Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Zweiter Zyklus DHB

25.11.2010

Zweiter Zyklus der Dreifachen Hormonblockade

Es handelt sich hier um meine Laienmeinung! Und ich weise ausdrücklich auf die Problematik hin, dass ich als Laie lediglich meine Meinung verbreite und keine ärztlichen Ratschläge erteile. Auch liegt es mir fern, ersatzweise für den Arztbesuch zu fungieren. Wer aus meiner Infothek Informationen für eine eigene Therapie entnimmt, tut dies auf eigenes Risiko.

Und nochmals: Ich empfehle Betroffenen und Interessenten dringend, vor Änderungen der Medikation den Urologen des Vertrauens zu konsultieren.

In einer Mail wurden mir die nachstehenden Fragen gestellt, die ich dann wie folgt beantwortetet habe:

Frage 1: Bei welchem Ansteigen des PSA-Wertes ist die Therapiepause zu beenden und die Hormontherapie fortzusetzen?

Hierfür gibt es keine allgemeingültige Regel. Die Therapie-Pause soll ja möglichst lang sein, damit das in der Pause nach kurzer Zeit wieder vorhandene Testosteron die noch vorhandenen hormonempfindlichen Zellen regeneriert. Es ist allgemein bekannt, dass das Risiko einer hormonrefraktären Entwicklung des Prostatakrebses bei der 2. Hormonblockade nicht gering ist.

Zuerst aber muß erstmal rückblickend überlegt werden, wie schnell ist der Nadir beim ersten Durchgang der Hormonblockade errreicht worden. Angenommen, das war erst nach 5 Monaten, dann ist das eine recht lange Zeit. Die von Leibowitz verlangte Unmessbarkeit des PSA über mindestens 9 Monate von den insgesamt 13 Monaten Therapiezeit ist knapp verfehlt worden, wenngleich Leibowitz seine Zeitempfehlungen nicht als Glaubensbekenntnis vorgibt. D.h. im vorliegenden Beispiel könnte der verspätete Nadir im 1. Zyklus die Vermutung zulassen, dass eine Mutation der Androgenrezeptoren seinerzeit (also bei der ersten Hormonblockade) schon begonnen haben könnte.

Bei welchem PSA der 2. Zyklus begonnen werden sollte, dazu wird in den Foren sehr unterschiedlich geschrieben. Da wird von Interventionspunkten von….. bis…… alles Mögliche gehandelt; vor kurzen gerade PSA 15 ng/ml. Es reicht aber beileibe nicht aus, nur auf den PSA-Wert fixiert zu sein. PSA runter heißt nicht automatisch Therapieerfolg! Leibowitz empfiehlt das Warten auf ein stabiles PSA-Plateau, was immer das auch ist und wann immer das kommen mag, wenn überhaupt. Denn der PSA-Wert ist das eine - die Art/Aggressivität des Prostatakrebses, das ist das andere.

Dann sollte es auch weitergehende Überlegungen geben, was die Ursache des PSA-Anstieges, der zu einer 2. Hormonbehandlung führt, sein könnte, z.B. Lymphknotenmetastasen oder eine andere Metastase aber auch eine Entzündlichkeit. Ein rascher Anstieg z.B. läßt mehrere Überlegungen zu. Das muß dann unbedingt und bald herausgefunden werden. Die dazu erforderlichen bildgebenden Verfahren und aber auch deren Grenzen sind/Rezidiv-Nachweise mit Bildgebenden Verfahren:

• Der Nachweis eines Rezidivs mit Cholin-PET ist erst ab PSA 1,5 bis 2,0 einigermassen zuverlässig möglich *)

• Zum Nachweis von Samenblasenbefall ist eMRT/CT besser geeignet.

• Der Nachweis von Lymphknotenbefall entweder per USPIO oder Cholin-PET

• PET 18F zum Nachweis von Knochenmetastasen.

*) lt. Prof. Reske, Ulm, bereits ab PSA 0,5 ng/ml

Und wenn der PSA-Wert nach Absetzen der DHB wieder beginnt anzusteigen, kann das auch daran liegen, dass seinerzeit nach der Biopsie der Gleason-Wert doch nicht so exakt bestimmt worden ist, wie es jetzt erforderlich wäre. Müßte er nach oben korrigiert werden hieße das, bisher hat eine Untertherapie stattgefunden, müßte er nach unten korrigiert werden, kann das als Übertherapie interpretiert werden. Die "nicht richtige Bestimmung" des Gleason-Score kann eine Ursache auch darin haben, dass die Stanzen nicht die Stellen des Tumors getroffen haben, die man als "worst-case" bezeichnen kann.

Eine weitere Überlegung stellt darauf ab, schrieb Christian Ligensa, der zweite Vorsitzende des Bundesverbandes Prostata Krebs Selbsthilfe e.V., vor einiger Zeit, dass nicht wenige Männer, die vorher mit einer DHB behandelt worden waren, zusätzliche freiverkäufliche Produkte einnehmen, dass sie Zusätzliches unternehmen, um den Behandlungserfolg zu verbessern. Dieses wirkt, wie steigende PSA-Werte zeigen, eher kontraproduktiv. Zu den Produkten zählen einige Sojaprodukte, Phytoestrogene, modifiziertes Citruspektion, Leinsamen, zinkhaltige Produkte, Fischöle,

Frage 2. Sollte ich beim zweiten Durchgang wieder Casodex nehmen?

