Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

HIFU-Therapie in München-Harlaching

05.3.2008

HIFU in Harlaching - Wo stehen wir heute?
Dr. Thürhoff und Prof. Dr. C. Chaussy, München-Harlaching
Vortrag anläßlich des Seminars für Leiter von Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen im Oktober 2007 in Bad Reichenhall Mitschrieb und persönliche Notizen von Wolfhard D. Frost

Bei Überlegungen, welche Therapie gewählt wird, fließen nicht nur biologische Parameter wie Tumorstadium etc. sondern auch das Alter des Patienten, seine Co-Morbidität (andere scherwiegende Erkrankungen), seine persönliche Einstellung gegenüber verschiedenen Therapien und Nebenwirkungen, sein psychosoziales Umfeld und seine Familien- und Arbeitsplatzsituation in den Entscheidungsfindungsprozess mit einfließen müssen.

Bei der Therapie des Prostatakarzinomlokalrezidivs gibt es im Hinblick auf Effektivität und Wirkung noch keine optimalen Verfahren. Wir legen das Hauptaugenmerk auf die Behandlung von Lokalrezidiven mit fokussiertem Ultraschall (HIFU, high intensity focused ultrasound).

Eine HIFU-Therapie (Ablatherm®) wird in unserer Abteilung nur durchgeführt, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: das Tumorrezidiv muss mit bildgebenden Verfahren (im Falle der HIFU ist das der transrektale Ultraschall) darstellbar sein, der Tumor muss mit dem Therapieschallkopf erreichbar sein (Eindringtiefe 25 mm) und schlussendlich muss die Diagnose Tumorezidiv durch Biopsie histologisch abgesichert werden. Ein unbestrittener Vorteil der HIFU ist die Option, bei Vorhandensein von Tumorresten oder einem Karzinomrezidiv ohne Probleme eine 2. HIFU-Behandlung durchführen zu können.

Die Salvage-HIFU erreicht in Abhängigkeit von der primär durchgeführten Karzinomtherapie in 60–74% der Patienten bioptisch nachweisbare Tumorfreiheit. Diese Ergebnisse liegen im Rahmen dessen, was mit anderen Salvagestrategien (RPE, Radiatio) zu erreichen ist, jedoch zeigt HIFU bei reduzierten Nebenwirkungen eine geringere postoperative Morbidität.

HIFU ist kein experimentelles Verfahren mehr. Seit 1996 erfolgen Prostatakrebsbehandlungen mit HIFU standartisiert. Es gibt ausreichende Daten, um die lokale Wirksamkeit und die geringe Nebenwirkungs- und Komplikationsrate darstellen zu können.aufzuzeigen. Die HIFU-Technologie wurde am Städtischen Klinikum München-Harlaching von Dr. Thürhoff und Professor Dr. med. Christian Chaussy bis heute in mehr als 1.500 Fällen angewandt. Heute arbeiten in Deutschland 28 Kliniken (Stand Juni 2006) mit diesem "Ultraschallskalpell".

HIFU verspricht als nicht-invasives Verfahren eine präzise lokale Behandlung in einer Sitzung, die wenn nötig wiederholbar ist, mit kurzem Klinikaufenthalt und niedriger Komplikationsrate. Alle anderen Therapieoptionen bleiben weiterhin möglich.

HIFU kann unter folgenden Voraussetzungen die geeignete Therapie sein:

• Bei lokalem und lokal fortgeschrittenem Karzinom, wenn die radikale Operation aus medizinischen Gründen oder auf Wunsch des Patienten ausgeschlossen wurde.
• Wenn trotz Behandlung (Operation, Bestrahlung, Hormonbehandlung) wieder ein Tumor auftritt.
• Wenn sich während der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung durch Abhobelung herausstellt, dass zusätzlich eine Krebserkrankung vorliegt.
• Zum Erhalt der Potenz bei einem einseitigen, kleinen Tumor.
• Bei einer systemischen Erkrankung mit kleinen Tochtergeschwüren in Kombination mit der Hormonbehandlung.
• Zur lokalen Zerstörung von Krebszellen in der Prostata, die nicht mehr auf die Hormonbehandlung ansprechen und sich deshalb weiter verbreiten würden.
• Bei Unverträglichkeit oder Nebenwirkungen der Hormonbehandlung.

