Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Schwerionen gegen Prostatakrebs

26.4.2011

Schwere Ionen gegen Prostatakrebs

Im Juni 2005 beginnt die europaweit erste klinische Studie, die die Wirksamkeit der Ionenstrahltherapie (so genannte schwere Ionen) bei Patienten mit Prostatakrebs untersucht. An der Studie nehmen insgesamt 28 Patienten teil, die an lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs leiden, der noch keine Metastasen gestreut hat, aber aufgrund seiner lokalen Ausdehnung mit einem erhöhten Risiko für ein Therapieversagen nach konventioneller Therapie mit Bestrahlung oder Operation verbunden ist. Die Studie wird in der Bestrahlungseinrichtung der Gesellschaft für Schwerionenforschung GSI, Darmstadt, durchgeführt. Die Bestrahlungsplanung und die weitere Betreuung der Patienten erfolgen in der Heidelberger Klinik.

"Die Patienten erhalten zunächst sechs Tage lang je eine Strahlenbehandlung mit schweren Kohlenstoff-Ionen", erklärt Professor Debus. Danach wird die Bestrahlung über sechs Wochen als "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie" fortgeführt, die derzeit als Goldstandard bei der Strahlenbehandlung des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms gilt. Sowohl die in Heidelberg entwickelte Methode der intensitätsmodulierten Strahlentherapie als auch die Kohlenstoffionentherapie ermöglichen eine äußerst zielgenaue und schonende Bestrahlung.

Die Heidelberger Mediziner erwarten jedoch von der Studie, dass durch die Verwendung von Kohlenstoffionen bei der Bestrahlung von Prostatakarzinomen die Ergebnisse noch weiter verbessert werden könnten. "Erste japanische Studien zur Kohlenstoffionentherapie haben bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs bereits sehr gute Ergebnisse gebracht", berichtet Privatdozentin Dr. Daniela Schulz-Ertner, Oberärztin in der Heidelberger Radiologischen Klinik, die die Heidelberger Studie leitet.

Mehr als 80 Prozent der japanischen Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs zeigten nach fünf Jahren keinen Rückfall der Erkrankung. Die Schwerionen werden über eine Beschleunigeranlage auf sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen. Dort fügen sie dem Tumorgewebe irreparablen Schaden zu, schonen aber das umliegende Gewebe.

Die Heidelberger/ Darmstädter Bestrahlung hat einen wichtigen Vorteil gegenüber dem japanischen Verfahren: Sie benutzt das "intensitätsgesteuerte Rasterscan-Verfahren", mit dem Tumoren präzise mit einer vorgegebenen Dosis-Verteilung bestrahlt und das gesunde Gewebe um den Tumor noch stärker geschont werden kann.

Bislang wurden mehr als 200 Patienten in der Darmstädter Anlage behandelt, die überwiegend an lokal begrenzten Tumoren, z.B. der Schädelbasis, litten, die anderen Behandlungsverfahren nicht zugänglich waren. Mehr als 70 Prozent der Patienten konnten geheilt werden.

Das Universitätsklinikum Heidelberg errichtet derzeit die europaweit erste Anlage zur Ionenstrahltherapie. Dort können ab 2007 jährlich ca. 1.000 Patienten behandelt und damit eine Versorgungslücke bei unbehandelbaren Tumoren geschlossen werden. Neben klinischen Studien zur Therapie von Kopf-/Hals- und Schädelbasistumoren, Weichteilsarkomen und pädiatrischen Tumoren mit Protonen und Kohlenstoffionen sollen auch weiterführende klinische Studien zur Bestrahlung beim Prostatakrebs durchgeführt werden.

Weitere Information im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=251
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=1165
28.04.2005 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Ergänzung:
Auf eine Nachfrage eines Betroffenen teilt uns die SHG Mannheim zu Schwerionen folgendes mit:

Leider muss ich Ihnen zur Schwerionentherapie ein paar ernüchternde Tatsachen mitteilen. Wir hatten erst im März Prof. Dr. Herfarth von der Radioonkologie Heidelberg speziell zu diesem Thema bei unserer Gruppe zu Gast.

