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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Thalidomid - ein bisschen wirksam?

15.1.2010

Thalidomid ist ein Mittel, das noch nicht gut verstanden ist. In einer Studie von Doug Figg vom National Cancer Institute: Thalidomid ist ein bisschen wirksam. PSA-Rückgänge von mehr als 50% waren nur bei ca. 18% der Patienten zu verzeichnen, die 200 mg pro Tag bekamen.

Das Mittel übt antiangiogenesische Wirkungen aus, nachdem es sich in verschiedene Stoffwechselprodukte umwandelt hat. Es gibt Studien, die zeigen , dass von Thalidomid selbst keine Wirkung ausgeht, sondern dass die Wirkung vom Stoffwechselprodukt ausgeht. Diese antiandrogenen Mittel, zu denen Thalidomid gehören mag, bringen keinen grösseren PSA-Rückgang. Stattdessen haben sie eine Wirkung, die Progression zu verhindern. Ausserdem hat dieses Medikament definitiv Nebenwirkungen wie Verstopfung, Fatigue, Prickeln, Taubheit und periphere Neurotoxizität. Interessant ist allerding die Tatsache, dass, als in einer anderen grossen Studie, Thalidomid mit Taxotere kombiniert wurde, eine längere Überlebensdauer erreicht wurde. Allerdings deckte diese Studie eine unerwartete Nebenwirkung auf, nämlich Thrombose.

Die Angiogenese-Hemmung wird (anfänglich) in Kombination mit einer Chemotherapie durchgeführt. Denn bis zu einer gewissen Größe sind Tumore ja nicht auf eigene Gefäße angewiesen, was auch für Metastasen gilt. Die Chemotherapie zerstört dann die sich teilenden Tumorzellen, die noch nicht auf Gefäße angewiesen sind, der Angiogenese-Hemmer hemmt die Blutversorgung. So wird der Tumor gewissermaßen von zwei Seiten angegriffen. Wenn die Chemotherapie abgeschlossen ist, wird die Therapie mit dem Angiogenese-Hemmer allein fortgesetzt.(Text von Roche Pharma)

Wenn Thalidomid mit einem anderen Mittel, besonders einem chemotherapeutischen kombiniert wird, besteht ein viel höheres Risiko von Nebenwirkungen wie Lungenembolie und tiefer Venen-Thrombose. In der Figg Studie gab es anfänglich viele Blutgerinnsel und den Teilnehmern musste Heparin injiziert werden.

Leider ist der Angriff auf den Tumor nicht lückenlos. Der Abwehrmechanismus funktioniert nur eine gewisse Zeit. Irgendwann kann der Tumor auf unbekannte Weise trotz der Therapie weiterwachsen – Ärzte sprechen von einer Tumorprogression. In diesem Fall wird die Behandlung mit dem Angiogenese-Hemmer meist beendet.

Trotzdem kann das Medikament ein kleiner Mosaikstein einer Therapiekonzeption sein, wenngleich es eine sehr teuere Angelegenheit ist und der Erfolg nicht unmittelbar auf der Hand liegt, da es nur ein "bisschen" wirksam sein kann. Aber das ist besser als gar nichts!

Wo und wie "erhält" man(n) Thalidomid?
Im BPS-Forum fand ich gerade aktuell diesen Hinweis:
Thalidomid gibts in Berlin auf Privatrezept: 100 Stk. à 50 mg, 466,- Euro. Tel. 030/89092685 030/89092685 , ca. drei Tage vor Abholung anrufen und Rezept durchfaxen [hinter dieser Telefonnummer verbirgt sich die Waage-Apotheke, Kurfürstendamm 142, 10709 Berlin

Wichtig

Die unter Docetaxel + Thalidomid beobachteten Thromboembolien sind ein ernst zu nehmendes Risiko. So lange nicht geklärt ist, wie das Nutzen/Risikoverhältnis dieser Kombinationstherapie zu beurteilen ist, darf eine Anwendung nur unter kontrollierten Bedingungen einer klinischen Studie erfolgen (und das nur unter Heparin-Prophylaxe).
Kommentar von Univ.-Prof. Dr. Michael Krainer, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Klin. Abteilung für Onkologie, 1090 Wien

letzte Aktualisierung im Januar 2010


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