Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

intermittierende Hormonblockade

18.3.2009

Die Hormonbehandlung verhindert i.d.R. eine Zeit lang das weitere Fortschreiten des Krebswachstums. Oft kommt es auch zu Rückbildungen des Tumors.

Eine Variante der Hormonblockade ist der doppelte oder dreifache Hormonentzug (z.B. nach Dr. Leibowitz).

Die Hormonbehandlung ist auch die wirksamste Behandlung von Metastasen. Leider reagieren die Krebszellen mit zunehmender Dauer der Behandlung immer weniger auf den Hormonentzug. Durch regelmäßige PSA-Messungen lässt sich die Veränderung kontrollieren.

Um den Stillstand beim Tumorwachstum möglichst lange auszudehnen, wird die Hormonbehandlung durch Pausen unterbrochen (intermittierende Hormonblockade)

Ein weiterer Effekt der intermittierenden Hormontherapie: Die trotz Androgenentzug überlebenden Tumorzellen sollen durch erneute Hormonstimulation nach Absetzen der behandlung in der sogenannten Zykluspause zu einem normalen Differenzierungsverhalten zurückfinden und wieder apoptoasefähig werden. Die redifferenzierten Zellen sollen danach wieder auf einen erneuten Androgenentzug ansprechen.

Es gibt unter Wissenschaftlern ernstzunehmende Meinungen, die genau das bezweifeln.

Ergänzung
im Februar 2008 sagte ein Experte auf die Frage, in welcher Situation er die iADT als sinnvoll ansehen würde, folgendes:

DR. OSIEKA : Die intermittierende Hormontherapie, heißt eine Therapieunterbrechung wenn der PSA-Wert auf ein sehr niedriges Niveau zurückgegangen ist, wird seit ca. sieben Jahren in Studien untersucht. Bisher hat sich kein Unterschied bei der kontinuierlichen Therapie im Vergleich zur intermittierenden Therapie gezeigt. Sowohl, was ein Fortschreiten der Erkrankung als auch das Überleben angeht. Die Studien sind noch nicht ganz abgeschlossen. Man wird wohl noch zwei Jahre brauchen. Dennoch wird weltweit wegen der bisher so guten Ergebnisse die intermittierende Form zur Zeit bevorzugt. Die Frage, wann man wieder mit einer Therapie beginnen soll, wird sehr unterschiedlich beantwortet. In den deutschen Studien beginnt man bei PSA-Werten um 20. Es kommt aber bestimmt auch auf den Ausgangswert an. So macht man nichts verkehrt, wenn man bei einem PSA-Wert von 6 - 7 wieder beginnt. Während der Therapiepause muss alle drei Monate der PSA-Wert kontrolliert werden. Interessant ist dann auch, ob der Testosteron-Wert wieder ansteigt. Der Sinn der intermittierenden Behandlung ist eine bessere Lebensqualität in der Therapiepause. Dies findet sich nicht immer. Eine große Ersparnis der Medikamentenkosten liegt auf jeden Fall vor.

letzte Aktualisierung im März 2009

Wichtige Ergänzung 2015

Intermittierende Androgenblockade

Soll ich mich als Betroffener für eine intermittierende Androgenblockade entschließen oder lieber doch nicht, das verunsichert uns Patienten recht stark. Und ich vermute, unsere Urologen sind ähnlich verunsichert.

Die drängende Frage beantwortet Prof. Dr. med. Johannes M. Wolf_ Abteilung für Urologie Paracelsus-Klinik Golz-heim Düsseldorf Friedrich-Lau-Str. 11 40474 Düsseldorf E-Mail: Johannes.wol£@paracelsus-kliniken.de in den Uro-News 2015 19(9) mit einer persönlichen Empfehlung wie folgt:

Prof. Wolf: Sollten Patienten mit einem knöchern metastasierten Prostatakarzinom eine intermittierende Andro-genblockade wünschen, so biete ich sie als individuellen Heilversuch und damit als experimentelle Therapie an. Allerdings weise ich die Patienten explizit darauf hin, dass die Therapie möglicherweise − wenn auch nur gering – die Überlebenszeit verkürzt.

William Oh vom Mount Sinai Hospital, New York, vertrat auf dem jährlichen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Jahr 2013 die Ansicht, dass die intermittierende Androgenblockade beim nicht-knöchern-metastasierten, fortgeschrittenen Prostatakarzinom eine Therapieoption darstellt, dagegen beim knöchern- metastasierten Prostatakarzinom als Standardtherapie ungeeignet sei.

November 2015, Text bearbeitet und verkürzt durch WDF

 



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