Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Vorsicht Mistel

07.7.2010

Mein lieber Kollege aus der Selbsthilfegruppe in Kassel, Heinz Zlotowicz hat mir kritische Bemerkungen zu der Mistertherapie zukommen lassen:

Liebe Mitstreiter, auf unserem Treffen am 14.1.08 kam auch die Misteltherapie kurz zur Sprache. Ergänzend dazu nachstehende Veröffentlichungen, die ich gerade gelesen habe und Euch nicht vorenthalten möchte. Alles Gute wünscht HZ

++++++++++++++++
Unkonventionelle Mistel

Auf durchaus unkonventionelle Art setzt sich Prof. Dr. H.-J. Gabius, München, mit dem Thema "Unkonventionelles in der Tumortherapie" auseinander. Viele Menschen setzten gerade in lebensbedrohlichen Situationen große Hoffnung auf solche Mittel und Methoden. Aber: "Was unkonventionell ist, ist nicht belegbar wirksam", sagte der Biochemiker. Es könne stützend wirken, aber auch definitiv schaden.

Gefahr droht, wenn unkonventionelle Therapien eine etablierte wirksame Therapie verhindern, deren Effekte über Wechselwirkungen abschwächen oder gar selbst negative Effekte auslösen, z.B. durch Verunreinigungen oder Beleitstoffe. Im Internet gebe es ein sehr breites Angebot an Heilweisen, für die Erfolge versprochen werden, die keineswegs belegt sind. Selbst vermeintlich so gesunde Stoffe wie Vitamine und Antioxidanzien könnten unerwartete negative Folgen haben, wenn sie in großen Mengen über längere Zeit zugeführt werden.

Ausführlich ging Gabius auf die anthroposophische Misteltherapie ein, die Rudolf Steiner und Ida Wegmann Anfang der 1920er-Jahre eingeführt haben. Wer sich in der Anthroposophie auskennen will, müsse einen vierstufigen Schulungsweg durchlaufen. Wenn Mistel gegeben werde, dann “nur eingebettet in ein anthroposophisches Gesamtkonzept”, forderte der Wissenschaftler. Die Anthroposophie gehe davon aus, daß die Mistel auf der Ebene des Astral- und Ätherleibs und nicht auf materieller Ebene eingreift. Im Gegensatz dazu werben einzelne Firmen mit biochemisch nachweisbaren Effekten auf molekularer Ebene. Für Gabius zeigt dies, daß die Firmen selbst nicht von der anthroposophischen Wirksamkeit ihrer Präparate überzeugt sind und daher mit anderen Effekten argumentieren.

Untersuchungen am Deutschen Krebsforschungszentrum haben bereits 1983 ergeben, daß Mistelextrakte in vier Tumormodellen keine Wirkung zeigten. Mistelinhaltsstoffe wie Viscotoxine und Lektine - zuckerbindende Proteine - können schon in kleinsten Mengen immunmodulierend wirken und die Freisetzung von Zytokinen fördern, berichtete Gabius. Dies ist ambivalent, denn es gibt auch Zytokine, die das Tumorwachstum anregen. Eigene Forschungen hätten gezeigt, daß Lektine Lymphozyten, aber auch Myelomzellen stimulieren können. In zwei Tiermodellen sei es zu vermehrtem Wachstum von Karzinomzellen und stärkerer Metastasierung gekommen, wenn die Tiere Viscum-album-Agglutinin (VAA, Mistellektin) bekommen haben.

Der Biochemiker wiederholte seine Forderung: Arzt und Apotheker müßten sich eingehend mit der anthroposophischen Lehre befassen, wenn sie Mistelpräparate empfehlen wollen. Wer dies als Placebo einsetze, müsse streng darauf achten, dem Patienten nicht zu schaden. Warum unkonventionelle Methoden eine so hohe soziale Akzeptanz genießen, sei ein eigenes Forschungsthema.

