Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Prostatakrebs - was nun?

17.2.2010

Grundsätzliches zum Prostatakrebs

Der Prostatakrebs ist das männliche Gegenstück zum Brustkrebs und mittlerweile die häufigste Krebserkrankung des Mannes vor Darm- und Lungenkrebs:
- in Deutschland 59.000 x im Jahr wird eine Neuerkrankung festgestellt (Zahl vom Rob. Koch-Institut)
- in Deutschland 12.000 Todesfälle durch Prostatakrebs pro Jahr
- In Europa alle 3 Minuten wird ein Prostatakarzinom diagnostiziert
- in Europa alle 7 Minuten ein Todesfall durch Prostatakrebs

Wie entsteht Prostatakrebs?

Zunächst entstehen Fehlentwicklungen im Drüsen- oder Muskelgewebe der Prostata. Die Zellen wirken nicht mehr so zusammen, wie sie sollen, das biochemische Gleichgewicht ist gestört, sie sterben nicht mehr den normalen Zelltod und überwältigen mit ihrem rigorosen Wachstum das Biosystem in der Prostata und können zu einem späteren Zeitpunkt im fortgeschrittenen Stadium ausserhalb der Prostata in Lymphknoten, Knochen, Leber und Lunge Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, bilden. Das nennt der Volksmund in der Sprache von Prof. Hackethal einen Raubtierkrebs im Gegensatz zum Haustierkrebs, der sich nicht weiter ausbreitet und den ein Mann, sofern er nicht untersucht wird, bis an sein Lebensende vermutlich nicht bemerken würde.

Warum es zur unkontrollierten Zellwucherung der Prostatadrüse kommt, ist auch heute nur zum Teil erforscht. Prostatakrebs ist weder ansteckend noch sexuell übertragbar, kann jedoch vererbt werden. Das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken ist für Brüder und männliche Nachkommen von PK-Erkrankten deutlich höher. Eine langjährige Ernährung mit einem hohen Anteil tierischer Fette begünstigt das Entstehen von Prostatakrebs. Diskutiert werden auch andere Ursachen wie Umwelteinflüsse, Rauchen, Alkoholkonsum und Stress. Hinzu kommt: Prostatakrebs galt lange als die Krankheit älterer Männer. Prostatakrebs wird jedoch immer jünger und ist bei unter 60jährigen gar nicht mehr selten.

Woran erkenne ich, ob ich gefährdet bin oder gar schon Prostatakrebs habe?

Nur durch die Untersuchung des Arztes kann abgeklärt werden, ob die verschiedenen Symptome (z. B. Schwierigkeiten beim Wasserlassen) durch eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Infektion oder ein Karzinom, also Prostatakrebs, verursacht wird. Dem Urologen stehen hier verschiedene Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung

Der Tumormarker (PSA-Test)
Eine relativ einfache Methode ist die Messung von PSA im Blut (PSA ist die Abkürzung für das prostata-spezifische Antigen). PSA ist ein Eiweiß, das in der Vorsteherdrüse gebildet wird und dessen Menge bei einer Prostataerkrankung (das muss kein Karzinom sein!) im Blut erhöht sein kann. Der Arzt entnimmt dem Patienten eine Blutprobe und läßt in einem Labor die Konzentration dieses Antigens bestimmen.. Der erhaltene PSA-Wert und Untereinheiten wie freies PSA (fPSA) und komplexiertes PSA (cPSA), geben Aufschluss darüber, ob möglicherweise eine Erkrankung vorliegt oder bösartiges Wachstum. Die Dynamik des Anstieges, das ist die Anstiegsgeschwindigkeit zwischen zwei PSA-Wert-Messungen erlaubt unabhängig von der Höhe des PSA-Wertes weitere Rückschlüsse u.a. auf das mögliche Wachstum von Prostatakrebs. Im Zweifel wird das Verfahren wiederholt, denn ein erhöhter PSA-Spiegel kann auch eine entzündliche Ursachen haben wie z.B. eine Prostatitis oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die benigne Prostata-Hyperplasie, BPH.

Langsamer Urinfluß, Schwierigkeiten zu Beginn des Wasserlassens und häufiger nächtlicher Harndrang sind Symptome sowohl bei BPH als auch bei Prostatakrebs. Der PSA-Test allein reicht deshalb nicht aus, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dazu sind weitere Untersuchungsmethoden erforderlich.

