Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prävention

14.7.2006

Präventionsmaßnahmen bei Prostatakrebs - Sinn oder wenig sinnvoll?

Es gibt im Vergleich mit anderen Krebserkarnkungen viele Risikofaktoren, nachgewiesene und und vermutete. Wissenschaftliche Beweise sind schwierig, vor allem aber aufwendig wegen der über mehrere Jahrzehnte gehenden Beobachtungszeiten. Dennoch gibt es Ermpfehlungen und Maßnahmen, die aus bisher gemachten Erfahrungen hervorgegangen sind. Hier möchte ich mich nur mit einer Veröffentlichung aus der Schweiz auseinandersetzen, die Meinung von sonstigen Wunderdoktoren und Heilsbringern habe ich ausser acht gelassen.

Ernährung, Kalorien und Fett
Übergewicht und erhöhte Kalorienzufuhr und die damit verbundene Erhöhung u.a. des Insulin-like Growth Faktor IGF1 gelten als Risikofaktor, besonders die tierischen Fette. Bezüglich der Progression des Prostatakarzinoms besteht bei fettreicher Ernährung ein relatives Risiko von 2,5 bis 3 für Metastasierung und tödlichem Ausgang, schreiben die Schweizer Drs. Daniel Meyer, Daniel Engler und Hans Peter Schmid, alle Klinik für Urologie in St. Gallen, in ONKOLOGIE 3/2006. Der Wirkmechanismus sei eine erhöhte Androgensynthese durch in rotem Fleisch und Milch enthaltenen gesättigten Fettsäuren.

Lykopene
enthalten in Papaya, GrapefruitsSie gelten als hochwirksame Antioxidatien mit einer Senkung des Prostatakrebsrisikos auf 0,66 nach regelmäßigem Verzehr von Tomaten sogar auf 0,74. Das Progressionsrisiko habe sich um 35% gesenkt, vornehmlich bei fortgeschrittenen Prostatakrebskarzinomen.

meine persönliche Anmerkung:
Wenn ich dann in dem Abstrakt lese, der verzehr von Pizza habe das Progressionsrisiko mehr noch gesenkt als der verzehr von Tomaten, beschleicht mich Unbehagen hinsichtlich der Ernsthaftigkeit einer solchen Aussage.

Vitamin E
aus Salaten, Kresse und als alpha-Trocopherol in der Apotheke erhältlich wird als potentes Antioxydations beschrieben mit einer Senkung des Prostatakarzinomrisikos um 32% jedoch nur bei Rauchern in Finnland. Warum Nichtraucher keinen Benefit haben wurde nicht beschrieben.

Selen
wichtiges Spurenelement einer gesunden Ernährung mit Brot, Zerealien, Fisch und Fleisch senkte das Prostatakarzinomrisiko in einer langfristigen Studie, jedoch nur bei hoher Selenzufuhr.

Meine persönliche Anmerkung:
Auch hier kommen mir Bedenken, ist die die toxische Wirkung besonders hoher Selengaben nicht unbekannt. Und ob eine niedrige Selenzufuhr Effekte hat, ist nicht bekannt und nicht bewiesen, genausowenig wie die Behauptung, unsere mitteleuropäischen Lebensmittel seien selenarm. Ja, was an Zerealien, Gemüsen usw. kommt denn noch aus Mitteleuropa?

Phytoöstrogene
Es sind die Bestandteile vor allem der in Asien beliebten und verbreiteten Sojabohne. Gefolgert wird: In Asien werden viele Sojaprodukte verzehrt. In Asien gibt es weniger Prostatakrebs. Migranten aus Asien bekommen, wenn sie sich in westlichen Ländern westlich ernähren, ebenfalls Prostatakrebs. Folglich hat der Verzehr von Sojaprodukten einen günstigen Einfluß auf die Verhinderung von Prostatakrebs. Es gibt dazu zwar eine wissenschaftliche Arbeit, die diesen Effekt belegt, insgesamt mangelt es aber an entsprechenden Daten.

Meine persönliche Anmerkung:
Nicht untersucht wurde, welche anderen Krebskrankheiten bei überwiegender asiatischer Ernährung dort vermehrt und bei uns vermindert auftraten. Ich werde trotz meiner inneren Bereitschaft, verstärkt Sojaprodukte zu essen,den Verdacht nicht los, Teufel soll hier mit Belzebub ausgetrieben werden, bestärkt mich an dieser Stelle doch die soja-ablehnende Haltung von Dr. Bob Leibowitz.

Die chemische Prävention
Die Prostata scheint, so vermuten die Schweizer Doktores, ein idealer Kandidat für Präventionsmaßnahmen zu sein, häufen sich doch die Studien unter anderem auch hinsichtlich der Einflüsse von Medikamenten auf die Entwicklung von Prostatakarzinomen.