HIFU, hochintensiver fokussierter Ultraschall, das heißt gebündelte Ultraschallwellen werden durch eine Art Hohlspiegel fokussiert. Die Wirkungsweise ähnelt der eines Vergrößerungsglases, mit dem Sonnenstrahlen gebündelt werden, um ein Loch in ein Blatt Papier zu brennen. Am millimeterfeinen Brennpunkt, dem Tumor innerhalb der Prostata, entstehen Temperaturen von rund 90 Grad Celsius. Diese Temperatur reicht aus, um das Prostatagewebe mit dem Tumor punktgenau zu verbrennen. Mit einer Genauigkeit von weniger als einem Millimeter Abweichung werden Hunderte von Ultraschallauslösungen durchgeführt. Die Bewegungen der Sonde werden vom Computer aus, ähnlich der "Roboterchirurgie", gesteuert. Natürlich soll durch die Wärme der Darm nicht geschädigt werden. Um dies zu verhindern, wird die Sonde gekühlt

Die HIFU-Behandlung findet unter Teilnarkose statt und dauert zwischen einer und drei Stunden. Etwa fünf Stunden nach dem Eingriff kann der Patient schon laufen. Nach Hause kommen die Patienten nach drei bis fünf Tagen

Meine persönliche Anmerkung kommt aus Berlin:
Bei Prostatakrebs gibt es eine schonende und wirksame Alternative zur Radikal-OP und Bestrahlung
Berlin, 20.03.2007. Nach 15-jähriger Forschungstätigkeit und über zehnjähriger Anwendungspraxis ist die Ablatherm®-HIFU-Therapie, die Behandlung von Prostatakrebs mittels hochintensiven fokussierten Ultraschall, eine der Alternativen in der Bekämpfung des Prostatakrebses. Über 12.000 Patienten weltweit haben den Ärzten und Kliniken ihr Vertrauen geschenkt, die diese wirksame und schonende Methode in einer Vorreiterrolle eingesetzt haben. Nun liegt die erste europäische Langzeitstudie vor. Dabei wurden mehr als 140 mit Ablatherm®-HIFU behandelte Patienten von den Standorten Regensburg, München und Lyon bei der Erhebung der 10-Jahresdaten berücksichtigt. Dr. med. Andreas Blana, Oberarzt der Urologischen Klinik und Poliklinik der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St Josef stellte auf einer Pressekonferenz zum Start des 22. Annual EAU Congress der European Association of Urology in der Bundeshauptstadt Berlin die eindrücklichen Ergebnisse vor. Es handelt sich dabei um die erste Studie nach langjähriger Nachsorge. Dabei haben wir Patienten, die zwischen 1997 und 2001 an drei verschiedenen Kliniken mit der Ablatherm®-HIFU-Therapie bei einem lokal begrenzten Prostatatumor behandelt wurden, über fünf Jahre nachbeobachtet. Und die Ergebnisse dieser minimalinvasiven und damit sehr schonenden Technik zeigen die hohe Wirksamkeit und einen langfristigen Erfolg. 3/4 der Patienten sind auch heute noch tumorfrei. Die Daten der Studie belegen, dass die Ablatherm®- HIFU-Therapie eine wirkungsvolle Alternative in der Behandlung des lokal begrenzten Prostatakrebses darstellt.“ Im Gegensatz zu allen anderen Verfahren wird die HIFU-Therapie durch den After durchgeführt Von hier kann die Prostata mit Ultraschall präzise dargestellt und behandelt werden, was zu einer sehr niedrigen Nebenwirkungs- und Komplikationsrate führt. Da alle anderen Prostatakrebstherapien weiterhin anwendbar sind, ist die Anwendung des hochintensiven fokussierten Ultraschalls eine zusätzliche Therapieform, die keine anderen Behandlungsmöglichkeiten verbaut.

Weitere persönliche Stellungnahme von mir:
Den letzten Satz mit der Aussage "….keine anderen Therapiemöglichkeiten verbaut." vermag ich nicht so recht zu glauben, müssen wir zunächst doch unbedingt unterscheiden zwischen low-risk, mediate-risk und high-risk Stadien des PK. Ein weiteres Problem sehe ich in der HIFU-Salvagetherapie, wenn es zutrifft, dass nach einer perkutanen Bestrahlung die Prostata in ihrer örtlichen Lage förmlich "eingebrannt/einzementiert" und wohl kaum ohne erhebliche Nebenwirkungen per HIFU behandelbar scheint. Weiter glaube ich, dass unsere gängigen Detektionsmöglichkeiten von Lokalrezidiven nach wie vor die Krankheitsausdehnung häufiger als uns recht sein kann unterschätzen. Ein unbestrittener Vorteil der HIFU scheint mir die Option zu sein, bei Vorhandensein von Tumorresten oder einem Karzinomrezidiv ohne Probleme eine 2. HIFU-Behandlung durchführen zu können. Nur Teilmitschrieb von mir. Weitere und detaillierte Ausführungen zum Vortrag von Herrn Dr. Thürhoff enthält die lt. Dr. Eichhorn in Vorbereitung befindliche CD.

November 2007


Schlagwörter:

HIFU, HIFU-Therapie

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