Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Wann ist die Brachytherapie sinnvoll?

01.7.2007

Kandidaten für die Durchführung einer alleinigen Brachytherapie (=Monotherapie) sind Patienten mit einem niedrigen onkologischen Risiko (=Niedrig-Risiko-Patienten) sowie Patienten mit intermediärem Risiko nach Einzelfallentscheidung.

Allg. anerkannte Einschlußkriterien für eine Brachytherapie sind daher:
• der Krebs sollte aufgrund der Voruntersuchungen nachweislich auf die Prostata begrenzt sein (Stadium T1/T2a/N0M0)
• der PSA-Serumwert sollte initial< 10 ng/ml betragen
• das Prostatavolumen sollte 50 ml nicht überschreiten
• der Restharn vor Behandlung sollte < 60 ml sein • der Gleason Score sollte < 7 betragen (Einschlusskriterien gemäß der American Brachytherapy society, ABS)

Zeiltlicher Ablauf und Durchführung der Brachytherapie

Ist ein lokales Krebswachstum in der Prostata nachgewiesen, wird der Patient ca.. 14 Tage vor Therapiebeginn im Rahmen der Vordiagnostik (=Preplaningphase) vom behandelnden Urologen, Strahlentherapeuten und Anästhesisten im Gespräch über Nutzen und Risiken der Behandlung aufgeklärt und gesundheitlich auf Operations- und Narkosefähigkeit hin untersucht.

Hierbei bestimmt der Urologe insbesondere die Größe und Lage der Prostata, um die Anzahl der für die Brachytherapie nötigen "Seeds" festzulegen. Am Tag der Behandlung wird der Patient in Narkose in der sogenannten Steinschnittlage (=Rückenlagerung mit nach oben in der Hüfte gebeugten Beinstellung) positioniert. Zu Beginn der Behandlung wird ein Katheter in die Harnblase eingelegt (=Visualisierung der Harnröhre) und dem Patienten ein Antibiotikum und Schmerzmittel zur Infekt-bzw. zur Schmerzvorbeugung (=Infekt-/ Schmerzprophylaxe) verabreicht.

Mit Hilfe einer speziellen Computer-Software errechnet ein PC anhand des sonographisch ermittelten Organvolumens die Anzahl und Dosisverteilung der zu platzierenden Seeds und deren 3D-Positionierungskoordinaten im Organ (=Dosimetrie). Jeder Seed kann somit exakt am vorgesehenen Ort unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle innerhalb der Prostata über in das Organ eingestochene Hohlnadeln abgelegt werden. Nach der Behandlung wird der Katheter, sofern keine Blutungen auftreten, wieder entfernt.

Jeder Patient erhält vor der Entlassung vom Urologen ein Informationsblatt für den Strahlenschutz bei im Körper befindlichen Strahlern und einen gemäß der Strahlenschutzverordnung vorgeschriebenen "Implantationsausweis" ausgehändigt.

Nachsorge

Einen Tag nach der Behandlung stellt sich der Patient bei dem behandelnden Urologen zur Kontrolluntersuchung vor. Sofern der Patient über keine therapiebedingten Komplikationen klagt und beschwerdefrei Wasser lassen kann, wird 4-6 Wochen nach der Brachytherapiebehandlung im Computer-Tomogramm (=CT) die korrekte Lage der Seeds kontrolliert (=Qualitätskontrolle), um anhand dieser Ergebnisse die tatsächlich applizierte Strahlendosis berechnen zu können.

3 Monate nach Behandlung sollte der Urologe die Prostata sonographisch-, und den Urin in Sediment und Kultur untersuchen. Der Patient wird dabei gezielt nach eventuellen Veränderungen in Bezug auf Sexualfunktion, Stuhlgangverhalten oder Beschwerden beim Wasserlassen befragt.

siehe auch Wann Brachytherapie mit Stellungnahme eines Experten

Juni 2007


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