Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Therapievergleich

25.1.2010

Prof. Seegenschmiedt, Essen, zum Therapievergleich:
Ob bei primärer Therapie oder im fortgeschrittenen Stadium, es sind Entscheidungen erforderlich, welche Therapie ab jetzt gewählt wird. Dazu muß man die Therapien miteinander vergleichen. Ein Therapievergleich hat folgende Aspekte (oder wie vergleiche ich Therapiealternativen?):

1. Therapiekontrolle
a) meine Chancen, wie ist es mit dem Überleben?
b) wie schnell muß ich befürchten tritt ein Rezidiv auf?

2. Komplikationen - welche habe ich zu erwarten?

3. Lebensqualität - wie stark wird meine Lebensqualität beeinflußt?

4. Gesamtkosten
a) was bezahlt die Kasse?
b) was muß ich privat noch zusätzlich aufbringen?

Wer sich in dem Zusammenhang für eine ganz individuelle Therapie entscheidet sollte wissen:
Schulmedizin präsentiert Ergebnisse kritisch untereinander
individuelle Therapien veröffentlichen Ergebnisse nicht

Wer sich für eine nervschonende Operation entscheidet sollte wissen: Je nervschonender operiert wird, um so größer ist die Gefahr der Kapselüberschreitung bzw. des Verbleibs von Tumorzellen im OP-Bereich. Nervschonende OP ist nur bei rd. 10 Prozent der Patienten im Alter von 55 bis 65 möglich.Mit der da-vinci Operationsmethode dürfte diese Prozentzahl durchaus steigen. Mehr dazu in diser Infothek unter "Operieren mit dem Roboter".

Juni 2006

Ergänzung:
Primär

 

Primär-Therapien

PK ist potenziell heilbar, solange der Tumorauf das Innere des Organs begrenzt ist

Vorteil

Nachteil

Watchful waiting

 

Keine belastenden Eingriffe oder Medikamente;

Hohe Lebensqualität

vielen Männern mit niedrigem Progressionsrisiko könnte die Therapieprozedur OP-ST-HT erspart werden

die initial abwartende Haltung beeinträchtigt die Chancen auf Heilung nicht

Der Tumor bleibt drin; wächst weiter

Engmaschige Kontrollen erforderlich incl. Biopsien

Risiko, die Kontrolle über die Tumorerkrankung zu verlieren, oder zu einem späteren Zeitpunkt die Option anderer Therapieverfahren aufgrund höherer Risiken im Alter verspielt zu haben. - Belastend für die Psyche

Nicht bei intermediärem und hohem Risiko

Operation

z.B. Bauchschnitt

Der Tumor ist  raus; evtl. verdächtige Lymphknoten werden ebenfalls entnommen;

Behandlungsmethode mit der größten Wahrscheinlichkeit, den Prostatakrebs endgültig aus dem Körper zu entfernen.

ein geschickter Operateur kann, selbst bei schlechter Ausgangslage, durch schonende, gewissenhafte OP-Technik ein sehr gutes Ergebniss für den Patienten erzielen

Anspruchsvolle OP, sehr belastend in den ersten Monaten nach der OP,

nicht möglich bei Begleiterkrankungen  wie Niereninsuffizenz, anderen aggressiven Krebserkrankungen

Mehrwöchige allerdings bei den meisten Männern eine vorübergehende Inkontinenz, die durch spezielles Training überwunden werden kann

Bleibende Impotenz bei den meisten Männern, Viagra hilft nur wenigen Männern; nur mit Hilfsmitteln wie z.B. der SKAT-Spritze ist GV möglich
Verletzung des Enddarmes in 2%, die Verletzung des Harnleiters in 0,3-1%

Risikofaktoren sind Herzen oder Lunge
Bein- und Beckenvenenthrombosen
Ödeme im Unterschenkel


z.B. minimal-invasiv oder roboter-assistiert

Körperlich weniger belastend, wenig Blutverlust bei OP

Kurze Krankenhausverweildauer

Nervschonende OP besser möglich als beim offenen Bauchschnitt

Häufig schon nach 14 Tagen kontinent

Behandlungsmethode mit der größten Wahrscheinlichkeit, den Prostatakrebs endgültig aus dem Körper zu entfernen.

ein geschickter Operateur kann, selbst bei schlechter Ausgangslage, durch schonende, gewissenhafte OP-Technik ein sehr gutes Ergebniss für den Patienten erzielen

Je nervschonender operiert, desto größer das Rezidivrisiko

Denn um so größer ist die Gefahr der Kapselüberschreitung bzw. des Verbleibs von Tumorzellen im OP-Bereich.

