Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

IMRT

25.1.2010

IMRT kurz und Knapp

In den vergangenen Jahren haben Studien verschiedener Institute unabhängig voneinander nachgewiesen, dass die Resultate der Strahlentherapie eine enge Beziehung zur Dosis, also strikte Dosisabhängigkeit besitzen. Zu niedrige Strahlendosis würde in unsere Laiensprache übersetzt dann bedeuten, der Tumor wird „nur schlafen gelegt“. Eine Dosiserhöhung (Dosiseskalation) wäre also die Lösung, wobei man wissen muß, eine zu hohe Strahlendosis wirkt toxisch!

Rektum und Harnblase liegen unmittelbar an der Prostata und sind erheblich strahlensensibler als der Tumor. Deshalb muß die zu verabreichende Strahlendosis bei nicht angepasster (also bei den früher verwendeten Geräten) Bestrahlungstechnik begrenzt (niedriger) bleiben. Auch Gefäss-Nervenbündel (seitlich und hinter der Drüse gelegen) und die Peniswurzel müssen zur Vermeidung von Impotenz in das onkologische Denken einbezogen werden.

Bei der 3D-konformalen Bestrahlung wird die Schonung des gesunden Gewebes durch Bestrahlung mit unterschiedlichen, vorher ganz individuell für den jeweiligen Patienten geformten Feldern erreicht und zwar zunächst durch gegossene Bleiblöcke und dann durch eine Viellamellenblende, in der Fachsprache Multi-Leaf-Kollimator (MLC). Bei IMRT werden computergesteuert die Bleilamellen im Kopf des Gerätes während der Bestrahlung mit vorberechneter Geschwindigkeit über das Bestrahlungsfeld bewegt. Gleichzeitig wird die Menge an abgegebener Strahlung so gesteuert, dass Dosis-"Täler" (=gesundes Gewebe wird gering bestrahlt) und Dosis-"Berge" (=Tumorgewebe wird stark bestrahlt) entstehen. Dadurch wird eine noch präzisere Anpassung an den Tumor erreicht und gesundes Gewebe kann besser geschont werden.

Von der Einführung der intensitätsmodulierte Radiotherapie IMRT und die damit einhergehende Möglichkeit zur Dosiserhöhung profitieren verstärkt Prostatakrebspatienten mit einem initialen PSA-Wert zwischen 10-20 ng/ml.

Ergänzung:
Das Universitätsklinikum Düsseldorf setzt bei der Behandlung von Tumoren auf die so genannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Die IMRT ist präziser und verursacht weniger Nebenwirkungen als die herkömmliche Bestrahlung.

Etwa 350 000 Menschen erkranken bundesweit jedes Jahr an Krebs. Eine der wirksamsten Formen, bösartige Tumore zu behandeln, ist die Strahlentherapie. Diese ist jedoch immer auch riskant, weil die bösartigen Tumore manchmal sehr dicht neben strahlenempfindlichen, gesunden Organen wie Augen, Rückenmark, Darm oder Lunge liegen. Diese dürfen durch die Strahlentherapie nicht geschädigt werden. Ein Ziel, das nun durch die IMRT möglich wird.

Die Strahlendosis kann dem Tumor und der Anatomie des jeweiligen Patienten millimetergenau angepasst werden. Durch dieses Verfahren wird die hohe Strahlendosis erreicht, die für eine therapeutische Wirkung benötigt wird, das Nachbargewebe aber wird geschont. Das geht so: Bei der IMRT überlagern sich mehrere, aus verschiedenen Richtungen kommende und in ihrer Intensität unterschiedliche Strahlenfelder im Tumor. Durch diese Überlagerung und die Addition der Intensität entsteht die an der jeweiligen Stelle gewünschte Dosis. Selbst ungünstig gelegene Tumore haben so eine höhere Heilungswahrscheinlichkeit.
(aus dem Internet)

Meine Anmerkung:
So sehr ich mich über immer bessere therapeutische Möglichkeiten freue, da mischt sich auch Betrübnis ein, ist doch nicht geklärt, ob überhaupt und wenn ja ab wann die GKV die Kosten für eine solche sicher nicht ganz billige Behandlung übernimmt. Da halte ich es mit Prof. Seegenschmiedt aus Essen: Man kann von A nach B mit einem VW-Bulli oder mit einem Ferrari fahren. Beide erreichen das gesteckte Ziel, der eine ein bisschen gemächlicher, der andere extravagant. Betrachte ich die Kosten, dann hätte vielleicht Bulli genügt, oder?
(WDF)

Strahlentherapie - Dosiseskalation ohne Zunahme der Toxizität

Die externe Strahlentherapie galt lange Zeit als schlechtere Alternative zur Prostatektomie. Heute sind mit den Fortschritten der Technik hohe Bestrahlungsdosen bei gleichzeitiger Schonung der benachbarten Organe möglich. "In der Strahlentherapie gilt immer das Prinzip der linearen Dosis-Wirkungsbeziehung", erklärt PD Dr. Dirk Böhmer, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie Charite der Humbolt-Universität Berlin. Die Höhe der Strahlendosis entscheidet demnach über den Erfolg der Therapie.

"Das Dilemma der konventionellen Strahlentherapie besteht allerdings darin, einerseits eine hohe Dosis (über 72 Gy) zu erzielen und gleichzeitig strahlenbedingte Nebenwirkungen wie rektale Blutungen oder urogenitale Nebenwirkungen gering zu halten", sagt Böhmer weiter.

Einen Ausweg bietet die intensitätsmodulierte Strahlentherapie IMRT. Durch die IMRT ist es möglich, die Intensität der Strahlendosis innerhalb eines Bestrahlungsfeldes variabel zu gestalten. Dazu wird das Bestrahlungsfeld in viele kleine Teilbereiche zerlegt, welche Punkt für Punkt mit unterschiedlicher Intensität bestrahlt werden. Dies geschieht, indem sich schmale Bleilamellen im Strahlerkopf des Linearbeschleunigers vor und zurück bewegen und so verschiedene Formungen des Bestrahlungsfeldes hervorrufen. Der Nachteil: Es können Lagerungsprobleme bedingt durch Atmung und Darmperistaltik sowie durch jeweils unterschiedliche Füllmengen von Blase und Darm auftreten. In Kombination dazu ist derzeit die Image Guided Radio Therapy IGRT in Erprobung. Dabei werden Goldmarker in die Prostata implantiert, welche die genaue Position der Prostata angeben. Von der IMRT profitieren insbesondere Risikopatienten mit einem PSA größer 10, einem Gleason-Score größer 6 und einem Tumorstadium größer T2b.

letzte Aktualisierung im September 2008

siehe auch CyberKnife


Schlagwörter:

Dosiseskalation, IGRT

Zurück