Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Niedrigdosierte Chemotherapie

30.12.2010

Es sagte:

Dr. med. Alexander Herzog, Chefarzt der Fachklinik für integrative Krebstherapie in Bad Salzhausen auf dem Krebssymposium 2006 Chemotherapie im Jahr 2006: Niedrigere Dosis bei gleichem Nutzen?

Dr. Herzog stellt an den Anfang seines Vortrages die Frage: Wem nützt die Chemotherapie? Wer zieht aus der adjuvanten Chemotherapie Nutzen? Nur bei 7% der Patienten würde Chemotherapie erfolgreich verlaufen. Bekannt sei auch, dass Chemotherapie entsprechend dem "Dilemma" der Zellteilungsphasen manchmal nur wenige Minuten oder nur wenige Stunden wirken würde. Und schwierig sei die Chemotherapie wenn es um die Bioverfügbarkeit, die Verteilung im Körper, den Transport in die Zellen, den Wirkungsort und die Repairmechanismen gehen würde. "Und dann das Problem: Zum Schluss bleiben die unempfindlichen Zellen übrig."

Unwägbar sei auch die zeitliche Verzögerung zwischen Therapie und Wirkung, ".....manchmal bis zwei Monate" und die Biologie der jeweiligen Tumorerkrankung "....Tumore sind unterschiedlich!" Anders als bei Antibiotika oder anderen Medikamenten seien bei Chemotherapien die Dosierung und deren Dauer zu betrachten. "Viel hilft viel&qut; sei nicht unbedingt zutreffend, denn "....viel zerstört auch viel!".

Dr. Herzog stellt als Konzepte bzgl. der niedrigdosierten Chemotherapie folgende Überlegungen in den Raum:

1. niedrigdosierte Standarddosis und Standardintervalle 2. niedrigere aber häufigere Einzeldosen, wobei die Addition der Einzeldosen durchaus auch schon mal in der Summe höher liegen kann als die Summe der bei Standarddosis verabreichten Medikamente 3. täglich sehr kleine Dosen und durchgehend therapieren (metronomisch). Von dieser Sichtweise, räumt der Referent ein, "....bin ich nicht so ganz überzeugt."

Es müssten auch die Kosten betrachtet werden. Medikamenten-Neuentwicklungen würden immer teurer. Früher kostete eine Chemotherapie 1000 Euro heute 20.000. Es würden sich die Fragen stellen:
Wer bezahlt das? und Führt das demnächst zu Verteilungskämpfen?

Dr. Herzog schloss ab mit Überlegungen zu einem individuellen, patientenzentrierten Ansatz der Therapien, zu Therapien mit weniger Nebenwirkungen und der Überlegung, ob statt Zerstören des Tumors die Tumorwachstumskontrolle ("....der Tumor wächst nicht mehr!") ein Therapieziel sein könne, zumal in vielen Fällen ohnehin nur eine Reduzierung der Tumormasse als Ergebnis von Therapien erzielt werden könne.

Ergänzung - Niedrigdosierte Chemotherapie mit Taxotere am Beispiel/Bericht eines Betroffenen

PSA 10,5; Hb-Wert 8,6 g/dl Leukos 1,93 /nl

Taxotere mit einer reduzierten Dosis (30 mg/m² = 60 mg Docetaxel wöchentlich statt 35 mg/m²) Epo-Spritze (NeoRecormon 30 000 IE) Die Wirkung von Epo soll erst nach 3-4 Wochen eintreten. Als Nebenwirkung war bisher lediglich eine leichte Blutdruckerhöhung festzustellen, die ich medikamentös abfange.

Um die Chemo mit Taxotere besser zu vertragen, wird, wie auch in der 1. Runde, vorab eine Infusion (250 ml Kochsalzlösung mit Dexamethason 8 mg, Kevantril 1 mg, Fenistil und Isot. NaCL) gegeben. Am Abend vor der Therapie nehme ich (anders als üblich) kein Hydrocortison in Tablettenform, ebenso nicht am Folgetag, um die Negativwirkungen von Cortison zu reduzieren. Am Infusionstag und am Folgetag ist das Allgemeinbefinden immer recht gut (war auch zurückliegend so). Das Hydrocortison vergrößert aber leider für ein paar Nächte die Schlafprobleme.

Vorgesehen sind in Ergänzung der bereits erhaltenen 4 Taxotere-Zyklen zunächst 2 weitereTaxotere-Zyklen (je 3 Infusionen 30 mg/m² wöchentlich, 1 Woche Pause). Dann Kontrolle über MRT und Scintigramm). Über eine weitere Dosis-Reduzierung auf 25 mg/m² - unter Berücksichtigung der als sehr hilfreich empfundenen Hinweise von Dr.F.E. - wird noch einmal gesprochen, wenn sich starke Negativwirkungen einstellen sollten. Eine Reduzierung wurde für diesen Fall als möglich zugesagt. Gegen die trotz Chemopause immer noch vorhandene Neuropathie (Taubheitsgefühl in den Füßen, Kribbeln, kalte Füße) nehme ich ab heute Neurotrat S forte (Vitamin B1, Vitamin B6) um die Neuropathie nicht zu verschlimmern. Gegen brüchige Fingernägel sowie eine Aufwölbung und Verfärbung hilft Neem-Nagelöl etwas.