Die Schwerionenanlage in Heidelberg wird erst frühestens im Herbst 2008 ihren Betrieb aufnehmen. In der ersten Stufe werden vorwiegende bestimmt Schädel-Basis-Tumoren therapiert. Für Prostatakrebs besteht noch keine Zulassung. In einer kleinen Studie (derzeit 9 Teilnehmer) werden in der Versuchsanlage in Darmstadt Prostatakrebspatienten bestrahlt.

Prof. Herfarth bemüht sich, um eine Änderung des Studiendesigns, da es für die derzeitigen Einschlusskriterien lt. seiner Aussage nach kaum Patienten gibt.

Derzeitige Einschlusskriterien, sofern ich mir diese richtig gemerkt habe,
Hochrisikopatienten mit Gleason 8 – 10 und PSA Werten 10 – 20.

Auch habe ich eine frühere Aussage von Prof. Debus, dem Chef der Heidelberger Anlage in Erinnerung:

70% der Patienten sind mit der herkömmlichen Technologie (3-D-konformal oder IMRT) bestens bedient. Schätzungsweise haben von den neuen Techniken nur 30% der Patienten einen Benefit.

Also gilt zur Zeit noch das Sprichwort: "Besser der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach".

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V.
Hansjörg Burger und Paul Enders
Dillingerstr. 7
68309 Mannheim
Telefon: 0621 / 72 14 22 oder 06226 / 8358
neue Fax-Nr.: 01212 511 806 056
eMail: SHG.Pros.RN@web.de

Weitere Ergänzung:
Ein Strahlenexperte zu den Erwartungen von Prostatakrebspatienten bzgl. der Bestrahlung mit Schwerionen:

Schwerionen sind keine gängige Methode zur Behandlung von Prostatakrebs. Solche Anlagen gibt es nur wenige auf der Welt (vergleichbar mit Heidelberg vermutlich nirgendwo) und sind vor allem für die Behandlung von Patienten mit anderen schwierig zu erreichenden Tumoren gedacht. Das typische Beispiel für Schwerionentherapie sind Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis. Allein durch die Behandlung dieser Patienten ist eine solche Anlage schnell ausgelastet, da Patienten aus ganz Europe extra dafür nach Heidelberg anreisen. Es ist ein ähnliches Phänomen wie die Protonentherapieanlage der PSI in der Schweiz. Dort werden auch keine Prostatakrebspatienten oder andere "geöhnliche Tumoren" behandelt. Die Anlage ist durch die Behandlung von Kindern völlig ausgelastet mit einer Warteliste von Monaten.

Ergänzung:
Eine weitere Indikation für die Schwerionentherapie sieht Prof. Debus, Heidelberg, beim nicht operablen lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom ohne Lymphknotenmetastasen und mit ungünstigem Grading. Nach japanischen Daten könne mit der Schwer-ionentherapie bei dieser Hochrisikogruppe, zu der jeder zehnte Patient mit einem Prostatakarzinom zählt, ausgezeichnete kurative Ergebnisse erreicht werden.
Zuweisende Ärzte, aber auch die Patienten selbst können sich für eine Behandlung anmelden: entweder über das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg oder bei der Radiologischen Universitätsklinik unter der Telefonnumer 0 62 21/56 54 45 .

Weltweit existieren derzeit 30 Bestrahlungsanlagen mit Protonen und Schwerionen. Allein zehn davon stehen in Japan, wobei drei Schwerionenanlagen sind. In den USA gibt es fünf Protonenanlagen, die bereits klinisch genutzt werden, und fünf sind im Bau. In Deutschland ist eine Protonenanlage an einer Privatklinik in München in Betrieb. In Essen, Kiel und Marburg werden entsprechende Anlagen gerade aufgebaut. Sie werden hauptsächlich zur Patientenversorgung genutzt. In Heidelberg steht die erste kombinierte Protonen-Schwerionen-Anlage mit dem Schwerpunkt auf der Forschung. Innerhalb Europas existieren Protonenanlagen außerdem in Wien (Österreich), Lyon (Frankreich), Mailand (Italien) und Uppsala (Schweden).

letzte Aktualisierung im Juli 2010

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