Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Übertherapiert

24.3.2009

Übertherapiert?

Wer wird sich denn über diese vom 16. August 2006 stammende Meldung, gelesen im Internet, freuen? Die jüngeren vielleicht zu früh Operierten oder die älteren mit Inkontinenz kämpfenden Bestrahlten? Oder werden sich die Gegner des Prostata-Screenings freuen? Die Ergebnisse einer us-amerikanischen Studie mit Auswertung medizinischer Daten von rd. 24.000 Patienten mit Prostatakrebs ergab, dass 55 Prozent operativ behandelt worden waren, obwohl nach Meinung der Wissenschaftler zunächst Abwarten angebracht gewesen wäre. Die Daten aus mehreren Krebsregistern hätten ergeben, dass amerikanische Ärzte in vielen Fällen voreilig chirurgisch oder per Strahlentherapie behandelt hätten. Es wäre nicht berücksichtigt worden, dass Männer über 65 mehr von einem beobachtenden Abwarten profitieren würden, da eine Operation oder Bestrahlung häufig die Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Die unter 55-Jährigen waren überwiegend operiert und die 70 bis 74-Jährigen eher bestrahlt worden. Die Forscher der Universität von Michigan vertreten die Meinung, man müsse sich fragen, ob Patienten der unteren Risikogruppe zu häufig behandelt würden und empfehlen im "Journal of the National Cancer Institute" nach einer Diagnose von Prostatakrebs im Anfangsstadium eine Phase wiederholter Kontrolluntersuchungen, bevor mit dem Patienten darüber entschieden wird, ob und wie therapiert werden soll.

Was lernen wir daraus: Bei einem nur langsam wachsenden Prostatakarzinom im Frühstadium ist es oft besser, zunächst auf eine Therapie zu verzichten. Ich frage mich nur, ob das in den Köpfen der Betroffenen verarbeitet, nervlich ausgehalten werden kann. Könnte es sein, dass die Lebensqualität dann mindestens genauso beinträchtigt ist wie bei denen, die operiert oder bestrahlt werden? (WDF)

September 2006

Da Prostatakrebs oft in hohem Alter auftritt und langsam wächst, kennt die Medizin die Begriffe Überdiagnose und Übertherapie. So bezeichnen es Ärzte, dass 30 bis 70 Prozent der Prostatatumore unnötigerweise erkannt und therapiert werden - weil sie nie Beschwerden verursacht hätten. "Da werden Gesunde zu Krebspatienten gemacht", sagt Alexander Katilinic, Sprecher der Krebsregister Deutschland. Die Therapie geht in 20 Prozent der Fälle mit starken Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz einher. "Kein Krebs-Screening hat so viele Nachteile", sagt Otis Brawley von der US-Krebsgesellschaft.

März 2009



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