Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Watchfull Waiting

31.12.2011

heißt beobachtendes Abwarten;

Watchful Waiting definierte Dr. Jan Adolfsson, Stockholm, als aktive Entscheidung, unter engmaschiger Überwachung nicht zu behandeln

Zunächst erfolgt keine Therapie, sondern durch regelmäßige rektale Untersuchung sowie Kontrollen des PSA-Wertes und schließlich mittels Computertomographie und Knochenszintigraphie wird das Krebswachstum verfolgt.

November 2004

Ergänzung:
Die Therapieoption "Watchful waiting", die engmaschige Beobachtung des Prostatakarzinoms, ist keineswegs älteren Patienten vorbehalten. Welche Patienten jedoch unbedingt eine aktive Therapie benötigen, erläuterte Professor Dr. Peter Carroll, University of California, San Francisco, bei einem Symposium der Firma Astra Zeneca beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie. "Es werden viel zu viele radikale Prostatektomien durchgeführt", berichtete Prof. Carroll. "Mit der richtigen Risikostratifizierung und Selektion könnte vielen Männern mit niedrigem Progressionsrisiko die Prozedur erspart werden", so der Experte. Zur Niedrigrisikogruppe gehören Patienten mit PSA-Werten von < 10 ng/ml, T1/T2a und Gleason 4-5. In den USA gehören fast 50% der heute diagnostizierten Tumoren in diese Gruppe. "Mit diesen Patienten kann man über eine abwartende Therapie sprechen. Für die Hälfte der Patienten wird schliesslich doch eine aktive Therapie nötig sein, doch wir können sie beruhigen, dass die initial abwartende Haltung ihre Chancen auf Heilung nicht beeinträchtigt."

In der Praxis von Prof. Carroll werden etwa 20% der Männer mit Prostatakrebs nach diesem Prinzip behandelt. Bei intermediärem und hohem Risiko bleibt eine aggressive Therapie Mittel der Wahl.
Dr. Anka Stegmeier-Petroianu EAU Kongress 2003 in Madrid

August 2005

Ergänzung:
Epstein et al. (1994) definiert ein "klinisch unbedeutendes" Karzinom mit Volumen >0,2ccm, kein Hinweis auf Kapselpenetration, Gleasonscore <6. Diese Meinung ist ebenso umstritten wie die von prof. Klotz, Toronto, der die Meinung vertritt, ein Karzinom gilt dann als klinisch unbedeutend, wenn es unbehandelt nicht zum Tod führt.

Nach Prof. Huland, Hamburg, ist die mittlere Zeitspanne ohne Therapie von der Diagnose bis zum Tod nicht bekannt. Frühere Studien wurden mit älteren Patieten als sie heute in die Klnik kommen durchgeführt (heute durchschnittlich 60 Jahre, Gleason 3 und bei 70-80% das Stadium pT2).

Ergänzung:
Erfahrungen aus den USA zeigen, dass die Mehrzahl der Patienten innerhalb von 1-2 Jahren das active surveillance abbrechen, weil sie entweder Anstiege des PSA hatten oder eine Veränderung der Parameter der Biospie oder weil sie den psychischen Druck, der mit den ständigen Kontrollen einhergeht, nicht weiter mitmachen wollten und eine definitive Therapie wollten.

siehe auch Active Surveillance

Ergänzung: Im BPS-Forum äußert sich aktuell Prof. Schostak aus Magdeburg wie folgt:

Watchfull Waiting stammt aus der Zeit, bevor es das PSA gab. Actice Surveillance ist sozusagen moderner.

Trotzdem ist das WW-Konzept aus meiner Sicht für bestimmte Patienten weder veraltet noch falsch. Je nach Krebs-Situation, Alter und Begleiterkrankungen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die befürchteten krebsbedingten Beschwerden niemals eintreten, weil der Betroffene vorher an etwas anderem stirbt.
Der Vorteil von WW: keine Übertherapie, denn nur jemand mit Beschwerden wird auch behandelt.

Eine der wichtigsten und meistzitierten Studien zur Therapie des lokal begrenzten Prostatakrebses vergleicht die Radikale Prostatektomie mit WW (695 Pat zw. 1989 und 1999 eingeschlossen und 15 Jahre nachbobachtet; Anna Bill-Axelson et al. NEJM 2011).
Zwei sehr wichtige Ergebnisse:
• Bei Männern bis 65 erzielt die Radikaloperation ein sign. besseres Überleben als WW,
•über 65 Jahre nicht (und das, obwohl noch nicht mal das PSA eingeflossen ist).

In die gleiche Richtung aber mit PSA geht die Studie von Prof. Studer bei 1000 Patienten. Die Frage war:
Sofort behandeln oder erst bei Beschwerden?
das Ergebnis:
•Im Alter unter 70 zeigte sich erst ein Unterschied ab einem PSA von 20 ng/ml bei Diagnose,
•im Alter über 70 sogar erst ab einem PSA von über 50 ng/ml bei Diagnose (Studer et al., JCO 2006)

letzte Aktualisierung im April 2007/im Dezember 2011



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