Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Ketogene Diät

01.8.2011

Krebssymposium in Uni Würzburg am 10. Febr. 2007 Zuckerstoffwechsel und Krebs:
Wissenschaftliche Hintergründe einer kohlenhydratarmen Diät

Prof. Dietl, Uni Würzburg:
In seiner Begrüßungsansprache deutete Prof. Dietel es schon an: Viele Tumore verbrauchen massenhaft Zucker, d.h. Tumorzellen sind gefrässig nach Energie. Die Würzburger Uniklinik sei die Erste in Deutschland, die sich im Rahmen einer Studie diesem Thema widme, und zwar zuerst nur bei weit fortgeschrittenen Tumoren.

PD Frau Dr. Kämmerer, Uni Würzburg:
Einführung in das Thema
Tumorzellen haben einen gestörten Zuckerstoffwechsel. Sie nehmen 20 bis 30fach mehr Gluckose auf als gesunde Zellen. Invasive Tumorzellen benutzen Glukose zur Energiegewinnung sowohl unter Sauerstoff (aerob, oxydativ, bilden Milchsäuere = Laktat). Der nichtoxydative (anaerobe) Abbau von Glykose wird durch Transketolasen (TKT und TKTL1) reguliert. Diesen Transketolasen scheint eine Schlüsselrolle bei der Energieversorgung in Tumorzellen zuzukommen. Es handele sich dabei nicht um ein tumortyp-spezifisches Phänomen, sondern die bisherigen Erkenntnisse deuten auf eine allgemeine Eigenschaft aller aggressiven/invasiven Tumorzellen hin. Bisherige Studienergebnisse an Darm-, Urothel- und Ovarial-Krebs-Patienten zeigen bei Nachweis von TKTL1 einen erhöhten Laktatstoffwechsel und eine erhöhte Invasivität des jeweiligen Tumorgewebes. Je mehr TKTL1 desto schlechter war in den bisherigen Studien die Prognose der Patienten.

Derzeit sind mehrere Medikamente gegen die Transketolase in Entwicklung. Es stünde aber eine weitere, alternative Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung: Die ketogene Diät, die mittels eines speziellen Ernährungskonzeptes den Transketolasen den Treibstoff entziehen soll. Diese fett- und proteinreiche Diät ist möglich, da im Spätstadium Tumore im Gegensatz zu gesunden Zellen keine Energie aus Fettsäuren gewinnen können und vollständig von Glukose als einziger Energiequelle abhängig sind. Erste erfolgversprechende klinische Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren wurden bereits publiziert.

Den Tumorzellen durch eine kohlenhydratarme Diät den Brennstoff entziehen sei allerdings keine Wunderwaffe auch keine Zaubertherapie. Die Forschungen von Otto Warburg seien jetzt erst wieder seit 2 oder 3 Jahren aktuell.

Auf der Internetseite: www.johannescoy.de finden Sie unter Kritik an Dr. Coy einen Kommentar zur Kritik von Frau Kämmerer. (August 2011)

PD Dr. Walenta, Uni Mainz:
Stoffwechsel, Mikromilieu und Malignität von Tumoren - Besonderheiten des Metabolismus und deren Bedeutung für den Verlauf maligner Tumorerkrankungen

Je höher der Laktatgehalt, desto höher die Malignität des Tumors. Deshalb sei der Laktatgehalt in Tumorzellen durchaus ein Malignitätsmarker. Laktat habe zudem die Eigenschaft, die Wirkung dendritischer Zellen zu unterdrücken. Laktat steigert die Migration von Tumorkohorten in das Körpersystem. Dr. W. betont: Tumorzellen metastasieren nicht einzeln, sondern als Kohorten. Bei Vorhandensein von Laktat sei eine vermehrte Kohortenbildung zu beobachten.

Die Nachfrage aus dem Publikum, ob denn nun rechtsdrehende oder linksdrehende Milchsäureprodukte einen Einfluß auf das Tumorgeschehen habe, verneinte Dr. W. ganz entschieden.