Es gibt Empfehlungen, genau das nicht zu tun und von Casodex auf Flutamid umzusteigen oder umgekehrt , wenn Flutamid das erste Medikament war, dann auf Casodex.

Dr. Leibowitz lehnt einen weiteren DHB-Zyklus mit einem nichtsteroidalen Antiandrogen ab, kein Casodex, kein Flutamid! Dr. Leibowitz setzt z.B. Ketokonazol ein.

Eine Erhöhung der Casodexdosis im zweiten Zyklus kann aber auch kontraproduktiv sein. Der PSA-Wert fällt zwar ab doch der Prostatakrebs entwickelt sich dennoch sehr aggressiv. Dr. Meyers aus den USA schrieb in einer wissenschaftlichen Abhandlung: "Tatsächlich ist die Response-Rate von Therapien nach Leibowitz höher als die irgendeines anderen Androgen-Ablations-Programms, um Prostatakrebs zu behandeln. Casodex in Dosis von 150 mg pro Tag ist in der Lage, das Tumorwachstum effektiv zu unterdrücken. Dabei müssen wir im Auge behalten, dass Casodex umschalten kann, von einem Medikament, das Testosteron vom Andocken an den Androgenrezeptor abblockt, zu einem Stoff, der selbst an den Androgenrezeptor andockt und das Krebswachstum stimuliert. Dieses passiert, wenn der Androgenrezeptor und die dazugehörigen Proteine zu einer neuen Konfiguration umschalten, die nun Casodex nutzt, als wäre es Testosteron. Dies wird signalisiert durch Prostatakrebs-Progression während einer Casodex-Therapie. Aus diesem Grund muss der PSA-Verlauf sorgfältig verfolgt werden und wenn die Werte einen Krebs-Progress anzeigen, sollte Casodex abgesetzt und eine second line Hormontherapie erwogen werden."

Frage 3. Wie lange sollte der 2. Durchgang der DHB gemacht werden:

Auch da gibt es wie immer und überall unterschiedliche Stellungnahmen und Erfahrungen. Aus den Erfahrungsberichten entnehme ich die Zahlen 8 bzw. 11 bzw. 15 Monate. M.E. wird es entscheident sein, ob und m it welcher Medikation und wie bald beim zweiten Durchgang (Zyklus) der Hormonbehandlung der PSA-Nadir erneut erreicht wird. Erst dann sollten weitere Therapie-Überlegungen Raum greifen.

Frage 4. Gibt es Alternativen?

Eligart-Avodart-Casodex ist eine weitere Überlegung.

z.B. auch die Brachytherapie/Seedsimplantation

z.B. auch eine ADT3 oder ADT4 (nach Dr. Strum) evtl. mit zusätzlicher Bestrahlung

z.B. DHB + gering dosierte Chemotherapie - lt. Dr. Frank Eichhorn, von mir sehr geschätzter Urologe aus Bad Reichenhall, besteht bei dieser Vorgehensweise die Gefahr der Übertherapierung.

Durch eine Therapie mit Ketokonazol kann man die DHB+Chemo oder die Chemotherapie möglicherweise ein paar Jahre hinauszögern.
Vorsicht: Es ist bei neueren Studien mit Taxanen oder Second-Line-Therapien zu beobachten, dass Patienten, die vorher mit Ketokonazol (Nizoral) behandelt wurden, zu solchen Studien nicht zugelassen werden.

Frage 5. Kann ich eine Casodex 150mg Dosis auf einmal einnehmen?

Da es die 150mg Casodex-Tablette wieder gibt, ist das für keine Frage. Wer 150mg Casodex über den Tag verteilt nehmen will, sollte das mit seinem Arzt eingehend besprechen.

Meines Erachtens und entsprechend dem Hinweisblatt des Herstellers für Ärzte sind gem. ASTRA-ZENECA bis jetzt keine Fälle von Überdosierung beim Menschen bekannt. Es gibt kein spezifisches Antidot, die Behandlung bleibt symptomatisch, generelle unterstützende Massnahmen sind indiziert, insbesondere die häufige Überwachung der lebenswichtigen Funktionen. Häufige Probleme: Erhöhung der Transaminasen, Gelbsucht. Gelegentliche Probleme: schwere Leberfunktionsstörungen (häufig vorübergehend). Sowohl bei der Fortsetzung als auch beim Abbruch der Therapie wurde eine Besserung oder ein Verschwinden dieser Störungen festgestellt. Aufgrund dieser Beobachtungen sollten während der Behandlung mit Casodex periodisch Leberfunktionsprüfungen in Betracht gezogen werden (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen auf dem Medik.-Beipakzettel). Die unerwünschten Wirkungen von Casodex sind dosisabhängig und ergeben sich überwiegend aus der pharmakologischen Wirkung. Bei Kombination mit LHRH-Analoga sind einige der unerwünschten Wirkungen sogar häufiger. Bei Laktoseintoleranz sollten man(n) wissen, dass Casodex 150 mg 183 mg Laktose-Monohydrat enthält.


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Nebenwirkungen bei DHB
DHB auf Dr. Eichhorn-Seminar 2005
PSA-Werte bei DHB
PSA Anstieg bei DHB
Zweiter Zyklus bei DHB
DBH auf dem Uro-Kongress 2009 in Dresden

September 2009
letzte Aktualisierung im November 2010


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