Die DRU Tastuntersuchung
Der nächste Schritt ist das Abtasten der Vorsteherdrüse über den Enddarm, auch digital rektale Palpation genannt. Die DRU sollte nach der Blutentnahme zur Bestimmung des PSA-Wertes erfolgen, weil sonst der PSA-Wert verfälscht. Dabei führt der Arzt einen behandschuhten Finger in den After ein und beurteilt die Prostata. Das ist ein bisschen unangenehm, dauert aber nur wenige Minuten. Diese Untersuchung führt jeder Urologe durch, sie kann aber auch von praktischen Ärzten oder Internisten mit entsprechender Erfahrung vorgenommen werden. Ertastet wird das ungefähre Volumen der Prostata, harte oder schwammige Bereiche und Knoten oder Unebenheiten.

Diese Maßnahme ist zwar eine recht grobe Untersuchungsmethode, sie kann lebensrettend sein. Denn sollte der Arzt eine krebsverdächtige Verhärtung in der Prostata tasten, müssen weitere Schritte für eine genauere Diagnose unternommen werden, weil der Verdacht auf Prostatakrebs und der Verdacht auf eine mögliche Organüberschreitung des Krebses besteht.

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Mit Hilfe einer Ultraschallsonde, die in den After eingeführt wird, kann der Arzt die Prostata sichtbar machen. Liegt ein Tumor vor, ist er in vielen Fällen auf dem Monitor erkennbar. Diese Untersuchung ist schmerzfrei. Sie kann beliebig oft wiederholt werden, da sie den Patienten keiner schädlichen Strahlenbelastung aussetzt.

Die Gewebeentnahme (Biopsie)
Der Urologe hat die Möglichkeit, mehrere Gewebeproben zu entnehmen und diese anschließend von einem Pathologen untersuchen zu lassen (histologische Diagnose). Die Probe-Entnahme ohne lokale Betäubung ist heute nicht mehr zeitgemäß. Der Vorgang, zumeist ambulant durchgeführt, an sich ist normalerweise unkompliziert. Mit einer dünnen Hohlnadel und ultraschallgesteuert sticht der Urologe durch die Enddarmwand in die Prostata und entnimmt an verdächtigen Stellen zylinderänliche Gewebeproben.

Kann durch die Biopsie der lokalisierte Krebs der Prostata „streuen“?
Es liegen keine verläßlichen Untersuchungen darüber vor. Es wird nur immer wieder auf eine mögliche Gefahr der metastatischen Aussiedlung durch Nadel-Biopsie der Prostata hingewiesen, vermutlich aus Vorsicht. Man kann sich jedoch auch leicht vorstellen, daß Krebszellen durch die stattfindende Gewebsverletzung und damit verbundene Blutung die Prostata verlassen und entweder in das Lymphensystem oder in die Blutbahn gelangen, beides für Tumorzellen eine extrem feindliche Umgebung. Nur wenn das Immunsystem des Patienten nicht in der Lage ist, solche durch Biopsie freigesetzten Karzinomzellen zu identifizieren und abzutöten, können sich daraus Metastasen entwickeln. Zur Zeit ist darüber keine gültige Aussage möglich, ob und wenn wie groß der Einfluß der Biopsie auf die Metastasierung von Prostatakarzinomen ist.

Wer dennoch befürchtet, bei der Biopsie durch den Enddarm Probleme zu erleiden, für den gibt es die Möglichkeit einer MRT-gestützten Biospie parasakral, d.h. von aussen durch das Fettgewebe im Gesäß wird unter lokaler Betäubung eine Probe entnommen.

Wer hofft, molekulare Tumormarker wie z.B. der PCA3 Test oder DiaPat würden eine Biospie entbehrlich machen, den muß ich genauso enttäuschen wie Diejenigen, die hoffen, mittels alleiniger bildgebender Diagnostik dem Prostatakrebs "auf die Spur zu kommen".Diese Verfahren helfen zweifelsohne, aber nur, unnötige Biopsien zu vermeiden, d.h. es werden Biopsien in einem frühen Anfangsstadium oder bei weiterhin noch unklaren Verdacht vermieden, mehr nicht!

