Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Vitaminversorgung

08.7.2010

...oder das Märchen von der Vitaminunterversorgung.

Vitamin-Unterversorgung ist kein Vitaminmangel

Glaubt man der Werbelyrik von einigen Herstellern, ist selbst bei normaler Ernährung ein Vitaminmangel vorprogrammiert. Der Gehalt der Vitamine und Mineralstoffe ist in den Lebensmitteln gesunken und nur durch die Zufuhr von Vitaminpräparaten ist dieses Defizit zu kompensieren. Der Jahresumsatz der Nahrungsergänzungsindustrie liegt bei über 1 Mrd. Euro.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) betont, dass Deutschland kein "Vitaminmangel-Land" ist. Die Behauptung, dass Lebensmittel heute weniger vitaminreich sind, hält einer wissenschaftlichen Bewertung nicht stand. Ergebnisse der heutigen Analysemethoden werden mit denen vor Jahrzehnten verglichen. Die heutigen Verfahren sind jedoch genauer bzw. anders.

Wurde früher beispielsweise das Gesamtkarotin eines Lebensmittels gemessen, wird heute gezielt das Beta-Karotin erfasst. Der Vitamin-C-Gehalt mancher Apfelsorten hat sich durch Züchtung in den letzten Jahrzehnten fast verdreifacht. Mit den heutigen Gemüsen und Früchten lässt sich die Plasmakonzentration an Antioxidanzien deutlich erhöhen. Licht, Sauerstoff, Wärme und Zeit sind Gegner von Vitaminen. Das verdeutlicht auch der Milchmann aus der Werbung, der seine Milch nur nachts ausliefert.

Oft wird ein Nichterreichen der Referenzwerte für die tägliche Vitaminzufuhr als "Vitaminmangel" missinterpretiert. Die Begriffe "Vitaminunterversorgung" bzw. "unzureichende Vitaminversorgung" beschreiben eine mengenmäßige Unterschreitung der Referenzwerte für die tägliche Vitaminzufuhr, ohne dass bereits Vitaminmangelsymptome zwingend vorhanden sein müssen.

Die genaue Beurteilung des Vitaminversorgungszustands eines Menschen durch einen Vergleich von berechneter und empfohlener Vitaminzufuhr (=Referenzwerte) ist nach Ansicht der DGE nicht möglich. Hierzu muss der individuelle Vitaminbedarf bekannt sein. Dieser ist von unterschiedlichen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Krankheitsstatus, möglicher Schwangerschaft, Resorptionsstörungen und anderen Aspekten abhängig.

Wird im Einzelfall ein konkreter Vitaminmangel festgestellt, sollte dieser gezielt mit einem geeigneten Vitaminpräparat beseitigt werden. Kombipräparate arbeiten dabei als "Vitaminschrotflinte":. Sie sind meist nicht in der Lage, Defizite eines einzelnen Vitamins auszugleichen. Selbstverständlich muss die Ursache eines Vitamindefizits lokalisiert werden. Nach Beseitigung des Mangels ist eine vitaminreiche Ernährung einer Vitaminpille vorzuziehen.

In keiner von neun Interventionsstudien an über 110.000 Menschen brachte die hoch dosierte Gabe antioxidativer Vitamine in Bezug auf Gelenkentzündungen und Krebsleiden im Vergleich zu Plazebo Vorteile. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie geht davon aus, dass für antioxidative Vitamine kein präventiver Effekt nachgewiesen ist.

In einem Reagenzglasversuch war die Wirkung von isoliert getestetem Vitamin C gleich null, während Äpfel mit Schale das Wachstum von Kolontumor-zellen hemmten. Vitamin C aus der Retorte ist nicht gleich Vitamin C aus Apfel & Co. Eine wichtige Rolle spielen hier die in Obst und Gemüse reichlich enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe. In den meisten Fällen ist die Zufuhr von Vitaminpräparaten nicht notwendig, manchmal sogar schädlich.

Was Wieviel Gefahren bei Überdosierung
Vitamin A 3mg Lebererkrankung möglich
Vitamin B6 25mg Schädigung am Nervensystem mit Beeinträchtigung der Bewegungskoordination, Tast- und Temperaturempfinden
Vitamin D 50µg Nierensteine infolge Gefäßverkalkung, evtl. Müdigkeit oder Kopfschmerz
Vitamin E 300mg für Raucher gilt erhöhtes Lungenkrebsrisiko; klassische Symptome sind Muskelschwäche, Übelkeit, Kopfschmerz
Folsäure 1mg Übelkeit, Blähungen, gestörtes Geschmacksempfinden
Kalzium 2500mg Betroffene klagen über leistungsschwäche
Magnesium 250mg neuromuskuläre Störungen sind möglich
Selen 300µg Haar- und Nägelverlust, knoblauchartiger Atemgeruch, Übelkeit
Zink 25mg Zuviel davon kann rote und weiße Blutzellen verändern, möglich ist Anämie
Vitamin C 2gr
(in den USA)
Risiko zur Nierensteinbildung, Schäden am Zahnschmelz
Betacarotin keine Angabe Steigert bei rauchern das Lungenkrebsrisiko und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten
Niacin 10mg Nicotinsäure führt zu Sodbrennen, Übersäuerung des Magens oder sogar Erbrechen
Fluorid 7mg höhere Aufnahme kann zur Gelenksteifigkeit führen und zu Zahnschmelzverfärbungen
Jod 600µg stört die Schilddrüsenfunktion, vermehrter Speichelfluß

Die Daten entstammen der EFSA, also von Wissenschaftlern der Europäischen Union.
Frei im Supermarkt erhältliche Präparate überschreiten die angegebenen Werte eher nicht.
Interessant: In Frankreich dürfen Lebensmitteln nur soviel Vitamine zugesetzt werden, wie bei der Produktion verloren gegangen sind - in Deutschland mehr! In Grßbritannien und den Niederlanden sind Produkte mit anderen Mineralstoffkomponenten als hierzulande auf dem Markt.

Meine Anmerkung: Das wird die Regulierungs"wut" der EU-Bürokraten schon noch in den Griff bekommen.

letzte Aktualisierung im Juli 2010


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