Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Entscheidungshilfen bei Prostatakrebs

25.1.2010

Es gibt Hilfen, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie, für eine Lokale oder eine systemische Therapie, ziemlich verlässliche Aussagen tätigen. Es sind dies die Nomogramme von Kattan und Partin. Dann gibt es noch einige PC-Tools, wie wir sie von Dr. Strum, USA, kennen (ein Dankeschön an Dr. F. Eichhorn in diesem Zusammenhang).
hierzu siehe in dieser Infothek auch nach unter "Nomogramme" oder "Partin Tabelle" oder "Prognoserechner" oder "Prostatakrebs - was nun?" oder "Understaging"

Entscheidend ist aber nicht, dass wir solche Entscheidungshilfen haben, nein, wir müssen sie auch benutzen und uns danach richten.

Wie aber sieht die Wirklichkeit aus?
Selbst bei einer 90 prozentigen Wahrscheinlichkeit für eine systemische Erkrankung wird zunächst lokal therapiert.

Urologe f.s. im BPS Forum fragt besorgt: Warum gibt es in Deutschland keine neutrale Entscheidungsfindung?
und beantwortet seine Frage gleich selbst:
- es kollidieren hier zu viele Interessen (Gesetz, Politik, Kassen, Finanzen etc.)

Prof. Seegenschmiedt, Essen, auf einer Versammlung des BPS e.V. in Magdeburg 2006:
7 Entscheidungskriterien für das weitere Vorgehen bei Prostatakrebs:

1. Alter, Allgemeinstatus, andere Krankheiten

2. lokale Kontrolle des Tumors bedeutet Heilungschancen, denn die Tumorzellen befinden sich noch in der Prostata

3. Nebenwirkungen akute und chronische; hinsichtlich Potenz soll bedacht werden, dass sie bei der Altergruppe der Prostatakranken nur noch bei 50 Prozent eine Rolle spielen würde und ab 70 gravierend weniger.

4. Die Therapie bei Versagen -
"Wir müssen uns angewöhnen wie beim Schach über mehrere künftige therapeutische Schritte hinweg zu denken, nicht kurzfristig nur den nächsten Schritt sehen" 5. Dauer und Begleitumstände der Therapie
- Es gibt groteske Situationen:
- Patient kommt mit Prostatakrebs, ist verzweifelt über sein Schicksal, der Urlaub vor der Therapie ist ihm aber wichtiger
- Bei der Beratung will der Patient eine exotische oder experimentelle Therapie, aber Kryotherapie, HIFU usw. wird man erst in 10 Jahren beurteilen können. Es muß gut überlegt werden, ob man(n) sofort auf das modernste Pferd aufspringt. Vieles, so hat es sich später herausgestellt, bewährt sich nicht.

6. Interdisziplinäre Kooperation
- das bedeutet, in einem solchen Fall kommt ein Höchstmaß an Erfahrung für den Betroffenen zusammen:
Es wird ein persönliches PK-Profil erstellt aus Befund, Biopsie, Bildgebung, Bewertung und Beschluß

7. die persönliche Arzt -
Patienten Beziehung Das Vertrauen in dieser Beziehung ist das Wichtigste.

Prof. Seegenschmiedt:"

Wer sich in dem Zusammenhang für eine ganz individuelle Therapie entscheidet sollte wissen:
Schulmedizin präsentiert Ergebnisse kritisch untereinander
individuelle Therapien veröffentlichen Ergebnisse nicht

Wer sich für eine nervschonende Operation entscheidet sollte wissen:
Je nervschonender operiert wird, um so größer ist die Gefahr der Kapselüberschreitung bzw. des Verbleibs von Tumorzellen im OP-Bereich.
Nervschonende OP ist nur bei rd. 10 Prozent der Patienten im Alter von 55 bis 65 möglich."

Therapievergleich
Nochmal Prof. Seegenschmiedt:
Ob bei primärer Therapie oder im fortgeschrittenen Stadium, es sind Entscheidungen erforderlich, welche Therapie ab jetzt gewählt wird. Dazu muß man die Therapien miteinander vergleichen. Ein Therapievergleich hat folgende Aspekte (oder wie vergleiche ich Therapiealternativen?):

1. Therapiekontrolle
a) meine Chancen, wie ist es mit dem Überleben?
b) wie schnell muß ich befürchten tritt ein Rezidiv auf?

2. Komplikationen
- welche habe ich zu erwarten?

3. Lebensqualität
- wie stark wird meine Lebensqualität beeinflußt?

4. Gesamtkosten
a) was bezahlt die Kasse?
b) was muß ich privat noch zusätzlich aufbringen?

Ergänzung:
Und nach meiner Meinung erschwert die Einflußnahme durch das Umfeld des Patienten die verschiedenen Entscheidungen, insbesondere die Arztwahl. Deshalb:
Die Auswahl des Arztes ist nach wie vor eine Sache des Vertrauens und der Chemie zwischen Arzt und Patient.

letzte Aktualisierung Dezember 2006



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