5 alpha Reduktase Hemmer
Sieben Jahre erhielten mehr als 18.000 Männer über 55 Jahre täglich zur Hälfte Placebo oder 5mg Finansterid, uns besser als Proscar bekannt. Rund ein Viertel der Finansteridgruppe profitierten gegenüber der Placebogruppe durch eine Risikoreduktion. Allerdings gab es etwas Wasser in den Wein, denn bei histologischer Betrachtung entfachte die Häufung der Gleason-Scores mit 7 bis 10 in der Finasteridgruppe eine kontroverse neue Diskussion.
Ergänzung
In der PCPT-Studie (Prostate Cancer Prevention Trial) reduzierte Finasterid (Proscar) das Prostatakarzinomrisiko um etwa ein Drittel. Im Placebovergleich traten unter Finasterid mehr Karzinome mit höherem Malignitätsgrad auf, doch nach 18-jähriger Nachbeobachtung gab es in Bezug auf die Gesamtüberlebensraten oder das Überleben nach der Diagnose eines Prostatakarzinoms keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.
Thompson IM, Goodman PJ, Tangen CM et al. Long-term survival of participants in the Prostate Cancer Prevention Trial. New England Journal of Medicine 2013;369:603–610

Statine
Auch wiederum sieben Jahre wurde der Einfluß von Statinen (Lipidsenker, Cholesterinsenker) auf die Entwicklung von Prostatakarzinomen an 300 Männern untersucht mit dem Ergebnis eines deutlich niedrigeren Pca-Risikos bei den mit Statinen therapierten Männern. Und bei karzinomen mit hohem GleasonScore profitierten die Männer deutlich mehr.

Meine persönliche Anmerkung:
Als kräftig adipöser Mensch denke ich über eine solche Therapie nunmehr zumindes nach. Bisher habe ich Therapien mit Statinen unter Hinweis auf die in den Zeitung verbreiteten Todesfälle bei einer solchen Therpie ängstlich gemieden.

Aspirin
oder genauer gesagt Acetylsalicylsäure scheint ebenfalls eine wenn auch moderate Senkung des Prostatakrebsrisikos bei allerdings täglicher langfristiger Einnahme zu haben. Nur, was sagt die Bauchspeicheldrüse dazu?

Die körperliche Fitness
Jetzt sind wir beim Lieblingsthema, soll doch körperliche Aktivität die Entwicklung von Prostatakrebs verhindern helfen, sagen skandinavische Wissenschaftler. Das und der Gesundheitswahn ganz allgemein hatten Auswirkungen: Im Jahr 2000 hatten sich rd. 4,5 Millionen Menschen in Deutschland als Mitglieder in Fitnessstudios eingeschrieben, ein paar Hundertausend mehr als Gläubige der katholische Kirche in Deutschland. Im Mittelalter baute man Kathedralen, im letzten Jahrhundert Kliniken. Der neuen Religion Fitness huldigt man jetzt in Glaspalästen und in ehemaligen Fabrikhallen, auf Marterwerkzeugen der Gesundheit nachjagend mit eigenen Aposteln, ergebenen Gläubigen und selbsternannten Päpsten. So ziemlich alles, was in den verschiedensten Religionen an Phänomenen existiert, ist übernommen worden: Diät- und Fitnesswellen, die an die Büsserbewegung erinnern. Inbrünstig gelebte Irrlehren - wenn letztendlich etwas nicht zutrifft, wird geklagt. Die Praxen der neuen Mediziner gleichen Wallfahrtsorten, wenngleich mit teilweise gegenläufigen Pilgerrichtungen und die Inquisition in Gestalt der Bundesärztekammer, die Gläubige und Nichtgläubige fein unterscheidet.

Meine persönliche Meinung:
Mag ja sein, das Fitness gegen meinen Krebs etwas bringt, und ich als Sesselpupser gefährderter war und auch tatsächlich bin als sporttreibende und körperlich tätige Männer. Nur hat keiner die Ernährungsgewohnheiten der Beteiligten in der Studie gleichzeitig untersucht, keiner hat die Einnahme von Selen oder Aspirin bei den Probanden untersucht. Mir scheint, die selektive Betrachtung einzelner Substanzen und ihrer Wirkung auf den Prostatakrebs oder dessen Entstehung ist nicht richtig. Die Entstehung von Prostatakrebs ist multifaktorell. Und was bei dem einen als förderlich erkannt wird, ist bei einem anderen eben nicht als heilsbringend nachzuweisen. Wir müssen weiter auf Studien warten, die die Fülle von Einflußfaktoren in sich vereinen, sonst kommt eines Tages noch heraus, dass Coca-Cola auch eine PK-hemmende Wirkung besitzt.

Juli 2006

Ergänzung 2014

Grundsätzlich gilt:

Diskutiert und untersucht wurden verschiedene Maßnahmen und Substanzen, die eine Vorbeugung gegen Prostatakrebs versprechen. Es gibt eine Studie von 2013 zu Soja. Eine Risokoreduktion wurde beobachtet. Die Wirkmechanismen blieben jedoch unklar.

Quelle: van Die MD und andere: Soy und soy-Isoflavones in prostate cancer... 2013 BJU10.1111

 

März 2015 WDF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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