Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Strahlentherapie bei PSA-Anstieg nach radikaler Prostatektomie

19.12.2011

Prostatakrebszellen werden mit hochkonzentrierten Röntgenstrahlen behandelt.

Bei einer hohen Zahl von Patienten steigt nach einer Radikaloperation bei Prostata-krebs der PSA-Wert ("Prostataspezifisches Antigen"- zeigt ausschließlich Prostata-Gewebe an) als Zeichen von erneutem Tumorwachstum wieder an. In diesem Fall bietet die Strahlentherapie im Bereich der Prostataloge eine zusätzliche Therapiemöglichkeit, auch wenn kein feingeweblicher Tumornachweis erfolgen kann, da der Tumor häufig noch sehr klein ist.

Ist der PSA-Wert vor Beginn der Bestrahlung noch sehr niedrig (<1.5), sinkt der Wert nach Bestrahlung bei 45-70% der Patienten als Zeichen des Ansprechens wieder auf Null ab.

Nach neuen Ergebnissen, die auch aus deutschen Kliniken wie z.B. aus Berlin vorliegen, verbleiben nach 5 Jahren 35-50% dieser Patienten bei einem nicht meßbaren PSA-Wert.

Diese Patienten scheinen durch die Strahlentherapie eine zusätzliche Chance auf Heilung zu haben. In einem solchen Fall ist ansonsten eine Hormontherapie ohne eine Chance auf Heilung der Standard.

Ergänzung:
Über Nebenwirkungen bei der Strahlentherapie steht mehr unter "Bestrahlung und Nebenwirkungen"

Ergänzung:Bei welchem PSA-Wert soll nach einer OP bestrahlt werden?

Vor ein paar Jahren war die Bestrahlung erst ab 0,8 oder sogar noch weit darüber ein Thema bei den Urologen. Da hat sich einiges geändert. Heute gilt es, so früh wie möglich bei relativ geringer Tumormasse das Rezidiv zu bestrahlen. Derzeit sind so in etwa PSA-Werte von 0,2 bis 0,4 ng/ml Auslöser für eine Überweisung zum Radiotherapeuten. Die Tumormasse, die bestrahlt werden soll, soll möglichst noch klein sein.

Diese "frühe" Bestrahlung birgt Probleme und wirft Fragen auf, die so ohne weiteres nicht immer und auch nicht sofort beantwortet werden können.

- Wo ist das Rezidiv, welches bestrahlt werden soll? Niedrige PSA-Werte sind häufig oder zunächst mal nur Laborwerte.
- Klinisch gibt es noch keine Hinweise auf das Rezidiv. Der Diagnostiker wird mit PET/CT und MRT möglicherweise noch nichts finden. Ob ein 3-Tesla-MRT mehr zeigt, ist fraglich.
- Ist es ein Rezidiv oder ein metastasierter Lymphknoten?

Unterschiedliche Antworten auf die vorherigen Fragen haben Auswirkungen auf die folgende Therapie, auch auf die Frage hinsichtlich des Areals, das bestrahlt werden soll.

Ich kann allen, die es eilig haben, nur raten: Lieber bei der Diagnose etwas mehr Sorgfalt und mehr Zeit aufwenden, als hinterher sich eingestehen müssen: Hätten wir doch....

Aus der S3 Leitlinie zitiert Prof. Heidenreich wie folgt:

Bei Patienten mit PSA-Rezidiv nach vorangegangener radikaler Prostatektomie weist die Leitlinie auf die Notwendigkeit hin, Patienten mit lokalem Rezidiv frühzeitig zu bestrahlen. Der PSA-Grenzwert für die Indikation einer Strahlentherapie wurde auf ≤ 0,5 ng/ml gesenkt. 75 % der so frühzeitig bestrahlten Patienten werden laut Prof. Heidenreich geheilt. Bislang galt ein PSA-Schwellenwert von 1,0 ng/ml. Bei lokalem PSA-Rezidiv nach vorangegangener Bestrahlung ist die Salvage-Prostatektomie eine kurative Option, die aber nur an einem Zentrum durchgeführt werden sollte.

Das sollte man(n) wissen:
Die Bestrahlung der Prostataloge ohne zu wissen, ob das Tumor ist, ist kein Einzelfall in der Onkologie. Strahlentherapie wird andauernd "blind" durchgeführt bei einer sehr grossen Anzahl von Tumorerkrankungen. Das Prostatatakarzinom ist da keine Ausnahme, sondern die Regel.Beispiel:Jede Patientin mit Brustkrebs, die keine Amputation der Brust erhalten hat, wird nachbestrahlt. Jede heisst 100%. Und das, obwohl wir wissen, dass ohne Strahlentherapie nur etwa 10-40% einen Rückfall bekommen würden (je nach Tumorstadium).Das heisst, wir behandeln mehr als die Hälfte aller Brustkrebspatientinen überflüssig.Harte Realität, aber das ist eben die Onkologie, schreibt der Strahlenexperte im BPS-Forum ganz aktuell.

Zum Thema schrieb Prof. Schostak im BPS-Forum:

Zur dauerhaften Erfolgsquote einer Strahlentherapie nach RPX gibt es zwar viele Studien, aber keine knallharte Evidenz. Die aktuellste Arbeit eines der Publikationsgroßmeister sagt Folgendes: Although data from randomized trials are lacking, substantial evidence from retrospective, observationalstudies shows that salvage RT is effective at controlling local recurrence and reduces the risk of distant metastasis and PCSM. Reported rates of freedom from progression in salvage RT studies have been poor (10–50%)
(Stephenson, Bolla et al. Eur urol Dez 2011).
Also nur BIS ZU 50% erfolgreich (auf 15 Jahre gesehen).
letzte Aktualisierung im Januar 2010/Dezember 2011

 

Soweit keine Quelle angegeben ist, sind die Texte auszugsweise zusammengestellt von verschiedenen Internetquellen, dem BPS-Magazin und BPS-Forum (Mitteilungsorgan des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.), Werbeschriften und Dokumentationen von einschlägigen Unternehmen und Institutionen, eigenen Aufzeichnungen anläßlich von Besuchen auf urologischen Kongressen und Symposien, Seminaren und Auszüge von Referentenvorträgen vor unserer Selbsthilfegruppe in Bielefeld und anschließend weitgehend laienverständlich aufbereitet, soweit ich dazu als medizinischer Laie in der Lage bin.



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