Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Tumorimpfung gegen Krebs

13.1.2012

Ein Impfstoff stellt eine abgeschwächte oder abgetötete Form eines Krankheitserregers dar, die gespritzt oder geschluckt wird. Dieser Impfstoff wird vom Immunsystem erkannt und es erfolgt sozusagen ein „Training“ des Immunsystems, so dass bei einer richtigen Infektion sofort Immunzellen parat stehen, die den Erreger angreifen und abtöten, bevor er sich im Körper ausbreiten kann.

Seit Jahren bemüht sich die Forschung, diesen sehr effizienten Mechanismus auch in der Krebstherapie einzusetzen. Es ist zu unterscheiden zwischen einem Impfstoff, der gesunde Menschen vor der Entstehung einer Krebserkrankung schützt und einem Impfstoff, der das Immunsystem nach einer Krebstherapie dazu in die Lage versetzt, Tumorzellen abzutöten.

Man kann mittlerweile einen Impfstoff aus einer Krebsgeschwulst oder aus einem Virus herstellen. Zu den besonders wichtigen Bausteinen gehören größere oder kleinere Eiweißmoleküle, aber auch die Kernsubstanz, die sog. DNA.

Der Krebsimpfstoff kann zum einen aus grundlegenden Strukturen einer bestimmten Tumorart bestehen, die bei jedem Patienten vorliegen. Dies bedeutet, dass der Impfstoff bei allen an dieser Erkrankung leidenden Patienten eingesetzt wird. Zum anderen kann der Impfstoff aus den individuellen Krebszellen des einzelnen Patienten hergestellt werden und wirkt damit ausschließlich bei diesem Patienten.

Die besondere Schwierigkeit und immer noch einer der Gründe, warum die Tumorimpfung noch nicht den gewünschten therapeutischen Erfolgt zeitigt liegt darin, dass das Immunsystem die Krebsgeschwulst zunächst erkennen muß um überhaupt angreifen zu können. Derzeit versucht die wissenschaftliche Forschung, die Impfstoffe entsprechend zu verändern oder mit Zusätzen zu versehen, so dass eine Aktivierung des Immunsystems stattfindet.

Eine weitere Methode, um das Immunsystem für die Therapie zu aktivieren, stellt der Einsatz von Dendritischen Zellen dar. Dendritische Zellen sind sind in der Lage, den Immunzellen, die auf den Tumor „losgehen“ sollen, die anzugreifende Struktur erkennbar zu machen, sie ihnen zu zeigen.

In Studien wird deshalb versucht, aus dem Blut gewonnene Dendritische Zellen des Patienten, im Labor mit dem Impfstoff zusammenzubringen und die so trainierten Zellen dem Patienten zurückzugeben. Hierbei handelt es sich um sehr komplexe Vorgänge, die leider nur eingeschränkt beherrscht werden, so dass zwar einzelne ermutigende Ergebnisse mit der Therapie von Dendritischen Zellen erzielt werden können, jedoch der gezielte breite Einsatz beim Patienten noch nicht erfolgreich ist. Eine Tumorimpfung oder eine Therapie mit Dendritischen Zellen sollte deshalb nur an wissenschaftlichen Institutionen möglichst im Rahmen von Studien durchgeführt werden.

Es ist bekannt, dass die Krebszellen den körpereigenen Zellen sehr ähnlich sind und dass deshalb das Immunsystem Schwierigkeiten hat bei der Unterscheidung gesunde Zelle oder Tumorzelle. Bei einer Impfung oder Therapie mit Dendritischen Zellen kann es sonst dazu kommen, dass das Immunsystem lernt, die mit der Tumorimpfung erhaltenen Antigene zu akzeptieren, diese und die Tumorzellen ja ohnehin auch nicht anzugreifen nicht anzugreifen, und damit den gegenteiligen Effekt auslöst, nämlich weiteres Tumorwachstum. Die Therapie wird unkontrollierbar, weil Abwehr nicht mehr stattfindet. Mittlerweile werden mehrere Impfstoffe klinisch geprüft.

Das Prostatakarzinom ist dabei vor allem deswegen ein geeignetes Ziel für die Impftherapie/Vakzinetherapie, weil dafür bereits mehrere Antigene bekannt sind, an denen man therapeutisch ansetzen kann. Am bekanntesten sind das Prostata-spezifische Antigen (PSA), das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA) und die prostatische saure Phosphatase (PAP).

