Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Ein gut gemeinter Rat für Angehörige

31.10.2010

Es ist schwer für Laien, im Dschungel der Fachausdrücke und des Medizinchinesisch etwas zu verstehen oder zu begreifen, insbesondere welche Komplexität an Maßnahmen und Gefühlen sowohl bei Betroffenen als auch bei Angehörige die Entscheidungen eines Arztes auslösen und nachhaltig bewirken. Jeder Betroffene kann sich jedoch glücklich schätzen, unabhängig von seiner Krankheitssituation, Angehörige zu haben, die sich kümmern, die sich sorgen, die da sind.

Nur leider, Angehörige verstehen es manchmal überhaupt nicht, wenn Derjenige, um den man sich doch so große Sorgen macht, dem man Hilfe geben möchte, den Helfenden trotz aller mit Liebe vorgebrachten Zuwendung zurückweist oder mürrisch ist oder nicht mitteilsam oder sich gar in seine Krankheit zurückzieht, vielleicht sogar zeitweise damit allein sein möchte.

Erst im späten Verlauf meinen nunmehr fast neun Jahre währenden Krankheit, dem Prostatakrebs in meinem Körper, habe ich bemerkt, wie erschreckt der eine oder andere es mit mir gut meinende Verwandte reagierte, wenn ich angebotene Hilfe nicht spontan angenommen habe.

Gesunde wie auch Kranke leben auf der gleichen Welt, im gleichen Umfeld, aber in unterschiedlichen Empfindungswelten. Gesunde merken manchmal nicht, wie sie den Kranken förmlich bedrängen: "...laß Dir doch helfen", "...Ich will doch nur Gutes" und sind überrascht, wenn es auf die Frage: Wie geht es Dir? Was oder Wo tut es Dir weh? usw. keine oder kaum Antwort gibt. Der Kranke fühlt sich oft so ausgebrannt, schlapp und leer, dass es ihm viel Mühe bereitet zu antworten, vielleicht möchte er darauf auch gar nicht antworten. Warum? Es tut ihm weh, seine Befindlichkeit seinen Lieben mitzuteilen, weiß er doch, dass, wenn er die Wahrheit sagt, seine Lieben noch größere Sorgen haben, und wenn er sie nicht sagt, sie weiter fragen werden, sie sich noch stärkter um ihn kümmern werden und ihm, jetzt halten Sie sich, die Angehörigen, die diese Zeilen lesen, bitte fest, mit ihrer Hilfe „zu nahe auf den Leib rücken“. Der Kranke, der Schwerkranke, der Krebskranke will seine innere wie äußere Selbständigkeit - und dazu gehört Entscheidungsfreiheit - so lange als möglich erhalten, man könnte auch sagen verteidigen.

Liebe Angehörige: Weniger ist da mehr. Einfach da sein. Ein Gefühl verbreiten: Wenn Du mich brauchst, dann bin ich zur Stelle, dann bin ich für dich da. Dem Kranken vieles an Handreichungen abnehmen, aber nicht alles. Den Kranken immer wieder merken lassen, Du entscheidest, ich dringe nicht in Dich.

Die obigen Sätze und Erkenntnisse stammen aus meiner eigenen Empfindungswelt als Mensch mit einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung. Mag sein, das Psychologen das Eine oder Andere anders sehen. Vielleicht hat das seinen Ursprung darin, dass ich deren (Psychologen) Hilfe bisher nicht in Anspruch genommen habe und -nach einer ersten für mich sehr niederschmetternden Erfahrung mit einer Psychotherapeutin, das war im Rahmen der Anschlußheilbehandlung, auch nicht möchte oder sollte ich besser sagen nunmehr auch ablehne.

Mehr siehe Wie lebt Frau mit dem Prostatakrebs ihres Mannes

Februar 2008
aktualisiert im Oktober 2010



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