 

Nervschonende OP ist nur bei rd. 10 Prozent der Patienten im Alter von 55 bis 65 sinnvoll möglich.

Inkontinenz und Impotenz sind hier nicht wirklich besser sondern nur in der statistischen Anzahl geringer

"Tissue-Treatment": wie behandelt der Operateur das Gewebe:
So kann ein schlechter Operateur, einen ansonsten idealen PAtienten dadurch die Heilung versauen, weil er IN das Krebsgewebe schneidet, es quetscht oder andersweitig so behandelt, dass Tumor-Zellen ausgeschwemmt werden. Schlüsselloch-OPs sind dafür grundsätzlich anfälliger, weil man den Tumor oft nicht "im Ganzen" durch mit dem Bergesack durch die Geräte bekommt.

Bestrahlung

Externe

die prinzipiellen Risiken und Belastungen einer Operation werden vermieden werden

Bei Langzeitbeobachtungen gleiche Überlebenschancen wie bei OP,

Lebensqualität insgesamt weniger als bei OP beeinträchtigt

Kombination von Strahlentherapie + Hormontherapie scheint noch erfolgreicher zu sein.

30-40 Einzelbehandlungen über ca. 6 Wochen verteilt

andere Organe wie Darm und Blase werden von den Strahlen teils durchquert, deshalb werden in geringerem Maße auch gesunde Zellen geschädigt

Während der Bestahlung Reizblase, Durchfall, viel Müdigkeit, nach einigen Jahren späte Bestrahlungschäden bemerkbar wie z.B. Stuhlschmieren, schnelle Stühle

Ca. 40-50 % der bestrahlten Männer erleiden einen Potenzverlust

Keine gute Option für junge Männer

Diabetespatienten mit Reizblase bekommen Probleme bei Bestrahlung

Wenn CGA positiv, dann ist der PCa laut Prof. Bonkhoff strahlenresistent

Eine Beeinträchtigung der Samenreifung ist möglich. Und das Risiko wächst mit Dauer und Intensität der Bestrahlung.

Schmerzen im Enddarmbereich (behandelbar!)

Strahlenkater und Strahlenproktitis

Gelegentlich Bult im Stuhl oder Urin

Spätfolgen bei bis zu 10% der bestrahlten Männer

Prognostische Aussagen nach Strahlenbehandlung schwieriger

Brachy

Deutlich geringere körperliche Belastung

umliegenden Organe können besser als bei der extrakorporalen Strahlentherapie geschont werden

Die Nebenwirkungsraten sind deutlich geringer als bei der radikalen Prostatektomie (Inkontinenzrate ca. 0,5 %, Impotenzrate ca. 50 %); BT ist auch ambulant machbar

Lebensqualität deutlich besser als bei invasiven Therapien, Rezidiv-Nachbestrahlung möglich

Relativ junge Therapie; Langzeiterfahrungen nur erst für 7 Jahre vorhanden

operative Behandlung nach Brachytherapie normalerweise nicht mehr möglich; daher wird häufig nur hormonelle Nachbehandlung bei Rezidiv angeboten

selten entsteht eine längerfristige Inkontinenz. In 50-85 % der Fälle kann die Potenz erhalten werden.

Enddarmprobleme und Miktionsprobleme mehre Jahre nach dem Eingriff wurden beobachtet
Wenn Harnstrahl weniger als 15 ml/sek. dann keine Brachytherapie mit Seeds
Diabetespatienten mit Reizblase bekommen Probleme bei Bestrahlung, auch bei Brachytherapie.
Wenn CGA positiv, dann ist der PCa laut Prof. Bonkhoff strahlenresistent
Eine Beeinträchtigung der Samenreifung ist möglich. Und das Risiko wächst mit Dauer und Intensität der Bestrahlung.

