Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Kombinationstherapie Chemo und Hormone

21.6.2006

Neuerdings wird zunehmend die Chemotherapie in Kombination mit einer Hormontherapie als besonders effektiv beim Prostatakarzinom dargestellt.

Ich habe Probleme mit dieser Betrachtungsweise:
Die Hormontherapie regelt den Tumor runter, kühlt ihn ab und führt zur Apoptose.
Die anschließende Chemotherapie, wo soll sie angreifen? Sie hat doch nichts, wo sie angreifen soll ausser Nekrosen, oder?

Juni 2006

Ergänzung 2014

Kombinationstherapie ADT und Chemo

Die Androgendeprivation ist die Standardtherapie des mPCa. Dr. Eva Hellmis aus Duisburg meint: „Es gibt jedoch gute Gründe, Patienten in dieser Situation zusätzlich eine Chemotherapie anzubieten, denn die Tumoren können auch Zellklone enthalten, die nicht hormonsensitiv sind.“ Zu befürchten sei auch, dass Patienten bei Erreichen der kastrationsresistenten Phase nicht mehr fit genug für eine Chemotherapie seien. Die CHAARTED-Studie untersuchte, ob Patienten mit hoher Tumorlast (viszerale Metastasen oder mehr als vier Knochenläsionen, mindestens eine davon außerhalb des Stammskeletts) von einer Kombination aus ADT und Docetaxel im Vergleich zu einer alleinigen ADT profitieren. Eine Zwischenanlalyse ergab einen statistisch signifikannten Vorteil für das Gesamtüberleben zugunsten der Kombination. Bei niedriger Tumorlast sei noch keine Aussage möglich.

Aus der CHAARTED-Studie mit 790 Patienten und Beginn 2006 wurde im Dezember 2013 eine Zwischenauswertung veröffentlicht. Erkennbar war eine durchschnittliche Überlebenszeit von 44 auf rd. 58 Monate und bei Patienten mit ausgedehnten Metastasen stieg die durchschnittliche Überlebenszeit sogar von 32,2 auf 49,2 Monate, ein Plus von 17 Monaten. 28 Prozent der Studienteilnehmer mit ADT+Docetaxel litten an Grade 3 und Grad 4 Nebenwirkungen. (Quelle: Ärztezeitung 2.6.2014 und THE "NEW" PROSTATE CANCER INFOLINK, USA)

mehr Info unter: http://prostatecancerinfolink.net/2014/06/01/sweeney-et-al-present-results-of-chaarted-trial-at-asco/

Meine Meinung: Für mich sind diese Ergebnisse überraschend günstig, hoffnungmachend. Oder bin ich da zu leichtfertig, zu euphorisch? Denn es ist doch nur ein Zwischenbericht. Ich meine wir sollten ohne Aufregung den Abschlußbericht abwarten, der auch weniger positiv Korrekturen enthalten könnte. Nicht jeder Prostatakrebs gleicht dem anderen.  Ich stelle mir aber auch bange Fragen wie z.B. Wird unsere derzeitige medikamentöse Therapie infrage gestellt? Was ist mit Abiraterone? Was ist mit Enzalutamid? Sind unsere derzeitigen Behandlungsstrategien vielleicht sogar ganz oder zumindest in Teilen überholt? In den letzten vier Jahren hat sich der „Therapiemarkt“ durch neue Medikamente rasant und für mich als Betroffener fast nicht überschaubar verändert und jetzt noch solch positive Ergebnisse durch Therapiekombinationen.
Wir Patienten mit  einem noch hormonsensitiven Prostatakarzinom und einer hohen Metastasenlast sollten unseren Uroonkologen ganz eindringlich fragen, welche Strategie für uns die beste ist, ob überhaupt und wenn, wie wir von einer kombinierten ADT-Chemotherapie profitieren können.
Was ich nämlich nach wie vor befürchte, ist ein heftiger Verlust an Lebensqualität, den ich beim Einsatz von Chemotherapeutika erwarte. Ich erwarte  bei dieser
Therapie zusätzliche Nebenwirkungen wie z.B. neutropenisches Fieber und Neuropathien.(Ärztezeitung). Und ich frage mich erneut: Sind mir ein paar wenige Monate Lebenszeitverlängerung eine solche Quälerei wert? Will ich das wirklich?

05. November 2014 WDF



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