Quelle: Pharm.Ztg. v. 21.02.08

++++++++++++++++++++++++++++++++++
Zitat aus Sanofi Aventis "Prostatakrebs – was kommt nach der Hormontherapie?":

Misteltherapie

Unter den unkonventionellen Methoden in der Krebstherapie hat die Anwendung von Mistelextrakt eine gewisse Verbreitung und Akzeptanz gefunden. Der Press-Saft der Mistel enthält sehr viele verschiedene Stoffe, einigen von ihnen werden zellzerstörende oder immunmodulierende (= das Immunsystem beeinflussende) Wirkungen zugesprochen. Die Mistelprodukte beeinflussen vor allem das unspezifische Immunsystem. Es konnte aber noch nicht nachgewiesen werden, dass diese allgemeine Erhöhung der Abwehrkraft auch zu einer verbesserten Tumorbekämpfung durch den Körper selbst führt. Es gibt also noch immer keinen Beleg für die tatsächliche anti-tumorale Wirksamkeit der Mistel.

Daneben gibt es aber Anhaltspunkte, dass Mistelextrakte zum Wachstum bösartiger Tumoren führen können. Der Einsatz von Mistel wird deshalb von vielen Ärzten nicht nur für überflüssig, sondern sogar für gefährlich gehalten.

Sollten Sie dennoch eine zusätzliche Misteltherapie wünschen, dann sollte diese nach Abschluss der Chemotherapie erfolgen, da das Mistelpräparat unter einer laufenden Chemotherapie das Immunsystem unter Umständen schwächt.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++
(Wolfhard - März 2008)

eine weitere Ergänzung, ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung:

Beginn des Zitats:
Mit Misteln gegen den Krebs Zu den bekanntesten
Medikamenten der anthroposophischen Heilkunde zählen übrigens Mistelpräparate, die vor allem gegen Tumorerkrankungen eingesetzt werden.

Der Glaube an die Wirkkraft der Mistel rührt in erster Linie von einem Analogiedenken: Wie beim Krebs handle es sich auch bei der Mistel um einen Schmarotzer; wie der Krebs, der sich dem normalen Zellwachstum widersetze, widersetze sich auch die Mistel den Gesetzen der Natur: sie blühe im Winter, berühre die Erde nicht und wachse nicht dem Sonnenlicht entgegen.

Von entscheidender Bedeutung soll die indikationsbezogene Wahl der Wirtsbäume sein: Zur Behandlung etwa von Karzinomen des Urogenitaltraktes seien bei männlichen Patienten Mistelpräparate vom Wirtsbaum Eiche zu verwenden, bei weiblichen Patienten dagegen vom Wirtsbaum Apfel.

Die Zuordnung der einzelnen Präparate beziehungsweise der darin enthaltenen Stoffe zu bestimmten Störungen oder Erkrankungen ist naturwissenschaftlich durch nichts belegt und rational auch nicht nachvollziehbar.

Ähnlich wie die Mittel der Homöopathie unterliegen auch die Mittel der anthroposophischen Heilkunde einer gesetzlichen Ausnahmeregelung:

Ihre Wirkung muss nicht anhand der wissenschaftlichen Kriterien nachgewiesen werden, die Maßstab der Zulassung jedes anderen Medikaments sind. Eine klinisch-kontrollierte Arzneimittelprüfung findet nicht statt.
Zitatende

Ergänzung:

Ein Experte mahnt:

Misteltherapie wird bei Lymphomen und anderen bösartigen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systemen nicht empfohlen. Es gibt Daten dazu gibt, dass Mistel diese Tumoren zum Wachsen bringen kann. ...., denn Mistel aktiviert das Immunsystem, d.h. unter anderem die Zellen, von denen solche bösartigen Erkrankungen (wie z.B. Leukämie) ausgegangen sind.

Patienten mit bösartigen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems rate ich von Misteltherapie ab.

Prof. Ben Pfeiffers Meinung zu Mistel:

Obwohl mit alleiniger Misteltherapie sich weder beim androgensensitiven noch beim androgenrefraktären Prostatakarzinom eine Absenkung der PSA-Werte erreichen lassen, kann davon ausgegangen werden, dass, ähnlich wie bei Patienten mit kolorektalem Karzinom nachgewiesen, sich die immunologische Abwehrfunktionen und die Lebensqualität verbessern.

mehr zu Mistel & Co.
Wirkung der Misteltherapie
Lektin
Wundermittel

letzte Aktualisierung im Juli 2010


Schlagwörter:

Mistel

Zurück