Prof. Löchet, Uni Heidelberg:
Selektive Hemmung von TKTL1 in humanen Karzinom-Zell-Linien und zellbiologische Konsequenzen

Glukosestoffwechsel sei nur einer von vielen Komponenten. Krebs sei keine monogenetische Erkrankung, sondern sei ein über mehrere Stufen verlaufender Prozess und braucht den mehrfachen Ausfall von Schutzmechanismen.

Dr. Völker, Uni Würzburg:
Imunhistochemischer Nachweis von Markern der Glykose in Tumoren und prognostische Relevanz

Es sind noch nicht ausreichend genug Untersuchungen getätigt worden. Man kann eigentlich noch gar nichts sagen, nur mutmassen.

TKTL1 hat keine prognostische Relevanz, d.h. keine Rückschlüsse auf das Überleben. Eine individuelle Prognosebestimmung sei nicht möglich. Dafür seien viele weitere Untersuchungen - auch an Prostatatumoren als Antwort auf eine Frage aus dem Publikum- erforderlich. TKTL1 sei ein Baustein der Tumorentstehung und des Tumorprogresses. Wichtig sei jedoch: Jeder Baujstein eröffne Möglichkeiten für therapeutische Angriffspunkte. Im übrigen habe das Vorkommen von weniger als 10 Prozent tumoröser Zellen keinen Einfluß auf die Metastasierung.

Frau Dr. Schmidt, Uni Würzburg:
Studie zur ketogenen Diät bei Tumorpatienten, Konzept und erste Erfahrungen

Eine kohlehydratarme Ernährung kann keine Tumorheilung bewirken. Sie verhindere jedoch Zuckerspitzen nach dem essen, verursache weniger Insulinproduktion und es gelingt weniger Zucker in die Tumorzelle.

Es bedürfe allerdings noch einer Studie, die jetzt in Würzburg anlaufe. Es fehle jedoch noch die endgültige Zustimmung der Ethikkommission.

Ratschläge:
70 gr. Kohlehydrate am Tag.
keine Süßigkeiten, keine Kartoffeln, kein Reis, keine Nudeln
hochwertiges Öl,
Joghurtdrinks mit wenig Zucker
Hanfnüsse
Salat und Gemüse (wenig Möhren, Mais und Erbsen)
nur wenig Obst
dazu nur spezielle Brotsorten,
hochwertiges Fleisch,
viel Fisch viel,
sehr viel Trinken (Gefahr Harnstein, Nierensteine)

Dr. Otto, Uni Würzburg:
Testung TKTL1 positiver Tumoren in Nacktmäusen - Ein Modell zur Analyse des antitumoralen Effekts einer ketogenen Diät

Dr. O. berichtet von Tierversuchen. Sein Ergebnis¨Die ketogene Diät hemmt das Tumorwachstum. Bei den untersuchten Mäusen war eine 60prozentige Risikoreduktion und bei einer Mausgruppe ein 80prozentige Risikominderung messbar.

Prof. Dr. Ben Pfeiffer, Aeskulap-Klinik, Brunnen/CH:
Erste Erfahrungen mit einer ketogenen Diät bei onkologischen Patienten

In einem sehr emotionalen Vortrag räumte Dr. Pfeiffer ein, sein Umdenken sei Folge seiner Unfähigkeit, seine Schwester von einem Tumorleiden zu heilen. „Ich habe meine Schwester mit schulmedizinischen Mitteln zu Tode therapiert.“

Chemotherapie gehöre zu den modernen Dogmen. Nixons Botschaft in 1971: In 2000 ist der Krebs ausgerottet traf nicht ein: Die 5-Jahres Überlebensrate betrug 1975 in den USA rd. 51% in 2003 waren es gerade mal 63% (USA) und 55% in Europa „Mit dem, was wir in den letzten 50 Jahren im palliativen Bereich tun, sind wir bei chronischen Krankheiten noch ganz weit unten.“