Welche Informationen kommen vom Pathologen?
Auf der Grundlage der Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung durch den Pathologen kann der Arzt erkennen, ob tatsächlich Prostatakrebs vorliegt. Die Ergebnisse der Biopsie liefern dabei spezifische Informationen über den Prostatakrebs bei dem betroffenen Patienten: u.a. Anzahl und prozentualer Anteil befallener Stanzen, Wachstumsmuster des Krebses ausgedrückt mit dem Gleason-Score. Der Gleason-Score gibt Auskunft über die Aggressivität des Tumors, nämlich wie weit hat sich der Prostatakrebs von der ursprünglichen normalen Gewebestruktur schon entfernt.

Was muß der Patient vom Gleason-Score wissen?
Der Gleason-Score ist der wichtigste prognostische Faktor mit unmittelbarer Auswirkung auf die Therapieentscheidung. Der Gleason-Score gibt Auskunft über die Aggressivität des Prostata-Karzinoms. Der Gleason-Score setzt sich aus zwei Zahlen zusammen z. B. 3+3=6 oder 4+3=7. Entscheidend wichtig ist die 1. Zahl - meist 3 oder 4 und bedeutet hinsichtlich der Prognose einen großen Unterschied.

Wer nicht sicher ist, ob sein Prostatagewebe richtig beurteilt wurde, wer zweifelt, kann die entnommenen Gewebeproben einschl. des nicht-bearbeiteten in Parafin eingelegten Materials an einen Referenzpathologen schicken. Das Einholen einer Zweitmeinung bei einem Referenzpathologen kann die Gefahr einer Über- oder Untertherapie vermeiden helfen.

Je weiter das Prostata-Karzinom entdifferenziert, also dem Ursprungsgewebe immer weniger ähnlich ist (das erkennt der Arzt am Gleason-Wert, z.B. Gleason-Summe 4+3=7 oder z.B. 4+5=9) um so wahrscheinlicher ist der Anstieg anderer Tumormarker wie CEA, CGA und NSE, die dann weitere Aufschlüsse geben können.

Wenn sich bei der Biopsie aber kein Prostata-Tumor findet, was sorgt für Klarheit?
Ggf. muß mittels einer Rebiopsie nach 3 Monaten oder einem halben Jahr die Prozedur wiederholt werden, denn es gibt zur Zeit noch kein Ultraschall- , Kernspin- , Röntgen- oder ein anderes high Tech- Gerät mit dem ein Prostatakarzinom zuverlässig nachgewiesen werden könnte. Für die Prostata gilt wie für jedes andere Organ des Körpers, daß ein Bild keine pathologische Diagnose darstellt. Ein Bild kann nur sagen, "es sieht so aus wie". Erst die Gewebeprobe ergibt nach Beurteilung durch den Pathologen "es handelt sich um". Das ist ein prinzipieller und sehr wichtiger Unterschied.

Eine wenn auch nur teilweise Ausnahme wäre TRUS-ANNA. Diese von Dr. Tillmann Loch, Flensburg, entwickelte Verfahren (ANNA-Verfahren, d.h. Artifizielle Neuronale Netzwerk-Analyse) beruht darauf, daß eine Computerdatenbank mit sehr vielen Ultraschallbildern der kranken und gesunden Prostata und mit den dazu gehörigen Biopsiedaten aufgebaut wurde. Durch Vergleichen der Ultraschallinformationen beim TRUS mit den Informationen aus seiner Datenbank "lernt" der Computer im TRUS-Bild der Prostata zu erkennen, wo ein Karzinom sitzt. Das kann dann gezielt biopsiert werden. Die Trefferquote bei ANNA insbesondere bei Patienten mit steigendem PSA aber negativen Biopsien, manchmal sogar mehreren, ist in diesen besonderen Fällen mit 50 Prozent passabel.

