Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Intensitätsmodulierte Radiotherapie

27.6.2010

= (IMRT)
Bei den bisher durchgeführten Strahlentherapien hatten alle Bestrahlungsfelder eine gleiche Intensität. Das Problem bei der Bestrahlung von Tumoren war bislang, dass durch die Strahlung auch gesundes Gewebe mitbestrahlt wird. Das Dilemma dabei ist nur zu gut bekannt: Wird mit der Tumorregion auch gesundes Gewebe hochdosiert bestrahlt, riskiert man schlimme Nebenwirkungen. Hält man die Dosis niedrig, kann der Tumor wiederkommen.

Mit der IMRT gelingt es jetzt erstmals, das Bestrahlungsvolumen exakt an die Konturen des Tumors anzupassen. IMRT ist eine Weiterentwicklung der bisherigen 3D-konformierenden Radiotherapie: Die Intensität der Strahlen kann durch besondere technische Einrichtungen optimiert (= moduliert) werden. Die Intensitätsmodulation kann durch die Bewegung von Lamellen eines Multileaf-Kollimators (das ist so etwas Ähnliches wie eine Blende beim Fotoapaarat) in den Strahlengang erzielt werden. Ziel ist ein verbesserter Schutz des normalen Gewebes bei gleichzeitiger Erhöhung der Strahlendosis. Letzteres dient der Verbesserung der Heilungschancen, konkrete:

- IMRT führt zu einer Verringerung (Reduktion) radiogener Akut- und Spätschäden.
- das Auftreten rektaler Komplikationen bei Verwendung von IMRT verringert sich deutlich vor allem bei dem mit der Maximaldosis belasteten Volumen der Rektumwand
- Mittels IMRT-Technik kann die Strahlendosis bei guter Verträglichkeit sukzessive auf insgesamt 80 Gy gesteigert werden (Dosiseskalation)

Mittels IMRT-Technik kann innherhalb des Bestrahlungsgebietes unterschiedlich stark bestrahlt werden z.B. kann ein Hochrisiko-Gebiete schwächer oder stärker bestrahlt werden. Man nennt das auch "Dose Painting" bzw. "Simultan-integrierte Boosts". Voraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechend exakte Bildgebung, d.h. erforderlich ist eine weitaus aufwändigere Bestrahlungsplanung als bisher: Der Medizin-Physiker errechnet mit Hilfe einer komplexen Planungs-Software gemäss den Angaben des Arztes über die Zieldosis im Tumorbereich und Toleranzdosis am Normalgewebe die optimale Intensitätsmodulation der einzelnen Strahlen. IMRT stellt die Standardtechnik für die Behandlung von Prostata-Karzinomen und anderen Tumoren des Beckens (Anal-Karzinome, Cervix-Karzinome) sowie von HNO-Tumoren dar.

Es gibt aber auch Nachteile:
Bei der Anwendung der IMRT müssen auch gewisse Risiken beachtet werden. So kann die IMRT aus physikalisch-bedingten Gründen zu einer Zunahme von therapiebedingten Zweittumoren führen, nämlich durch eben die Dosiserhöhung.

Warum:
IMRT mit MLC (Multi-Leaf-Colimator) bedeutet:
-Überlagerung von mehreren Feldern
-Längere Bestrahlungszeiten
-Mehr Monitorunits MU
-Mehr Leckstrahlung
-Mehr Ganzkörperdosis für Patienten
-Erhöhtes Risiko für ein 2. Karzinom (Risiko in Zahlen = 5% von der Effektivdosis)

Der Einsatz von Protonen oder Schwerionen wäre möglicherweise ein Ausweg.

Juli 2007

Ergänzung:
Ein Strahlentherapeut macht darauf aufmerksam, dass das Knochenmark bei der Bestrahlung mit IMRT-Technik mehr geschädigt wird, als das bei einer 3D-konformalen Bestrahlung der Fall sei.

Durch die Einstrahlung von vielen verschiedenen Winkeln oder Rotationsbestrahlungen, gibt es bei der IMRT immer das Problem, dass der Patient mehr Dosis im ganzen Körper verteilt abkriegt als bei einer 3D-konformalen Bestrahlung. Die Anzahl der Monitor Units (das sind die einzelnen Kicks, die das Gerät bei der Bestrahlung macht) sind bei der IMRT deutlich mehr als bei der 3D-konformalen Bestrahlung. Daher ist es oft der Fall, dass mehr Knochenmark bei einer IMRT als bei einer 3D-konformalen Bestrahlung im Feld liegt und (Strahlen-)Dosis abkriegt. Auch wenn diese Dosis sehr gering ist, brauchen die Vorläuferzellen der Blutzellen im Knochenmark sehr wenig Dosis, um kurz- und mittelfristig geschädigt zu werden.
Juni 2010



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