Das onkologische Arsenal bestehe aus Chirurgie, Bestrahlung, Chemotherapie, Supplementen und komplemetären Therapien. Dr. Pfeiffer fragte in die Runde: „Während der Chemotherapie tauschen wir Leiden gegen Tumorwachstum ein. Mehr nicht. Ist es das wert?“ Es sei ein falscher Ansatz, die Geschwulst-entferung mit Heilung gleichzusetzen. Das gelte auch hinsichtlich der thermischen Zerstörung des sichtbaren Tumors. „Tumorentfernung hat nichts mit Heilung zu tun.“

Immer besser informierte und kritische Patienten verlangen Auskunft über Vor- und Nachteile der verfügbaren therapeutischen Möglichkeiten. Das schließe auch die komplementärmedizischen Behandlungsmethoden ein. Die Technik sei heute super. Aber sie reiche nicht aus. Die Erfolge der Akutmedizin, die technischen Fortschritte der Apparatemedizin, überglänzen alles. Bei der Chemotherapie habe die Responserate nichts mit Überleben zu tun. Es würde manchmal eine Chemotherapie angeboten mit einer Wirkung höchsten so wie Plazebo. „Wo immer ich es tun kann, verlasse ich mich nicht auf die Guidelines. Sie reichen nicht aus.“

Wegen der unangenehmen, oft bleibenden Nebenwirkungen und der hohen Rate an Therapieversagern würden viele Patienten oft unrealistisch und mit hohen Erwartungen nach komplementären Behandlungsmethoden suchen. „Diese Patienten versterben während wir sie mit Hormonen und Chemo behandeln nicht an der Krebskrankheit. Als Patient möchte ich, dass man mir das sagt. Wir Ärzte müssen wieder lernen, den Patienten zu sagen, Sie müssen sterben. Wir Ärzte haben diese Ehrlichkeit/Aufrichtigkeit verlernt.“

Dr. Pfeiffer stellte einige Behandlungs-Fälle vor, wobei er einräumte: Zur Tumorzerstörung habe er ein ganzes Bündel an Maßnahmen angewendet. ProstaSol, BioBran, Curcumin complex, ImuPross, Ketogene Diät

Für die überwiegend austherapierten Patienten mit hormonrefraktärem Karzinomen, die zu ihm kommen würden, gäbe es keine effektive Standardtherapie. Für diese Patientengruppe sei die Ketogene Diät im Verhältnis zu den sonstigen Behandlungen eine kostengünstige nicht nebenwirkungsträchtige Behandlung. Aber ob sie allein geholfen habe, konnte Dr. Pfeiffer nicht eindeutig bestätigen: „Ich weiß es nicht! Aber ich bin der Überzeugung, dass der Mix aus ketogener Diät und einiger Substanzen das Wachstum bei zwei Ditteln meiner Patienten zu einem biochemischen und klinischen Response geführt hat, d.h. das Tumorwachstum gebremst hat.“

Zum Abschluß stellt Dr. Pfeiffer die humorvolle Frage, ob nicht eventuell zuviel Arzt auch schädlich sein könne und belegt seine Vermutung wie folgt:

Ärztestreik
1973 in Isreal - Rückgang der Begräbnisse um 50%
1976 in Columbien - Rückgang der Begräbnisse um 38%
1978 in England - Rückgang der Begräbnisse um 40%

Dr. Pfeiffers Vortrag endete mit einem Zitat von Woody Allan:
Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, aber ich möchte nicht dabeisein.

Prof. Dietl, Uni Würzburg
In seinem Schlußwort betont Prof. Dietl, die vielversprechenden ersten Ergebnisse lassen auf neue Perspektiven für künftige Therapieansätze hoffen, den Tumor an seiner offensichtlichen „Achillesferse“ zu treffen. Es würde aber zunächst nur die eine Studie durchgeführt, die Finanzierung weiterer Studien sei ungewiss ebenso wie Mittelbewilligungen für besondere Ausstattungen/Apparate/Gerätetechnik.