Welche Therapie ist für mich die beste?
Da stellt sich zunächst die Frage: Welche Daten brauche ich für meine Überlegungen? Grundlegende Daten:

• Alter, ggf. Alter der Partnerin (wichtig hinsichtlich der Erwartungen bzgl. der sexuellen Lebensqualität)
• Miktionsbeschwerden (Blasenentleerung)
• Nykturie (nächtliches Wasserlassen wie oft)
• Harnstrahlabschwächung: ja – nein
• Restharnmenge: Menge in ml
• Größe/Volumen der Prostata in ml (wird bei Ultraschalluntersuchung gemessen)
• PSA in ng/ml Besonders wichtig: Das Ergebnis der Biopsie
• Welche Anzahl von Stanzen enthielten Tumorzellen?
• Wieviel Prozent Krebs ist in der/n „Stanze/n“ enthalten?
• Wieviel Prozent in der größten betroffenen Probe?
• Gleasonscore, bestehend aus Gleason-Wert 1 und Gleason-Wert 2 (z.B. Gleason: 4+3=7 oder 3+4=7 oder 3+3=6)
• Ergebnis der Zweitbegutachtung (Der Gleason-Score ist so überaus wichtig, dass er deshalb in einer Zweitbeurteilung überprüft werden sollte)
• Ist der Krebs noch lokal (auf das Organ begrenzt)?
• Ist das Neurovaskuläre Bündel (NBV) vom Krebs betroffen? Wenn ja, hat das Auswirkungen auf die dann wohl nicht mehr möglichen potenzerhaltende, nervenschonende Operation
• Ist der Krebs bereits extrakapsulär? also über den Organrand der Prostata hinaus in das umliegende Gewebe oder in die Samenbläßchen infiltriert.

Gut wäre es, wenn eventuell noch die nachfolgenden weiteren Informationen zur Verfügung stehen würden:

• Frühere PSA-Werte (Datum und PSA-Wert, um die zeitliche Entwicklung des Tumors besser einschätzen zu können)
• Zeitintervall der PSA-Wert-Bestimmungen und Anstiegsgeschwindigkeit (um wieviel ng/ml stiegt der PSA-Wert zwischen der vorletzten und der aktuellen Messung an?)
• fPSA (freies PSA) absolut und in Prozent
• Wurde Komplexiertes PSA (cPSA) gemessen oder konventionell?
• Komorbidität (welche andere Krankheiten sind vorhanden, z.B. Bluthochdruck, Alterszucker....)
• internistische Befunde dazu
• Welche Medikamente werden regelmässig eingenommen?
• TRUS (transrektaler Ultraschall)
• MRT (transrektal) eventuell

Die Datenlage nach erfolgter Biopsie könnte dann so aussehen (Beispiel!):

• - 66 jähriger Mann mit 20 Jahre jüngere Partnerin
• - Hypertonus medikamentös eingestellt, mittlere Adipositas BMI 31
• - seit ca. 5 Jahren Miktionsbeschwerden, Nykturie 2x (br> • - Restharnmenge etwa 40 bis 70 ml
• - Tastbefund unauffällig
• - PSA 9,5 ng/ml
• - TRUS und PE: Prostatavolumen 45 ml, 3 von 10 Stanzen positiv, nur rechts, Gleason 3+4=7a (neuerdings auch wie viel Prozent des Stanzzylinders bei der Biopsie Tumorgewebe enthielt z.B. 35 Prozent)

Vor der Therapiewahl sind ggf. noch weitere Untersuchungen angezeigt wie Knochenszintigramm, CT, MRT (frühestens 3 Wochen nach Biopsie wg. Bluteinlagerungen in der Prostata) eventuell AUG/Ausscheidungsurogramm.

Mittels der Partintabelle wird ermittelt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Organüberschreitung des Tumors sein kann, falls die Biopsie dieses nicht schon hat erkennen lassen. Wenn der Tumor auf das Organ beschränkt ist (noch in der Prostata), bestehen Heilungsaussichten. Wenn der Tumor die Prostatakapsel bereits durchbrochen hat und in das umliegende Gewebe z.B. in die Samenblasen wächst handelt es sich um ein fortgeschrittenes Stadium mit nur noch bedingten Heilungsaussichten. Wenn der Tumor bereits Tochtergeschwülste gebildet hat, die sich in anderen Organen festgesetzt haben, ist eine Heilung nicht mehr möglich

Die beste Therapie ist eine Art Wunschdenken, denn die Erwartungen des Patienten sind häufig andere als die Therapiemöglichkeiten, die dem Arzt zur Verfügung stehen. Die Therapiewahl ist abhängig von den folgenden drei Faktoren:

1. Der Patientenfaktor (u.a. Alter, Komorbidität, Fitness)
2. Die Tumorkenngrößen (u.a. Gleason, PSA Wert und - PSA-Verlauf, Klinisches Stadium, Prostatavolumen)
3. Die Nebenwirkungen (u.a. Auswirkungen auf die Lebensqualität, Verträglichkeit

Die Entscheidung, welche Therapie gewählt wird, ist dabei nicht die Aufgabe des Arztes. Der Arzt hat eine aufklärende und beratende Funktion. Der Patient selbst muss sich für SEINE Therapie entscheiden. Das ist zugegeben eine schwierige, eine sehr schwierige Aufgabe. Anhand der Diagnosedaten über eine maligne Erkrankung (KREBS!) muss er sich folgerichtig mit dieser, SEINER, Tumorerkrankung auseinandersetzen. Hilfestellungen geben hier die Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen, engagiert und manchmal auch kritisch. Das Internet als moderner Flohmarkt für Informationen, läßt keine individuelle Information zu. Wer dort seine Meinung absichern möchte, findet noch tausende weitere Meinungen, und keine Sicherheit für seine Entscheidungen.

Active Surveillance, das ist eine Strategie, bei der man(n) erst dann behandelt wird, wenn die Erkrankung, also der Prostatakrebs, fortschreitet oder der Betroffene eine Therapie wünscht. Warum wird zunächst abgewartet? Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom, das keine Metastasen bildet und nicht aggressiv ist,kann man(n) -aber unter ständiger, engmaschiger Kontrolle durch den Urologen per PSA-Messung und jährlicher Biopsie - auch zunächst abwarten, und erst dann eine Behandlung in Angriff nehmen, wenn es unbedingt erforderlich wird und noch Aussichten auf Heilung bestehen. Man nennt das auch aktives Abwarten. Studien zeigen bei zwei Dritteln der so handelnden Patienten auch nach 8 Jahren nach einer Krebsdiagnose keine Anzeichen eines wachsenden Tumors. Die Lebensqualität bleibt bei einer Entscheidung für Active Surveillance erhalten, es gibt keine von einer Therapie ausgelösten Nebenwirkungen.
Active Surveillance ist möglich, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:
PSA-Wert ≤ 10 ng/ml;
 Gleason-Score ≤ 6;  T1c und allenfalls noch T2a;  Tumorbefall in ≤ 2 Stanzen;  ≤ 50 % Tumor in einer Stanze.
Watchful Waiting, das ist eine Strategie, bei der man(n) nur oder erst dann behandelt wird, wenn Beschwerden auftreten. Halbjährliche Untersuchungen reichen aus. Allerdings wird auf das Ziel einer vollständigen Heilung von vornherein verzichtet. Warum geht man iesen Weg? Mit Beschwerden durch die fortschreitende Erkrankung wird normalerweise erst jenseits der noch statistisch verbleibenden Lebenserwartung von zirka 10 Jahren gerechnet. D.h. dieses Verfahren ist eine Überlegung für ältere Patienten ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen eine möglche Überlegung.
Radikale Prostatektomie (RP), derzeit die Standardtherapie in Deutschland, offen als Bauchschnitt oder Dammschnitt oder minimal-invasiv laparoskopisch (Schlüsselloch-Chirurgie), Nicht-Nerv-erhaltend oder Nerv-erhaltend
oder die besonders schonende OP-Methode, nämlich die Weiterentwicklung der SchlüssellochOP: die robotergestütze Operation mit da-Vinci; z.Zt. nur in gerade mal ca. 15 Krankenhäusern in Deutschland möglich u.a. in Homburg/Saar oder in Gronau/NRW oder Berlin (in den USA schätzt man die da-Vinci-gestützten Operationen in diesem Jahr auf rd. 70.000)
Diese invasiven (belastenden) Therapien haben alle Eines gemeinsam: Sie sind so gut wie der Operateur, der den Eingriff vornimmt. Deshalb ist dasbesonders wichtig: Suche den Könner! Prostatazentren mit ihren interdisziplinären Möglichkeiten und größeren Fallzahlen sind für mich trotz aller Wertschätzung bzgl. der guten Arbeit auch an Nichtzentren die erste Wahl, auch wenn sie nicht wohortnah liegen sollten. Schließlich geht es um mein Leben!
Externe Strahlentherapie, Bestrahlung der Prostata von aussen, dabei wird gesundes und krankes Gewebe bestrahlt, 3D-konform oder per IMRT oder durch Protonen oder Schwerionen
LDR-Brachytherapie (interstitiell), dauerhafte radioaktive Strahler in der Prostata, geringere Nebenwirkungen an den umliegenden Organen
HDR-Brachytherapie (afterloading), radioaktive Strahlen zeitweise in der Prostata
Brachytherapie kombiniert mit externer Strahlentherapie (EBRT=external-body-radiotherapy)
antihormonelle Therapie(ADT) z.B. mit einer monatlichen Spritze, die die Testosteronproduktion, den Antribesstoff für den Prostatakrebs, unterbindet, z.B. mit einem Antiandrogen, welches die Tumorzelle, genauer die Androgenrezeptoren, von dem Testosteron im Körper abschirmt, z.B. als Dreifache Hormonblockade nach Dr. Leibowitz oder als ADT3 nach Dr. Strum mit dem Ziel, die Testosteronbildung und T-Wirkung zu unterdrücken; kann auch im Anschluß an eine REP oder Strahlentherapie erfolgen. Die Hormontherapie kann intermittierend durchgeführt werden, dann sind die Nebenwirkungen zumeist erträglicher und die Lebensqualität nicht zu sehr beeinträchtigt. Ob eine intermittierende Hormontherapie die Überlebenszeit verlängern hilft, wird noch erforscht. Experten sind der Meinung, dass das eher nicht der Fall ist.
• Eine alleinige Chemotherapie spielt bei PK eine eher geringe Rolle, weil Chemotherapeutika in erster Linie bei Zellen wirken, die sich schnell teilen. Das ist beim PK nicht oder nur selten der Fall. PK wächst langsam. Häufiger wird in fortgeschrittenen Krankheitsstadien eine niedrigdosierte Chemotherapie mit einer Homontherapie kombiniert.
• andere Therapien wie z.B. HIFU d.h. hoch-intensiver-fokussierter-Ultraschall tötet Krebszellen mit Hitze, die Kryotherapie vereist die Krebszellen und tötet sie dadurch ab.