Hormonelle Behandlung

ADT

Die Hormontherapie kann durch den Krebs verursachte Symptome, insbesondere Schmerzen lindern und eine weitere Ausbreitung des Tumors für einige Jahre verhindern.
Häufig ist sogar ein Rückgang der Krebserkrankung zu beobachten

Wirkt beim nichtmetastasierten Patienten etwa 2 bis 5 Jahre

An Nebenwirkungen können Hitzewallungen, Impotenz und Libidoverlust (fehlende Lust auf Sex) auftreten. Die medizinische Kastration kann zu einer Schwellung der Brust und zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte und Schlaganfälle, führen. Nach einigen Jahren kommt es häufig zur sogenannten Hormonresistenz. Das heißt, dass die Krebszellen auch ohne Testosteron weiterwachsen


Verlust von Muskel- und Knochenmasse, wodurch das Osteoporoserisiko steigt.

Tumore sprechen unterschiedlich stark auf Hormone an

intermittierend

Die Hormontherapie kann durch den Krebs verursachte Symptome, insbesondere Schmerzen lindern und eine weitere Ausbreitung des Tumors für einige Jahre verhindern. Häufig ist sogar ein Rückgang der Krebserkrankung zu beobachten,

Die Medikamentengabe erfolgt immer nur zeitweise, dazwischen liegen Pausen in welchen kein Medikament verabreicht wird. In Zykluspausen gute Lebensqualität!

An Nebenwirkungen können Hitzewallungen, Impotenz und Libidoverlust (fehlende Lust auf Sex) auftreten. Die medizinische Kastration kann zu einer Schwellung der Brust und zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte und Schlaganfälle, führen. Nach einigen Jahren kommt es häufig zur sogenannten Hormonresistenz. Das heißt, dass die Krebszellen auch ohne Testosteron weiter wachsen; Verlust von Muskel- und Knochenmasse, wodurch das Osteoporoserisiko steigt.

Tumore sprechen unterschiedlich stark auf Hormone a

Keine (erhoffte) Verlängerung der Überlebenszeit

Experimentelle Therapie

 

(Es muß gut überlegt werden, ob man(n) sofort auf das modernste Pferd aufspringt. Vieles, so hat es sich später herausgestellt, bewährt sich nicht.)

Hifu

an vielen Zentren als Behandlungsalternative etabliert

wiederholbar, schonend, erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

schließt andere Therapieoptionen nicht aus HIFU könnte auf Dauer eine bevorzugte Therapieoption für frühe Tumorstadien darstellen

nicht möglich, die gesamte Prostata verlässlich zu behandeln

keine Behandlungsmöglichkeit bei zu großer Prostata
keine Behandlungsmöglichkeit, wenn Prostata stark verkalkt ist nur in sehr frühem Stadium und nur bei strenger Patientenauswahl effektiv, sonst hohe Rezidivraten

Ärztevetreter der anderen Therapiemöglichkeiten sehr skeptisch

Kryo

 

hat sich noch nicht etabliert

es fehlt noch an ausreichender Erfahrung

nicht sicher genug kontrollierbar

invasiver im Vergleich zur HIFUTherapie.

Wie vergleiche ich Therapiealternativen?:

1. Therapiekontrolle
            a) meine Chancen (wie ist es mit dem Überleben)?  
            b) wie schnell (muß ich befürchten) tritt ein Rezidiv auf?

 

2. Komplikationen - welche habe ich zu erwarten?

(Übrigens: Wer mit Windeln herumläuft, hat sich von wenigen Ausnahmen abgesehen selber nicht genug informiert oder er hat in Bezug auf gute Informationen durch seinen Therapeuten eine Pfeife als Urologen)

3. Lebensqualität - wie stark wird meine Lebensqualität beeinflußt?

(Achten Sie darauf, dass nicht nur Ihr Tumor sondern auch Sie, der Betroffene, behandelt wird! Seien Sie kritisch beim Gespräch mit Ihrem Urologen, fordern Sie Therapien ein mit wenig Nebenwirkungen!)

4. Gesamtkosten klären:
            a) was bezahlt die Kasse? 
            b) was muß ich privat noch zusätzlich aufbringen?

Juni 2006

Wolfhard D. Frost



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