Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Zeit-Gedanken zur Gesundheitsreform

05.9.2006

Das Letzte (aus die Zeit 31.08.2006)

"Glauben Sie mir, Paddy, die Welt wäre gesünder," hat Bernard Shaw bemerkt, "wenn alle Apotheken in England niedergerissen würden." Seitdem ist die Welt nicht gesünder geworden, aber die Zahl der Apotheken hat sich gewaltig vermehrt.

Dies als Präambel zu einem Vorschlag, der die elende Gesundheitsreformdebatte mit einem Schlag beenden wird. Frau Schmidt, Frau Merkel, aufgepasst! Der Hinweis des alten Shaw ist richtig, aber das Übel liegt tiefer. Denn so wie die Zahl der Gesetzesverletzungen mit der Zahl der Gesetze unweigerlich zunimmt und die Kriminalitätsrate mit der Menge der Polizisten steigt, so steigt auch die Zahl der Kranken mit der Zahl der Ärzte.

Es kommt hinzu, dass Gesundheit ein relativer Begriff ist, so wie Sauberkeit auch. Je feiner die Messmethoden, desto verheerender das Ausmaß des Schutzes. Man fühlt sich hier an die Scherzfrage erinnert, wie sich das Wort "imposant" steigern lasse (im Hintern Steine, im Arsch Felsen), nur freilich in umgekehrter Richtung. Wir sind gesundheitspolitisch gesehen vom Felsen auf den Feinstaub gekommen. Je länger, je gründlicher man einen gesunden Menschen durchleuchtet, umso mehr wird man in ihm einen behandlungsbedürftigen Kranken erkennen. Es ist aber ein verbreiteter Fehlschuss, in Diagnose und Therapie einen lebensverlängernden Fortschritt zu sehen. Mit unsichtbaren, unerkannten Devianzen kann man ein langes, unbeschwertes Leben führen, erst die erkannte und sichtbar gemachte Krankheit wird zum Problem.

Fassen wir also zusammen: Je mehr Ärzte, desto mehr Kranke, desto höhere Gesundheitsausgaben. Die Lösung liegt auf der hand: Verminderung der Ärztezahl. Nun leben wir in einem kultivierten Land, wo die Exekution medizinisch ausgebildeter Mitmenschen vermutlich an die Grenzen des guten Geschmacks stieße. Es gibt aber eine viel einfachere Methode. Bekanntlich unterziehen sich Ärzte selber äußerst selten einer ärztlichen Behandlung und haben trotzdem eine hohe Lebenserwartung. Nein, nicht trotzdem, sondern deshalb! Also sollten Ärzte gezwungen werden, sich regelmäßig von Ärzten behandeln zu lassen. Damit schlüge man zwei Klappen mit einer Fliege, äh zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Ärzte würden ihre Mortalitätsrate dadurch zweifellos erhöhen. Und sie hätten, mit sich selber beschäftigt, keine Zeit, andere krankzuschreiben.

Ach die Gesundheitsreform könnte so einfach sein. Aber wahrscheinlich hört wieder kein Schwein zu. (FINIS).

Anmerkung1:
Mein Kollege aus der Selbsthilfegruppe, der mir den obigen Artikel zusandte, schrieb dazu: "Mein Urologe hat mir vor Monaten eröffnet, dass er seinen PSA-Wert gar nicht wissen will und deshalb auch nicht bestimmen lässt."
Jetzt überlegt’s in mir: Meine Mutter wurde 92 und war die letzten 25 Jahre davor nicht beim Arzt. Ich bin jetzt 66, da wäre es doch an der Zeit, ebenso…….

Anmerkung2:
Heute, beim Mittagsschlaf, hatte ich einen Traum. Ich befand mich auf einem Friedhof und dort fiel mir ein großer blauer Gedenkstein auf. 6quot;In dankbarer Erinnerung an Helmut….. und 20 Jahre Abstinenz beim Arztbesuch, XYZ-Kasse". Gleich daneben ein grüner Stein: "Hier ruht Hans……. Er besuchte seinen Arzt letztmalig vor 22 Jahren. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten, ABCD-Kasse". Immer mehr ähnliche Steine in bunten Farben und mit mir irgendwie bekannten Logos fielen mir auf, und dann das Mausoleum, ein Prachtbau "Hier ruht Dr. S………….Wir danken für seine stete Zurückhaltung bei der Rezeptausstellung und Krankschreibung, MNOP-Vereinigung der……und Verband der ……geber". Mein Gott, was war ich froh, in dem Moment, wenn auch schweißgebadet, wach zu werden.

06/09/2006 Wolfhard


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