Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

insignifikantes Prostatakarzinom

24.6.2010

Was ist ein insignifikantes Prostatakarzinom?

...ein unbedeutendes karzinom

Das insignifikante Karzinom bei PCa ist laut Prof. Bonkhoff, Berlin, klar definiert als ein Tumor mit einem Tumorvolumen unter 0,5ccm und einem GleasonScore ≤ 6.

Wie häufig ist das Phänomen "insignifikantes Pca" feststellbar?

Hierzulande gar nicht, weil bei uns das Tumorvolumen nicht bestimmt wird. Und ohne Tumorvolumen kann man nun nicht feststellen, ob der Tumor insignifikant ist. Man schätzt in Deutschland so um die 20 Prozent. Die Rotterdammer Screening Studie ( Schroder FH. Department of Urology, Erasmus MC, University Medical Center, Rotterdam, The Netherlands) findet bei Low-Risk Patienten in fast 50 Prozent der dortigen Fälle insignifikante Karzinome in der Prostatatektomie.

Prof. Klotz aus Toronto (Klotz .L, M.D., Universität Toronto, Abtg. Urologie, Ontario, Kanada, ), lt. Prof. Bonkhof, Berlin, der Urologe mit der weltweit größten urologischen Erfahrung beim Pca, legt die Kriterien wie folgt fest:
PSA-Wert < 10 ng/ml
Karnofski Index 100/115
Gleasonscore ≤6 oder
Gleasonscore ≤7 (3 + 4 )wenn über 70 Jahre
weniger als 3 Stanzen sind tumorinfiltriert (ausgegangen wird von dem Standard von 10 Stanzen) und
weniger als 50 Prozent einer Stanze ist tumorinfiltriert.

Wer diese Kriterien erfüllt, hat eine Option auf watchfull waiting besser gesagt active surveillance (in den USA auch "expectant management withselective delayed intervention" genannt﴿, weil bei letzterem dann gezielt Kontrollen stattfinden:
PSA und rektale Untersuchung in den ersten zwei Jahren alle 3 Monate,
danach dann noch alle halbe Jahre und
nach dem ersten Jahr eine Rebiopsie und
weitere Rebiopsien alle 2 bis 5 Jahre

Klotz bricht die active-surveillance-Therapie ab, wenn die PSA Verdopplung unter drei Jahren liegt und wenn sich der Gleasonscore von 3+3 auf 3+4 verändert und macht dann eine lokale Therapie.

Wie hoch ist nun aber die Lebenserwartung?
Das kommt aber in der vorgenannten Definition nicht vor. In einer amerikanischen Studie mit einer Nachbeobachtungszeit von 23 Jahren fand man heraus, dass 23 Prozent der Patienten mit einem Gleasonscore 6 nach 20 Jahren verstorben sind. 56 Prozent mit dem Gleasonscore 7. Bei einer Nachbegutachtung durch einen sogenannten Referenzpathologen, den den Gleason teilweise nach oben korrigiert hat, wurde nachberechnet und die Sterberate lag bei Gleasonscore 6 nur noch bei 10 Prozent - ohne Therapie nach 20 Jahren. D.h. Patienten mit einem Gleasonscore 6 haben die Option auf ein active surveillance.

Prof. Klotz, Kanada, sagte im Zusammenhang mit der Festlegung von Kriterien für ein insignifkantes Prostatakarzinom: "Es sollte nur jenes Karzinom als klinisch unbedeutend eingestuft werden, das unbehandelt nicht zu Tod oder Morbidität führt."

Welche Kriterien sprechen gegen ein insignifikantes Prostatakarzinom?

Eine nichtrepäsentative Stanzbiopsie<
nicht korrekter Gleasongrad
Tumorinfiltration der Kapsel
Nervenscheideninvasion
multifokale HGPIN
Prostatakarzinom vom Typ foamy gland
cystische Nervenscheideninvasion
intraduktale Ausbreitung
und erhebliche Diskrepanz
zwischen der Größe des Tumorherdes und dem PSA-Wert

Prof. Bonkhof erklärt das an einem Beispiel: In einer Stanze wurde ein kleiner Tumor entdeckt, der PSA ist aber 50. Der entdeckte Tumorherd erklärt nie den PSA von 50. Wenn der Patient aber eine Entzündung hat, dann ist der PSA erklärt.

Dezember 2007



Zurück