Unterstützende Therapiemaßnahmen bei Krebserkrankungen - Was ist sinnvoll?

Es sind dies komplementäre Therapien mit dem Ziel: Was ist ganz konkret als Hilfe derzeit möglich? Es gilt dem Patienten zu helfen bei seinem Wunsch bzw. seiner Forderung nach „Ich will leben!“

Dazu gehören:
1. Psychische Stabilisierung einschließlich psycho-onkologischer Begleitung mit der Angstbewältigung und dem Besuch in einer Selbsthilfegruppe. Wichtig ist hier Gedankenhygiene, das ist ein Grübelstopp und die beiden ständige Fragen: Was dient mir? und Wie pflege ich ein freundschaftliches Verhältnis zu meinem Körper?

2. Körperliche Aktivierung mit leichter sportlicher Betätigung wie Gymnastik! Sport und Anstrengung ist jedoch nur dann wirksam, wenn sie Freude bereiten.

3 Stoffwechselanregung mit Diät und Ernährungsumstellung. Eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugen, die ergänzt wird mit Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen

4 Stimulation des Immunsystems durch Mistel, Hyperthermie usw.

Was gibt es Neues in der Tumortherapie beim Prostatakrebs?

Bessere Effekte sind zu erreichen durch Kombination verschiedener Therapien. Nur eine Therapie reicht zumeist nicht. Es gibt da Ansätze wie z.B. die

a) antihormonelle Therapie, z.B. Blockade der Rezeptoren und die
b) zielgerichtete Antikörper Therapie (wie z.B. Herceptin beim Brustkrebs)

Texte aus. Diagnose Prostatakrebs,
Ratgeber zum Prostatakrebs,
BPS-Magazin,
Infotexte des BPS zum Prostatakrebs
Infothek PSA-Gruppe, Bielefeld.

letzte Aktualisierung im Juli 2009


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