Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Brustkrebsmedikament und Prostatakrebs

01.7.2007

Studie: Brustkrebsmedikament verringert auch Prostatakrebsrisiko

Das häufig bei der Behandlung von Brustkrebs eingesetzte Antiöstrogen Toremifen kann Prostatakrebs vorbeugen. Das haben Wissenschaftler in einer Studie an 514 Probanden mit stark erhöhtem Prostatakrebsrisiko gezeigt. Eine Behandlung mit Toremifen senkte das Krebsrisiko bei den Testpersonen um 48 Prozent. Über die Ergebnisse seiner Studie berichtete Mitchell Steiner vom Biotechnologieunternehmen GTx auf der Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung in Seattle. Ein besonderes Risiko haben Patienten, die an einer so genannten hochgradigen intraepithelialen Prostata-Neoplasie (PIN) leiden. Männer mit PIN haben Zellwucherungen an den Ausführungsgängen der Prostata, die sich sehr häufig zu Prostatakrebs weiterentwickeln. Als Screening eignet sich zunächst die Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA). In Kombination mit einer Feinnadelbiopsie können die Karzinomvorstufen frühzeitig entdeckt werden. Als präkanzeröses Stadium gelten die intraepithelialen Neoplasien der Prostata (PIN). Wenn auch PIN nicht immer zu Prostatakrebs führen, so sind sie doch ein guter Marker, da das Karzinom oft aus PIN entsteht. Ungefähr 10 Prozent der Männer, die einer Prostatabiopsie unterzogen werden, werden mit PIN diagnostiziert. 30 Prozent von ihnen erhalten im Laufe eines Jahres die Diagnose Prostatakrebs.

"Für viele Männer mit hochgradigem PIN ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Prostatakrebs zu entwickeln", erklärt Steiner. Eine Diagnose von PIN sei für viele Ärzte und Patienten daher sehr problematisch, da es bis jetzt noch keine effektiven Behandlungsmethoden gibt, die das Einsetzen von Prostatakrebs unterbinden können. Die Behandlung mit Toremifen könnte PIN-Patienten ermöglichen, Prostatakrebs zu verhindern. In einer multizentrischen Phase-II-Studie, die auf der Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Orlando im Jahr 2005 vorgestellt wurde, wurde der Einfluss von Toremifen auf Männer mit PIN untersucht. Toremifen ist ein selektiver Estrogenrezeptor-Modulator (SERM), der zur Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt wird. Möglicherweise blockiert Toremifen bei Männern einen speziellen Estrogenrezeptor, der bei der Entstehung des Prostatakarzinoms eine Rolle spielt. In der Studie wurden Patienten mit PIN, aber keinem evidenten Prostatakrebs, ein Jahr lang entweder mit einmal täglich 20, 40 oder 60 mg Toremifen oder Placebo behandelt. Nach sechs Monaten und nach einem Jahr wurden Biopsien durchgeführt. Nach einem Jahr waren 31,2 Prozent der Placebogruppe an Prostatakrebs erkrankt. Bei Männern, die ein halbes Jahr lang täglich 20 mg Toremifen genommen hatten, war das Risiko, Prostatakrebs zu entwickeln, um 22 Prozent reduziert. Nach einem Jahr war es sogar fast um die Hälfte gesenkt (p 0,05). Für die Gruppen, die 40 beziehungsweise 60 mg Toremifen genommen hatten, war das Risiko ebenfalls geringer, allerdings statistisch nicht signifikant.

Toremifen wurde in allen Gruppen gut vertragen. Die Nebenwirkungen waren mit denen der Placebogruppe vergleichbar: Einzige Ausnahme: das Fatigue-Syndrom. Es trat bei 5 Prozent der Toremifengruppe, aber nur bei 3 Prozent der Placebogruppe auf. In weiteren Studien muss nun geklärt werden, ob diese viel versprechenden ersten Ergebnisse zur generellen Therapieempfehlung von Toremifen bei Männern mit PIN führen kann. (aus 2005, USA)

Meine Anmerkung:
Das habe ich mir in meinem Laiengehirn schon lange vorgestellt: Die wertvollen Erkenntnisse bei der Therapie des hormonell-abhängigen Mamakarzinoms versuchen auf unsere Männerwelt zu übertragen. Hoffentlich sind die neugierigen und innovationen Wissenschaftler in der Überzahl, um sich gegen die "Was soll das denn bringen?" durchsetzen zu können. Und vielleicht gibt es dann auch noch den Anschub aus dem Lager der Pharmafirmen, wenn ein attraktiver Markt winkt.

April 2007


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