Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Therapiebeispiel niedrigdosierte Chemotherapie

20.8.2006

Niedrigdosierte Chemotherapie mit Taxotere am Beispiel/Bericht eines Betroffenen

PSA 10,5; Hb-Wert 8,6 g/dl Leukos 1,93 /nl

Taxotere mit einer reduzierten Dosis (30 mg/m² = 60 mg Docetaxel wöchentlich statt 35 mg/m²) Epo-Spritze (NeoRecormon 30 000 IE) Die Wirkung von Epo wird erst nach 3-4 Wochen erwartet. Bisherige Nebenwirkung war eine leichte Blutdruckerhöhung.

Um die Chemo mit Taxotere besser zu vertragen, wird, wie auch in der 1. Runde, vorab eine Infusion (250 ml Kochsalzlösung mit Dexamethason 8 mg, Kevantril 1 mg, Fenistil und Isot. NaCL) gegeben.

Am Abend vor der Therapie nehme ich (anders als üblich) kein Hydrocortison in Tablettenform, ebenso nicht am Folgetag, um die Negativwirkungen von Cortison zu reduzieren.

Am Infusionstag und am Folgetag ist das Allgemeinbefinden recht gut, das Hydrocortison vergrößert aber leider für ein paar Nächte die Schlafprobleme.

Vorgesehen sind in Ergänzung der bereits erhaltenen 4 Taxotere-Zyklen zunächst 2 weitereTaxotere-Zyklen (je 3 Infusionen 30 mg/m² wöchentlich, 1 Woche Pause). Dann Kontrolle über MRT und Scintigramm).

Über eine weitere Dosis-Reduzierung auf 25 mg/m²..........wird noch einmal gesprochen, wenn sich starke Negativwirkungen (Anmerkung: Hier sind möglicherweise wohl Nebenwirkungen gemeint) einstellen sollten.

Gegen die Neuropathie (Taubheitsgefühl in den Füßen, Kribbeln, kalte Füße) nehme ich Neurotrat S forte (Vitamin B1, Vitamin B6). Gegen brüchige Fingernägel sowie eine Aufwölbung und Verfärbung hilft (mir) Neem-Nagelöl.

Wegen leichter Wassereinlagerungen wurde vor 2 Wochen meine linke Lunge punktiert. Krebszellen wurden in der Flüssigkeit nicht festgestellt. Auffällig ist aber eine insgesamt sehr hohe Zellzahl im Punktat von 1700 ul (Referenzbereich 100-500) und ein etwas erhöhter Gesamteiweißwert (3.8 g/dl).

Weitere Medkamente: Magenschutz (Pantozol 40) täglich, Zometa alle 4 Wochen, Trenantone (kein Casodex mehr), täglich Prostar und Adovart, Pulmicort 400 sowie Schmerztabletten gegen Knochenschmerzen.

......mit Selen angefangen (Selenase 100 peroral, 100 Mikrogramm je Ampulle), 3 Ampullen pro Tag, will nach einer Woche auf 2 Ampullen/je Tag reduzieren. Laut .............soll Selen auch die Leber schützen. Außerdem nehme ich Calcium D3 Kautabletten (600 mg Calcium-Ion) und halte den Calcium-Spiegel dadurch im Referenzbereich. Kaliumdefizite werden ggf. mit Bananen und getr. Aprikosen ausgeglichen, Magnesiummangel mit einem Kombipräparat Magnesium/L-Carnitin).

Anmerkung: Kühlen der Nägel mit Eiswürfeln und auch Lutschen von Eiswürfeln gegen Geschmacksbeeinträchtigungen wurden als Empfehlung im Forum gegeben.

Ergänzung Vom gleichen Betroffenen ein Folgebericht:

die ersten drei Infusionen der 2. Taxotere-Runde sind mir .......gut bekommen.

Die von 35 mg/m² auf 30 mg/m² leicht reduzierte Wochendosis führte zu einer nicht unerheblichen Reduzierung des PSA-Wertes von 10,5 ug/l .......auf nunmehr 8,3 ug/l. Die "Diclos" gegen Knochenschmerzen abgesetzt. Die Knochen-AP (Ostase) ging um ca. 60% auf nunmehr 30,9 ug/l zurück. Leukozyten- und Neutrophilenwerte verbessern sich in Richtung Referenzbereich. Die Muskelschwäche hat durch die Infusionen nicht zugenommen und ist z.Z. erträglich.

Der ergänzende Einsatz von "EPO" scheint sich zu bewähren. Der auf 8,2 g/dl abgesunkene Hämoglobinwert steigt wieder an. ......ergänzende Nahrungsergänzung mit Eisen (100 mg täglich für ca. 1 Woche). Anämie und Atemnot sind stark zurückgegangen. Gestiegen ist allerdings der Blutdruck. Neu ist ein leichter Druck im Schläfenbereich bei Anstrengungen bzw. bei "Positionsänderungen" Sitzen - Stehen, der aber nicht anhält. Zu EPO ........ eine interessante Information:

EPO, von dem ich allerdings bis dahin nur wusste, dass es Blutdoping sei, hat offensichtlich vielfältigere Wirkungen, wie aus einer Publikation der Universität Zürich vom vergangenen Oktober hervorgeht (http://www.unipublic.unizh.ch/magazin/gesundheit/2005/1892.html). So scheint EPO einen Einfluss auf die Atmung zu haben, wie aus der gleichen Publikation hervorgeht, und recht rasch Wirkung zu entfalten, was aber noch Gegenstand von Studien sein soll: "Schnelle Wirkung auf die Atmung Bei Sauerstoffmangel findet man bereits nach wenigen Stunden einen hohen Epo-Level im Blut. Bis das Bluthormon allerdings wirkt und mehr sauerstoffbindende rote Blutkörperchen gebildet worden sind, vergehen etwa zwei Wochen. Gassmanns Team vermutete deshalb bei Sauerstoffmangel noch eine weitere, schnellere Wirkung von Epo. Und fand sie im Gehirn: Dort wirkt Epo direkt auf die respiratorischen Zentren und lässt die Atmung besser werden. Bisher erst bei Mäusen; doch zusammen mit einer dänischen Forschergruppe starten demnächst Untersuchungen bei jungen Erwachsenen, denen kontrolliert Epo gespritzt wird."

Geplant sind insgesamt 6 Zyklen Chemotherapie.

letzte Aktualisierung im August 2006



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