Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Nizoral

30.7.2011

siehe auch Ketokonazol

Warnhinweis:

Die Absorption von Ketoconazol ist bei verminderter Magensäure-Produktion beeinträchtigt. Patienten, welche säureneutralisierende Substanzen einnehmen (z.B. Aluminiumhydroxid), sollten diese mindestens 2 Stunden nach Nizoral einnehmen. Es ist ratsam, dass Patienten mit Achlorhydrie (gewisse AIDS-Patienten) sowie Patienten, welche säurehemmende Substanzen einnehmen (H2-Antagonisten, Protonenpumpenblocker), Nizoral zusammen mit einem sauren Getränk (pH 2,5-3) einnehmen (z.B. Coca-Cola).

Ergänzung:

Die Behandlung des Androgenunabhängigen Prostata - Karzinoms ( AIPC ) Nizoral oder hochdosiertes Ketoconazol (HDK) mit Hydrocortison (HC) Nizoral plus Hydrocortison ist ein exzellenter Behandlungsansatz für Männer mit AIPC (Androgen-Unabhängiges-Prostata-Karzin om). Nizoral hat tatsächlich so viele aussergewöhnliche Effekte gegen beides - ADPC (Androgen-Abhängiges-Prostata-Karzinom) und AIPC (Androgen-Unabhängiges-Prostata-Karzinom) -, dass es verwunderlich ist, dieses Medikament nicht als Grundpfeiler in der Initialbehandlung des Prostata-Karzinoms zu finden. (Originalton Dr. Eichhorn) Nizoral senkt Testosteron schnell - innerhalb von 48 Stunden - auf Kastrationsniveau - durch Mechanismen, die sich von LHRH Agonisten und Antiandrogenen unterscheiden.

Nizoral blockiert die Produktion von im Hoden produzierten Testosteron und die Androgenvorläufer (DHEA, DHEA-S und Androstendion), die in der Prostatazelle zu T und DHT metabolisiert werden. Dr. Eichhorn: "Da Nizoral auch die Cortisonproduktion um ca. 25 % reduzieren könnte, kann ein kleiner Prozentsatz von Patienten Symptome entwickeln, die einem adrenalen Mineralocorticoid-Mangel gleichen.Die Patienten bekommen deshalb gewöhnlich Hydrocortison zusammen mit Nizoral, um diese potentiellen Nebenwirkungen zu verhindern, aber auch, wegen der bekannten Antitumor-Effekte von Hydrocortison beim AIPC."
Die empfohlene Standartdosis von HC ist 20 mg mit dem Frühstück und 20 mg mit dem Mittagessen. Die HC-Dosis kann eventuell reduziert werden, wenn die ACTH und Cortisol-Spiegel bestimmt werden.

Nizoral und HC beim AIPC
Es wurden auch schon vor der PSA-Ära klinische Studien mit Nizoral publiziert. Heute wird PSA als Surrogat-Biomarker für das Ansprechen der Erkrankung benutzt. In der Vor-PSA-Ära berichteten Pont et al. (J. Urol., 1987), dass bei 88 % von 17 bis dahin unbehandelten Männern mit metastasierendem Prostata-Carcinom die Schmerzen zurückgingen oder verschwanden. Zwei dieser Patienten blieben in der kompletten Remission mit keinen Zeichen der Erkrankung nach 30 Behandlungsmonaten.

Ergänzung:
Viele niedergelassene Urologen kennen die Ketokonazol-Therapie wenn überhaupt dann nur vom Hörensagen. Sie sperren sich dann schon mal, wenn es darum geht, Ketokonazol zu verschreiben.

Argumentatiosnhilfe:
Ketokonazol ist in der Ausnahmeliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA)enthalten, für den Fall, wenn ein HRPC vorliegt. Dann darf der Urologe das Ketokonazol seinem Patienten auf Kassenkosten verordnen

Ergänzende Informationen bzgl. angeblichen Überlebensvorteil
Der Strahlentherapeut im BPS-Forum äußert sich wie folgt:

Ketoconazol hat niemals einen Überlebensvorteil in einer randomisierten Studie gezeigt. Ketoconazol kann durchaus zu einem PSA-Abfall führen, aber das kann man mit vielen verschiedenen Medikamenten erreichen. Deswegen sind diese Medikamente aber noch lange nicht zur Behandlung des Prostatakrebses zugelassen und daher auch nicht erstattungspflichtig.

Es geht hier um objektive Endpunkte, die relevant für die Patienten sind. Überlebensvorteil ist einer dieser Endpunkte. Ein weiterer Endpunkt wäre z.B. Verminderung von Schmerzen oder Frakturen, weswegen Bisphosphonate zugelassen sind. Bisphosphonate führen beim Prostatakrebs zu keinem Überlebensvorteil, sind jedoch zugelassen, weil relevante Ereignisse (Frakturen oder Schmerzen) mit deren Gabe vermieden/gelindert werden.

PSA-Kosmetik ist kein relevanter Endpunkt. In der metastasierten, hormon- und chemotherapierefraktären Situation wird sogar von vielen Forschern der PSA als nicht mehr relevant angesehen, da oft die Tumoren mittlerweile dermassen entdifferenziert sind, dass ein PSA-Abfall nicht zwingend auch eine Wirksamkeit der Therapie bedeutet.

Frage auf dem Treffen der SJHG Prostatakrebs in Münster im Juli 2011:
Welche Rolle wird künftig Ketokonazol in der Therapie des hormonunabhängigen PCa spielen?
Dr. Bögemann, Uniklinik Münster:
Das ohnehin nicht zur Behandlung des PCa zugelassene Ketokonazol wird nach Zulassung von MDV3100 und Abiraterone (beide Medikamente dann für Patienten ohne Chemotherapie) nicht mehr benötigt.

letzte Aktualisierung im Dezember 2010/Juli 2011



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