Erprobt werden Vakzinetherapien derzeit bei Patienten, die bereits eine primär kurative Therapie (Operation oder Bestrahlung) hinter sich haben und bei denen ein Rezidiv aufgetreten ist sowie bei hormonrefraktären Prostatakarzinomen.

Für die Vakzinetherapie mit Tumorantigenen werden entweder körpereigene (autologe) Tumorzellen oder besser und kostengünstiger im Labor gezüchtete allogene Tumorzellen verwendet. Aus den körpereigenen Tumorzellen lassen sich jedoch, wenn auch recht teuer, die möglicherweise für den Therapieerfolg entscheidenden individuellen Antigenprofile herstellen.

GVAX® von Cell Genesys wird aus allogenen Tumorzellen gewonnen und wurde in zwei Phase-3-Studien allein oder in Kombination mit Docetaxel geprüft.
Onyvax-P vom britischen Unternehmen Onyvax besteht aus einer Kombination von drei allogenen Prostata-Ca-Zellinien und zeigte in einer Pilotstudie mit allerdings nur 26 Männern (alle mit hormonrefraktärem Prostata-Ca) bei knapp der Hälfte innerhalb eines Jahres eine Tumorregression.
Provenge® (Sipuleucel-T) von dem Biotechnik-Unternehmen Dendreon wurde in einer Phase-3-Studie bei Patienten geprüft, die ein metastatisches, Androgen-unabhängiges Prostatakarzinom hatten. Die Dreijahres-Überlebensrate lag bei 33 Prozent, mit Placebo waren es nur elf Prozent. Bei dem Verfahren werden dendritische Zellen mit prostatisch saurer Phosphatase beladen. Das Zulassungsverfahren wurde jedoch in diesem Jahr allerdings gestoppt; dem Vernehmen nach mehr aus formalen Gründen.

"Bisher wird bei Prostata-Krebs der Tumor operativ entfernt. Treten Metastasen auf, so sind weitere chirurgische Eingriffe und eine Hormontherapie erste Wahl. Bei rund 30 % der Patienten bewirkt jedoch weder diese Behandlung noch eine Chemotherapie oder Bestrahlung einen dauerhaften Erfolg", erklärt Prof. Gänsbacher (Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung am Klinikum Rechts der Isar, Technische Universität München)."Wir setzen daher auf einen therapeutischen Impfstoff. Dazu verwenden wir Zellen, die von einem Prostata-Krebs-Patienten stammen und die wir genetisch verändert haben. In die Zellen haben wir die Gene für Interferon-Gamma und Interleukin-2 eingeführt. Das Interferon sorgt dafür, dass die Tumorantigene dem Immunsystem besser zugänglich werden, was zu einer effektiveren Immunantwort führt. Das Interleukin-2 verstärkt die Aktivität von bestimmten T-Zellen, die in der Lage sind, die Krebszellen zu töten." Im Gegensatz zu unveränderten Zellen können diese so genannten LNCaP-Zellen in ihrer unmittelbaren Umgebung die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers mobilisieren und so den Tumor bekämpfen.

Ergänzung - Bitte beachten:

In einem Brief teilt Dr. Eichhorn nach besuch der PCRI Konferenz im September 2009 mit:

Die Firma Cell Genesis hat mit GVAX zwei Studien durchgeführt. Der Impfstoff bestand aus genetisch veränderten LNCAP und PC-3-Zellen zur Produktion von GM-CSF (Granulozyten und Makrophagen Colony stimulating Factor). Dann wurden die Zellen bestrahlt.

In der Vital – 1 Studie hat man GVAX gegen die Taxotere-Chemotherapie getestet. In der Studie waren 626 Patienten mit einem metastasierenden hormonrefraktären Prostata-Karzinom. Die Studie wurde im August 2008 wegen Unwirksamkeit geschlossen.

Die Vital – 2 –Studie, in der GVAX und Taxotere gegen Taxotere allein geprüft wurde (408 Patienten mit hormonrefraktärem, metastasierenden Prostata-Karzinom) wurde ebenfalls im August 2008 geschlossen, weil es zu ungeklärten Todesfällen kam.