Wegen leichter Wassereinlagerungen wurde vor 2 Wochen meine linke Lunge punktiert. Krebszellen wurden in der Flüssigkeit nicht festgestellt. Auffällig ist aber eine insgesamt sehr hohe Zellzahl im Punktat von 1700 ul (Referennzbereich 100-500) und ein etwas erhöhter Gesamteiweißwert (3.8 g/dl). Die Ergebnisse muss ich noch mit meiner Onkologin besprechen.

Weitere Medkamente:
Magenschutz (Pantozol 40) täglich, Zometa alle 4 Wochen, Trenantone (kein Casodex mehr), täglich Proscar und Adovart, Pulmicort 400 sowie Schmerztabletten gegen Knochenschmerzen. Ich hoffe, dass ich die "Diclos" nach Wiederaufnahme der Taxotere-Therapie langsam wieder weglassen kann.

Ebenso habe ich heute mit Selen angefangen (Selenase 100 peroral, 100 Mikrogramm je Ampulle). Ich beginne mit 3 Ampullen pro Tag und will dann nach einer Woche auf 2 Ampullen/je Tag reduzieren. Laut Ärztin und Ernährungsberaterin soll Selen auch die Leber schützen. Außerdem nehme ich weiterhin Calcium D3 Kautabletten (600 mg Calcium-Ion) und halte den Calcium-Spiegel dadurch im Referenzbereich. Kaliumdefizite werden ggf. mit Bananen und getr. Aprikosen ausgeglichen, Magnesiummangel mit einem Kombipräparat Magnesium/L-Carnitin).

Der aggressive Mitbewohner muss doch zumindest "einigermaßen nachhaltig" zu beeindrucken sein. Über positive oder negative Erfahrungen berichte ich gerne demnächst weiter. Über Optimierungshinweise würde ich mich freuen.

Anmerkung:
Kühlen der Nägel mit Eiswürfeln und auch Lutschen von Eiswürfeln gegen Geschmacksbeeinträchtigungen (das ist auch eine Empfehlung von Dr. F. Eichhorn, Bad Reichenhall)wurden als Empfehlung genannt.
Im BPS-Forum gibt es Hinweise auf eine Kühlhaube gegen den Haarausfall, siehe hierzu Kühlhaube für den Kopf bei Chemotherapie . Allerdings gibt es auch Kritik, siehe hier .
Praxistipp: Kühlelemente aus dem Campingkoffer in großen Hausschuhen können das Ablösen der Zehennägel verhindern.

Ergänzung 2:
Ist der Prostatakrebs erst hormonrefraktär sind die meisten der uns begleitenden Urologen am Ende ihres gesicherten Fachwissens. Der vorgeschlagene nächste Therapieschritt ist dann zumeist eine Standard-Chemotherapie.

Die bekannten konventionellen Chemotherapien bringen beim Prostataksrzinom eigentlich kaum etwas. Man muß sich das mal vorstellen: Wegen der sehr langsamen Teilungszeit der Krebszellen (nur während sie sich teilen, können sie mit Chemotherapeutika effektiv bekämpft werden) werden selbst bei einer hochdosierten Chemo nur wenige Krebszellen in ihrer Teilungsphase erreicht.

Die Kombination Taxotere mit Estramustin allein scheint nicht ausreichend in der Wirkung. Eher wirksam scheint eine niedrigdosierte Chemotherapie mit einer
Kombination von Taxotere + Carboplatin + Estramustin + Decadron,
jeweils 3 mal wöchentlich,
dann Pause,
dann nächster Zyklus.
insgesamt 4 - 5 solcher Zyklen.

Anmerkung: Das entspricht auch dem Leibowitz-Protokoll, welches relativ erträgliche Nebenwirkungen verursacht und sehr wirksam sein soll, weil durch die häufigere Anwendung eine größere Anzahl von Krebszellen während ihrer Teilungsphase erreicht werden.

Das vorgenannte Regime (Therapiechemata) gilt für Prostatakrebs. Sind Weichteilmetastasen z.B. in Lunge oder leber vorhanden, ändert sich die Rezeptur.

Dr. Leibowitz, USA, empfiehlt zusätzlich zu der vorgenannten Chemotherapie "seine" Dreifach-Hormonblockade (aber mit Ketokonazol anstelle von Casodex) sowie weitere antiangiogetisch wirkende Medikamente (das sind Medikamente, die die Blutversorgung der Krebszellen hemmen) Solche Medikamente sind:
Thalidomid (das frühere Contergan), Celebrex aber Vorsicht! Patienten, die auf ASS oder NSAR allergisch reagieren, dürfen Celebrex nicht bekommen., Zometa (Bisphosphonat, das auch zur Stabilisierung von Knochen und gegen Knochenmetastasen eingesetzt wird) und Proscar (Finasterid).
Bitte aber bedenken: Jeder Prostatakrebs ist anders! Allgemein gültige Aussage sind nicht möglich! Was bei mir wirkt, muß keinesfalls bei Ihnen oder einem Anderen Wirkung haben. Wirkung vielleicht jas, aber das kann dann auch eine unerwünschte sein. Daher: Niemals ohne ärztlichen Rat die Rezeptur eines anderen Kranken ":blind" übernehmen.

Auch das bedenken: Man(n) muß einen guten Arzt finden, der das Regime so wie beschrieben durchführt. Nach meinem Wissen gibt es nach wie vor nur wenige Ärzte in Deutschland, die solches mitmachen würden.

siehe auch: Low-dose-Chemotherapie
siehe auch: Metronome Chemotherapie

letzte Aktualisierung im Dezember 2010



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