Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

PSA steigt trotz Hormontherapie wieder an

09.3.2008

Östrogene verringern bei Männer die Menge des männlichen Geschlechtshormons Testosteron und besetzen im Tumorgewebe die Bindungsstellen für dieses Hormon. Damit blockieren sie das Wachstum des Tumors. Kommt es nach Ausschöpfen der zunächst üblichen Hormonbehandlungen dennoch zum Fortschritt des Krebswachstums, gibt es die Möglichkeit auf Kombinationen von Östrogenen (weiblichen Sexualhormonen wie Turisteron, Estramustinphosphat, Fosfestrol) und Antiandrogene (Cyproteronacetat, Casodex usw.) auszuweichen. Hier handelt es sich nicht um lebensverlängernde, sondern um die Lebensqualität verbessernde Maßnahmen. Kommt es trotzdem zu einem weiteren Wachstum des Krebses, ist es nicht mehr sinnvoll weiter Antiandrogene zu geben. Eine Alternative können dann Glucokortikoide sein.

Anwendung: Östrogene nehmen Männer mit Prostatakrebs als Tabletten ein oder bekommen sie in die Muskulatur gespritzt oder als Pflaster auf die Haut. Die transdermale Verabreichung von Ö. (TDE = Östrogenpflaster)ist den Worten meines Urologen zufolge deutlich nebenwirkungsärmer. (siehe Phase-2-Studie mit transdermaler Applikation von Estradiol beim androgenunabhängigen Prostata-Karzinom Bland LB, Garzotto M, Deloughery TG, Ryan CW, Schuff KG, Wersinger EM, Lemmon D, Beer TM. Division of Urology,Oregon Health and Science University and Portland Veterans Affairs Medical Center, Portland, Oregon)

Achtung: Bei Krebs werden die Mittel 10- bis 100-mal so hoch dosiert wie sonst üblich, so dass die unerwünschten Wirkungen häufiger vorkommen und oft stärker ausgeprägt sind.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Männer mit Prostatakrebs keine Östrogene bekommen:

• Der Betroffene hatte schon einmal eine Thrombose oder Embolie.
• Der Betroffene hatte einen Schlaganfall.
• Das Blut des Krrebskranken enthält zuviel Kalzium (Hyperkalzämie, z. B. aufgrund von Knochenmetastasen).

Man sollte bei oraler Östrogeneinnahme gleichzeitig mit Marcumar oder ähnlichen Medikamenten dem Risiko der übermäßigen Blutgerinnung entgegenwirken. Ob Aspirin hilft ist fraglich.

Empfehlung: Die appetitanregende Wirkung der Östrogene wird von Krebskranken oft als positiv empfunden. Deshalb auf Gewichtszunahme achten durch eine tägliche Ernährungsbilanz, denn Wer mehr isst als er verbraucht nimmt zu!

Zu Estramustin: Ein Experte aus dem süddeutschen Raum, PD Dr. Paul, meinte auf einem Seminar für Selbsthilfegruppenleiter, Estramustin sei allein weniger einsetzbar, eher in Verbindung mit anderen Medikamenten. Estramustin habe viele Nebenwirkungen insbesondere im kardiovaskulären Bereich.

Meine Anmerkung: Zu dieser Art von Alternativtherapien sollte man(n) unbedingt mit seinem Urologen oder aber mit einem Uro-Onkologen sprechen oder ggf. zu einem anderen Urologen oder Uro-Onkologen gehen zum Einholen einer weiteren Meinung. Spezialisten sind gefragt, und nicht jeder Urologe hat mit AUPK ausreichende Erfahrungen.

Nochmals: Hier braucht es viel Erfahrung und die haben wir Laien in den Selbsthilfegruppen nicht. Wir Selbsthilfegruppen haben zwar Patientenkompetenz aber keine medizinische Ausbildung. Und was bei dem einen hilft, funktioniert beim anderen nicht. Wenn ein Medikament bei Chemotherapie gebraucht würde, sollte nach Meinung von Dr. Paul Docetaxel an erster Stelle stehen, ob mit wöchentlicher oder 3 wöchentlicher Gabe oder im Einzelfall intermittierend ob mit 6 Infusionen oder 10 Infusionen /Zyklen das sei individuell unterschiedlich. Die LHRH Spritze (Zoladex) läuft während Chemo weiter.

November 2007

 


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