Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Hormonrefraktär - ein paar Optionen

28.3.2010

Hormonrefraktär und nun?***) Der von mir sehr geschätzte Urologe Dr. Frank Eichhorn aus Bad Reichenhall meint dazu:

Die Therapie mit einem Antiandrogen - also z.B. Casodex mit einem fünf Alpha-Reduktase Hemmer z.B. Avodart nennt man Sequenztherapie. In den letzten Jahren hat die Pharma-Industrie mit einigen universitären Meinungsführern viel Werbung gemacht für Casodex - insbesondere nach radikaler Prostatektomie bekommen viele Männer den Rat Casodex einzunehmen mit dem Argument dass damit die Lebensqualität ( der Testosteronspiegel ) erhalten bleibt und wie die Industrie gesponserten Studien zeigen damit auch das krankheits- spezifische Überleben verlängert wird.

Wir (Anmerkung: Wir, das sind Dr. Strum, USA und Dr. Eichhorn) sind der Meinung, dass sowohl vor einer Operation als auch nach einer Operation die dreifach Hormontherapie ( ADT 3) besser ist als die zweifach Hormontherapie - die zweifach Hormontherapie besser ist als die einfach Hormontherapie. Mit der ADT3 haben in Studien von Dr. Strum und Dr. Scholz ca. 60% der Männer nach RP in 10 Jahren nur einen !!! Zyklus ADT 3 – Dauer ca. 1 ½ Jahre- gebraucht. Das wird mit einer Monotherapie kaum möglich sein.

Was bedeuten nun ansteigende PSA Werte unter einer Casodex Monotherapie?
Denkbar ist eine Rezeptormutation, die dazu führt, dass das Casodex die Prostatakarzinomzellen eher stimuliert und dadurch das PSA ansteigt. Denkbar ist auch ein PSA Anstieg aufgrund der Entwicklung eines androgenunabhängigen Prostata-Carcinoms.

Auch ich habe wiederholt die Erfahrung gemacht daß Patienten, in die unter einer Mono- oder Sequenztherapie im Progress sind, kaum von der Umstellung auf eine Dreifach Hormontherapie profitieren.

Meine Befürchtung: PSA Progress unter Casodex bedeutet ein androgenunabhängiges Prostatakarzinom.

Was hilft? Die Therapie kann z.B. umgestellt werden. Wenn noch keine Chemotherapie begonnen werden soll, kommen für Medikamente in Frage wie Estradiol , Ketoconazol mit Triamcinolon gegebenenfalls in Kombination mit Somatuline.

Zur Chemotherapie: Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht mit einem modifizierten Beer Schema also 25 bis 30 mg/m2 Taxotere plus hochdosiert Rocaltrol ( 0,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht am Tag vor Taxotere) wöchentlich.

***)Seit dem 2008.er AUO-Kongress sagt man nicht mehr hormonrefraktär, sondern hormonresistent. Die PC-Zellen lernen nämlich irgendwann ihr eigenes Testosteron zu bilden und werden deshalb gegenüber den gängigen Therapien unabhängig vom körpereigenen Testosteron.

Ergänzung:

Prof. Reichle, Regensburg im Herbst 2008 auf der BPS Mitgliederversammlung: "Wir sollten beim hormonrefraktären Prostatakarzinom nicht immer weiter mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Wir kommen mit den derzeit zur Verfügung stehenden Chemotherapien nicht weiter. Wir müssen nach anderen Lösungsmöglichkeiten suchen. Denn wir haben es imhormonrefraktären Stadium mit einem wenig chemoempfindlichen Tumor zu tun. Es ist keine breite Lösung aufzusatteln, d.h. Medikamente, die bei anderen Tumorarten wirken, zusätzlich beim HRPCa einzusetzen."

Was machen, wenn PSA unter Hormontherapie dennoch steigt, aber noch keine Metastasen vorhanden sind?
In der Uniklinik Mannheim läuft derzeit eine Studie mit dem von ASTRA Zenca entwickleten Medikament ZD4054. Hier steht mehr: Uni Mannheim ZD4054

Letzte Aktualisierung im März 2010



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