Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Sofort operieren?

24.11.2007

Bei einem gestrigen Telefonat kam wieder der Druck zur Sprache, der schon mal auf den Patienten ausgeübt wird, sich operieren zu lassen. Angerufen hatte ein 73jähriger älterer Herr, bei dem mit PSA 5,6 ng/ml eine von 10 Stanzen positiv war, der Tumoranteil hätte 30 Prozent betragen, den Gleason beurteilte der Pathologe mit 3+3=6. Eigentlich habe er sich schon darauf eingestellt operiert zu werden. Er sei sich mit seinem Urologen darüber einig: Wenn er noch ein Weilchen leben wolle müsse der Krebs raus. Lediglich weil seine Frau nachgebohrt habe, wolle er doch mal fragen, was denn so in den Selbsthilfegruppen in einem solchen Fall beobachtet würde.

Meine spontane Antwort: "Sie haben eine kluge Frau!" begeisterte ihn gar nicht. Wenn der Krebs drin bliebe, müsse er doch bald sterben.

Mir fiel ein, was Dr. Eichhorn, Urologe aus Bad Reichenhall, zu einem ähnlich gelagerten Beispiel sagte: "Viele Arbeiten belegen die Bedeutung des Krebsvolumens. Wenn in einer ordentlich durchgeführten Gewebeentnahme nur eine von 10 Stanzbiopsieen positiv und der Zylinder beispielweise nur zu 30% befallen ist, wird das Karzinomvolumen wohl sehr niedrig sein. Beurteilt der Experte ( !!! ) dann das Gewebe mit Gleason 3+3=6 und ist der Patient über 65 oder gar knapp 70 Jahre alt, kann man den Sinn einer „ Radikalen“ erheblich in Frage stellen. Zumindest sollte mit dem Patienten über die Möglichkeit einer aktiven abwartenden Strategie mit regelmäßigen Kontrollen gesprochen werden . Ich glaube nicht dass viele Chirurgen das tun."

Genau diese Information habe ich weitergegeben. Mein Eindruck war: Genau das wollte er nicht hören. Nein, der Krebs müsse raus, die Untersuchungsprozeduren seien ihm lästig. Mit dem Krebs im Bauch könne und wolle er nicht leben.

Fazit: Da es nicht meine Intention ist zu missionieren, konnte ich ihm mit Hinweisen (die er, so hatte ich den Eindruck, gar nicht hören wollte) auf die erhöhten Risiken einer Operation im fortgeschrittenen Alter ein gutes Gelingen seines Vorhabens, einen noch besseren Chirurgen und ein langes, hoffentlich beschwerdefreies Leben wünschen.

November 2007



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