Bielefeld, 13.02.2007
Wolfhard D. Frost PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Bielefeld

Ergänzung:
ProstaSol: ist als Nahrungsergänzungsmittel in Europa und USA käuflich besteht aus verschiedenen Sitosterolen (Camptosterol, Stimgasterol, Brassicasterol), Quercetin (Phytoöstrogen; Flavonoid), Pygeum africanum (Pygeum),Serenoa repens (Sägepalme), Panaxpseudoginseng (Ginseng), Zingiber officinale (Ingwer),Urtica diotica (Brennnessel), Scutellaria (Helmkraut) und Ganodema Lucidum (Reishi-Pilz); keine synthetischen Zusätze.

Curcumin complex
Tumeric-Wurzel (Gelbwurz), Bioperin (schwarzer Pfeffer), Resveratol (Phytoalexin aus der Weintraube)

ImuPros
ist Nahrungsergänzungsmittel, antioxydative Wirkstoffmischung aus Vitaminen, Spurenelementen, Genistein, Lykopen,Epigallokatechin Gallate

BioBran
Ferment aus Reiskleie mit Enzymen des Shitake-Pilzes.

Ergänzung - Begriffserläuterung
Die Ketogene Diät ist eine Diätform, bei der auf Kohlehydrate in der Ernährung ganz oder teilweise verzichtet wird. Dafür werden hauptsächlich Proteine und Fette gegessen. Dadurch wird erreicht, dass der Körper nicht wie sonst die Kohlehydrate als primäre Energieträger verwendet, sondern seine Energie aus dem Depotfett beziehen muss. Diese Diätform ist auch als Atkins Diät bekannt. Andere Diätformen leiten sich teilweise auch aus dieser Ernährungsform ab. Darunter zum Beispiel die Low Carb Ernährung, wobei der Kohlehydratanteil nur beschränkt wird. Der Name Ketogen stammt daher, dass der Körper bei Verzicht auf Kohlehydrate aus Fettsäuren Ketonkörper bildet, die dem Körper sozusagen als Ersatzkohlehydrate dienen. Der Stoffwechselvorgang, bei dem Ketonkörper gebildet werden, wenn man länger auf Kohlehydrate verzichtet und bei dem Fette die Hauptenergielieferanten für den Körper sind, wird als Ketose bezeichnet.

Das Labor Prof. Dr. Ihling in Frankfurt kann Tumorgewebe auf TKTL1-Expression untersuchen. Kosten sollen so um 100 Euro liegen.

Ergänzende Information:
Eine wichtige Anmerkung folgte in der Diskussion im BPS-Forum:
Man sollte bei den Empfehlungen für die ketogene Diät natürlich nicht aus den Augen verlieren dass diese nur den vollen Nutzen bringt wenn in den Tumorzellen das TKTL1- Enzym nachgewiesen ist. Fehlt dieses, ………, bringt diese Diät nicht den zu erwartenden Vorteil.

Ausgewählte Informationen zum Thema Ernährung und Prostatakrebs finden Sie unter Krebsdiät
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Ketogene Diät
Ernährung bei Krebs
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und unter
Gedanken zur Ernährung bei Krebs
eine Warnung steht hier über eine
unzweckmäßige Diät
und hier etwas zur
Nahrungsergänzung
und hier sind Informationen über Kachexie
Forumsdiskussion um TKTL-1
Neues zu TKTL-1
eine Streitsituation darf nicht fehlen, mehr dazu hier
Welche Bedeutung hat TKTL 1
Transketolasen
und
tktl1-Bluttest
Tavarlin
und hier gibt es kritische aber auch zustimmende Anmerkungen: Anti-TKTL-1 Diät

Weitere Informationen und Publikationen finden Sie auch unter Dr. Coy mittels der Suchmaschine Google; unter anderem seine Webseite mit Hinweisen zum Coy-Prinzip und Hinweise z.B. für wen das Coy-Prinzip geeignet ist

letzte Aktualisierung im Dezember 2010/August 2011



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