Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Sauauftrieb

09.3.2007

Jeden Tag scheints wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, weniger zum Ergötzen mehr als frohe Botschaft für PK-Betroffene. Und immer heißt es „….hilft gegen Prostatakrebs“ und immer wieder: Wir glauben es. Sei es noch so skuril, sei es noch so exotisch, seien die statistischen Daten auch noch so um die Ecke gebogen, sei das Institut und seine Ausrichtung auch noch so unbekannt und der Forscher noch so „rein zufällig“ auf diese Daten gestoßen. Wir glauben es, weil wir es glauben möchten. Es klingt doch so hoffnungsvoll in unserer „bescheidenen“ Situation.

Neben den in Apotheken als Arzneimittel zugelassenen Mitteln gibt es viele, für die weder Wirkung noch Nebenwirkung erwiesen sind. Aber das Prinzip Hoffnung ködert uns. "Die in der Werbung als Referenz angeführten Ärzte und Wissenschaftler sind oft frei erfunden", warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Aber auch bei zugelassenen Produkten ist der Käufer nicht zwingend auf der sicheren Seite

„Tausende vertrauen auf…., weil diese Pille hat……..geheilt.“ Da ist es, das Zauberwort: GEHEILT. Obwohl fast jeder ahnt, dass diese Information einen wenn überhaupt nur geringen Wahrheitsgehalt hat, verkauft sich ein passend „beworbenes“ Produkt meist recht gut. Jedem ist klar, dass die Versprechungen groß und die Heilwirkung wenn überhaupt dann sehr gering ist. Aber die Menschen, zumeist wir, die Kranken, wollen das glauben, was unserer Erwartung entspricht, was wir hoffen, was wir ersehnen, wofür wir teuer bezahlen. Wir müssten sonst wieder mal einen weiteren neuen Weg suchen, müssten erneut therapeutisch anfangen oder auf den nächsten Sauauftrieb warten.

Richtig präsentiert sind pseudowissenschaftliche Argumente stärker als die hiesige traditionelle Medizin mit ihrem Zwang zum objektiv messbaren Ergebnis, weil man muß glauben. Und das funktioniert! Und die wenigsten Patienten oder muß ich Kunden bzw. Käufer sagen, macht es stutzig, wenn Rechnung und Paket schließlich aus dem Ausland ins Haus kommen.

Kaum einer, der nicht irgend etwas ergänzend nimmt, aber je nach genetischer Ausstattung haben die Menschen mehr oder weniger von den Proteinen, die das Zeug in die Zellen bringt. Das heißt, wir müssten uns eigentlich erst mal testen lassen ehe wir Pülverchen in den Hals und Geld in die Kasse werfen. Ja und da war doch eine Studie, die einen prostatakrebsheilenden Effekt bei Rotwein gezeigt hat. Nach Expertenmeinung hat die Studie Mängel. Wir glauben dennoch, weil es uns halt gefällt und Rotweintrinken nun mal eine liebgewordene und schlecht verzichtbare Gewohnheit geworden ist. Oder "Chili heilt Prostatakrebs". Mir zwickte schon beim Lesen der Po. Capsaicin aus scharfen Chilischoten ließ Prostata-Tumoren um 80 Prozent schrumpfen, berichteten amerikanische Forscher. Ganz klein und zum Schluß stand der Hinweis „…aber nur bei Mäusen.“ Wäre ich doch nur eine Maus, wird der naive Zeitgenosse stöhnen. Lieber nicht, denn was beim Mäuslein funktioniert, geht in vielen Fällen eben nicht beim Menschen.

Und dann gibt es noch Heilquellen, schwarze Inkahimbeeren und Brokkoli und Tomaten und und und, Aufgeklärte Betroffene bleiben dem Sauauftrieb fern, wissen sie doch um die zunehmenden merkantilen Aspekte und um die Wirkung spektakulärer Meldungen mit breiter Resonanz nicht nur in der Finanzwelt jedoch geringer Aussicht auf baldigen medizinischen Erfolg weil -ich wiederhole es- bis dato oft nur im Reagenzglas oder Mausmodell realisiert.

Meine Anmerkungen zur Sau durchs Dorf gilt dabei weniger den sorgsam mit den Ergänzungen und Neuerkenntnissen Umgehenden, vielmehr den auf jeden noch so schnell durchfahrenden Zug Aufspringenden. Das eine Präparat in der Menge X und das andere in der beliebigen Menge Y in sich hineinwerfen und dann, wenn ein weiteres kommt, dieses möglicherweise auch noch zu nehmen, das halte ich persönlich für wenig vorteilhaft. Denn ich meine: Viel hilft nicht immer viel, viel kann auch viel schädigen.



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