zu senden.

26.11.2014 WDF

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.WDF

 



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