Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

EERPE

04.6.2007

EERPE - Endoskopisch Extraperitoneale Radikale Prostatovesikulektomie

Die operative Therapie bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom ist die radikale Prostatovesikulektomie, viele Jahre der „Goldstandard“ bei den Urologen. In den letzten Jahren etablierten sich minimalinvasive Operationstechniken, die laparoskopische radikale Prostatektomie, LRPE. Nachteil der LRPE ist der transperitoneale Zugang zu der extraperitoneal liegenden Prostata und damit verbundene Komplikationen. Die endoskopisch extraperitoneale radikale Prostatektomie (EERPE) stellt eine Kombination der Vorteile der Laparoskopie und der klassischen retropubischen Prostatektomie dar. (Prof. Stolzenburg, Leipzig)

Bei der Beurteilung eines neuen operativen Verfahrens zur Behandlung des klinisch lokalisierten Prostatakarzinoms sind die onkologischen (Tumorfreiheit) und die funktionellen (Kontinenz, Potenz) Ergebnisse von entscheidender Bedeutung. Wichtige Kriterien für die Qualität der Operation sind des Weiteren die Komplikationsrate und die Katheterverweildauer. Prof. Solzenburg: In unserem Patientengut haben wir bei 90,4% der Patienten mit einem pT2-Tumor und bei 69,5% der Patienten mit einem pT3-Tumor eine vollständige Entfernung des Karzinoms erreichen können. Diese frühen onkologischen Ergebnisse sind vergleichbar denen der offenen, retropubischen Prostatektomie in Zentren mit großer Erfahrung. 90% unserer Patienten sind 6 Monate nach einer EERPE vollständig kontinent. Diese Ergebnisse sind ebenfalls vergleichbar mit den guten Ergebnissen sog. high volume centers, an denen jährlich eine große Anzahl von offenen Prostatektomien durchgeführt wird.

Vorteile der laparoskopischen Prostatektomie sind ein minimal-invasiver Zugangsweg, eine deutlich verbesserte Visualisierung des Operationsfeldes (Kameraoptik, Monitor), eine Reduktion des Blutverlustes während der Operation und eine exakte urethrovesikale Anastomose. Die Krankenhaus Verweildauer liegt bei 8 Tagen. Hervorzuheben sei auch die niedrige Komplikationsrate bei der EERPE. So beträgt die Reinterventionsrate (erneute operative Intervention) 2%. Die Transfusionsrate bei der EERPE sei mit 1% bei den eigenen Patienten in Leipzig deutlich niedriger als bei der offenen Prostatektomie. Bei der offenen nervschonenden Prostatektomie werden Transfusionsraten mit bis zu 30% angegeben.

Anmerkung: Und das ist für uns Betroffene schon sehr wichtig: Die durchschnittliche postoperative Katheterverweildauer von 6,7 Tagen ist lt. Prof. Stolzenburg deutlich kürzer als bei der offenen Prostatektomie. Bereits am 6.-7. Tag nach der OP könne der Katheter entfernt werden, manchmal sogar schon am 4.-5. Tag nach OP. 7 von 10 Patienten mit unilateraler Nerverhaltung, sowie 3 von 4 Patienten mit bilateraler Nerverhaltung hatten zum Verkehr ausreichende Erektionen.

Die kontinuierliche Verbesserung der Technik hat also zu einer Weiterentwicklung eines potenzerhaltenden, nervschonenden Verfahrens geführt. Der „natürliche“ extraperitoneale Zugang zu dem extraperitonealen Organ Prostata schafft bei der EERPE für den Operateur ein übersichtliches Operationsfeld, welches identisch zu dem seit Jahrzehnten in der Urologie etablierten Operationsfeld bei der radikalen, retropubischen Prostatektomie ist. Anders als bei der transperitonealen laparoskopischen RPE tangieren keine Darmanteile das Operationsfeld. Diese, „dem Urologen vertraute“ Anatomie des kleinen Beckens während der EERPE übersetzt sich letztlich in deutlich kürzere Operationszeiten.

Weitere Vorteile der extraperitonealen Technik (EERPE) sind die kürzeren Operationszeiten, der geringere Schmerzmittelverbrauch und die schnellere postoperative oralen Nahrungsaufnahme.

letzte Aktualisierung im Juni 2007


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