Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Selbsttherapie

20.12.2007

Einige von uns gehen einen eigenwilligen Weg bei der PCa-Therapie. Sie medikamentieren sich selbst, wenngleich wegen der verschreibungspflichtigen Medikamente unter Zuhilfenahme eines entgegenkommenden Urologen.

Das muß nicht falsch sein. Das kann gut gehen. Das kann in wirklich wenigen Einzelfällen vielleicht sogar der richtige Weg zum längeren Überleben sein. Meine Meinung geht jedoch dahin: Niemals eigener Doktor spielen, immer einen Arzt hinzuziehen, begleitend ist zu wenig!

Das ist ein riesiger Konfliktbereich. Natürlich können und sollen wir unsere soliden Kenntnisse, auch solche, die dem Arzt nicht bekannt sind, im Kampf gegen unseren Krebs umsetzen und gelegentlich auch durchsetzen. Wir sind aber trotzdem noch längst keine Ärzte und brauchen die Beratung, wenn in den Beipackzetteln der "neueren" Medikamente beschrieben ist, was alles auftreten kann und dann gelegentlich auch auftritt. Auch die Verträglichkeit in der Kombination von Medikanten, wenn noch weitere Erkrankungen behandelt werden, können zu Problemen führen. Diesen Kampf gegen individuelle oder seltene Nebenwirkungen können wir allein nicht führen. Irgendwelche körperlichen Beschwerden, die möglicherweise gar nichts mit der Therapie zu tun haben, können ebenfalls auftreten und müssen eingeordnet und gegebenenfalls behandelt werden. Dazu braucht man einen Arzt.

Es ist ein riesiger Konflikt, weil Ärzte nicht selten uns in unseren Eigenentscheidungen nicht begleiten wollen. Die notwendige unterstützende und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist dann oft nicht möglich. Solche Beobachtungen und Feststellungen sind jedoch nur bedingt richtig, gelten nicht flächendeckend. Es gibt Ärzte, die uns helfen. Das sind nicht wenige. Aber manchmal muß man suchen oder weit fahren. Dabei muß der Patient für Abgrenzungen der medizinischen und auch finanziellen Verantwortung des Arztes Verständnis haben.

SHG und Forum sind schon wichtige Begleiter für jeden PK-Patienten, wobei der naive Leser gelegentlich schon Probleme bekommen kann, die Spreu vom Weizen zu sortieren.

Christian Ligensa, stellvertr. Vorsitzender des BPS, schrieb an einen Selbsttherapierer: Deine geplanten Diagnosemaßnahmen sind nach dem Prinzip von Strum "Status und Strategie" sehr wichtig. Deine Therapieentscheidung werden sie beeinflussen. Aber die grundsätzliche Entscheidungsoption, ob weiter internistisch-onkologische Kampfmaßnahmen zur Kontrolle des Tumors oder eine organbezogene zerstörende Therapie in der Prostata oder eine Kombination beider, wird Dir nicht erspart bleiben. Das in diesem Zusammenhang anzustrebende wesentliche Therapieziel ist nicht die momentane oder kurzfristige Bekämpfung des PSA-Wertes sondern der Kampf um eine chronische Situation so lange wie nur möglich als chronische Situation zu halten, also die Langzeitkontrolle. Wofür Du Dich auch immer entscheidest, Du brauchst dafür einen kompetenten Arzt. Bitte keine Sondermaßnahmen ohne die wissenschaftliche und handwerklich fachliche medizinische individuelle Betreuung. Das ist vielleicht leichter gesagt als einen Arzt gefunden.

Dezember 2007


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