Neu

Provenge ist von der FAD in den USA seit dem 29.04.2010 zugelassen worden zur Therapie des fortgeschrittenen PCa, nicht für eine Therapie im Frühstadium.
Bei der Behandlung werden Immunzellen aus dem Blut des Patienten entnommen, mit einem bei Prostatakrebs häufig auftretenden Protein in Verbindung gebracht und dem Patienten wieder injiziert. Mit Hilfe dieses Verfahrens soll das Immunsystem des Kranken im Kampf gegen den Prostatakrebs stimuliert werden. Vereinfacht ausgedrückt: Es ist nach der Immunstimulation in der Lage, vorher nicht erkennbare Krebszellen zu entdecken und zu vernichten. Mehr dazu in der Ärztezeitung

Mit Provenge ist ein neuer offensichtlich funktionierender, zielgerichteter und zukunftsweisender Therapieweg gefunden worden, mehr aber m.E. noch nicht. Das zeigt auch die Stellungnahme eines us-amerikanischen Experten, die ich in den vielen lobenden Stellungnahmen fand: Zitat: "Dies ist nur ein Schritt in einen neuen Weg zur Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs", sagte Dr. Simon Hall, Vorsitzender der Urologie am Mt. Sinai Hospital. "Wir sollten uns klarzumachen, dies (Anmerkung: Provenge) ist kein Allheilmittel." Der Facharzt begrüßt die Genehmigung als wichtigen Meilenstein, betonte aber, Provenge wird als Ergänzung zu aktuellen medizinischen Praxis zu sehen sein, nicht als Ersatz.
Zitatende.

Ergänzung:
Provenge ist in den USA zugelassen. Therapiekosten ca. 90.000 Dollar. Interessanterweise haben in Studien die älteren Patienten über 72 von der Therapie mit Provenge profitiert, die jüngeren weniger.
Grundlage der Behandlung mit Provenge ist eine detaillierte Erbgutanalyse des Patienten mittels Biomarkern. Das dabei gewonnene genetische Profil des Tumors lässt erkennen, welche Gene mutiert, vervielfältigt oder gelöscht sind. Auf dieser Datengrundlage wird anschließend eine personalisierte Impfung entwickelt. Für den Patienten bedeutet das weniger Nebenwirkungen und die Ersparnis einer mit heftigen Nebenwirkungen verbundene Chemotherapie. Allerdings sind die Behandlungskosten des bisher lediglich in den USA zugelassenen Medikamentes sind dieser Literaturquelle zufolge mit 80.000 USD pro Patient relativ hoch. Dafür soll es aber bessere Kontrollen des Therapieverlaufes geben und geringere Nebenwirkungen. Ob die Therapie auch bei aggressiven Prostatakrebs wirkt, darüb er liegen noch keine Informationen vor.
In einer randomisierten Phase-II-Studie (Quelle Uro-Update 2011) erhielten 82 metastasierte CRPC-Patienten Provenge und 40 ein sog. Plazebo. Beim progresdsionsfreien Überleben gab es keine Untzerschiede, wohl aber gab es einen erheblichen Unterschied im mittleren Gesamtüberleben von 25,1 Monate der Provengegruppe zu 16,6 Monate der Plazebogruppe. Interessant die Feststellung: Die Auswirkungen der Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Nausea, Fieber und Schüttelfrost wie auch lokale Reaktionen an der Injektionsstelle seinen insgesamt gering gewesen.

Information aus dem BPS-Forum durch einen Experten:
Die Therapie ist enorm teuer. Es gibt aktuell nur 2 (meines Wissens) Studien, die eine Wirksamkeit der der Therapie mit dendritischen Zellen bei Patienten mit hormonrefraktärem ProstataCa zeigen. Allerdings wurde bei beiden diesen Studien die Therapie mit dendritischen Zellen gegenüber Placebo (also Kochsalzinfusionen) getestet. Es wurde kein Vergleich mit einer Docetaxel-Chemotherapie gemacht. Letztere wäre eigentlich die Standardbehandlung und verglichen mit Docetaxel-Chemotherapie ist es fraglich ob dendritische Zellen besser oder überhaupt gleich gut sind.

Ergänzung
Prof. Miller auf dem Urologenkongress 2011 in Hamburg: nur 3 Spritzen im Abstand von je 2 Wochen und keine dramatischen Nebenwirkungen dafür aber Kosten von 92.000 US-Dollar für eine Therapiemöglichkeit bisher nur in den USA!

September 2007
aktualisiert im November 2009
letzte Aktualisierung im April 2010
aktualisiert im März 2011
im April 2011
im Oktober 2011
Januar 2012



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