Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
E-Mail: info@prostata-sh.info

PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Kältechirurgie

04.7.2010

...meint Zerstörung erkranten Gewebes durch Vereisung des z.B. Geschwulstgewebes. Beim Gefrieren der Zellen bilden sich Eiskristalle und der Prozess des Einfrierens und Auftauens zerstört die Zelle durch einen zyklischen Prozess des direkten Einfrierens mit Dehydratation und Hypoxie. Die Vereisungsbehandlung ist bei der Behandlung von Prostatakrebs in ihrer Wirkungsweise umstritten, wohl aber mehr, weil die Gerätetechnik und die Beherrschbarkeit der Kältetechnik nebst der mit dieser Technik verbundenen Nebenwirkungen die größeren Probleme bereiteten. Man spricht auch von Kryochirurgie oder Kryotherapie, meist wenn es um die Therapie bei anderen Tumorkrankheiten geht.

Bei einigen Autoren heißt es auch: Eiszeit für Tumore
Als Kryo-, Gefrier- oder Kältechirurgie bezeichnet man die operative Gewebsdurchtrennung oder gezielte Zerstörung des pathologischen Gewebes durch induzierte Kältenekrose bis ·196º C. Meistens werden Tumore nicht herausgeschnitten, sondern schockgefroren.

aus dem Urologielehrbuch:
Experimentelle lokalisierte Therapieformen des Prostatakarzinoms - Kryotherapie des Prostatakarzinoms:
Moderne Kryogeräte (Anmerkung: derzeit 3. Generation) können die Gefrier- und Tauzyklen mit hoher Geschwindigkeit und hoher Genauigkeit applizieren, die Eisballentstehung kann durch moderne transrektale Ultraschallsonden genau beobachtet werden (Touma u.a., 2005). Durch urethrale und rektale Wärmung mit Temperaturmessungen können Komplikationen (Anmerkung: insbesondere an der rektumswand) verhindert werden, welche in den 70er Jahren häufig warenwie z.B. rektale Fisteln, Obstruktion, Inkontinenz und refraktäre Schmerzen.
In der Regel werden bis zu 8 Kryosonden in die Prostata transperineal eingebracht. Ein spezieller Katheter mit Wärmepumpe schützt die Harnröhre. Unter transrektaler US-Kontrolle des Eisballs wird die Prostata mit -195C vereist, danach folgt die schnelle Erwärmung der Prostata. Es werden zwei Gefrier-Tau-Zyklen appliziert. Bis zum Abstoßen des nekrotischen Gewebes benötigt der Patient für 2-3 Wochen einen urethralen Dauerkatheter.

Die Kryotechnologie wird in den Fällen mit Prostatakarzinom angewendet, wo die Bestrahlung nicht greift oder es sich um Hochrisikopatienten handelt. Zu lesen ist auch: Da die Prostata bis auf -40° C heruntergekühlt wird, reagiert der Körper gegen den Tumor und produziert Antikörper, die bei der Bekämpfung des Tumors helfen.

Ein Wissenschaftler-Team von der Universität in Pittsburgh (USA) führte die bislang größte Untersuchung zur Kryotherapie des Prostatakarzinoms durch. Dazu werteten die Wissenschaftler Daten von 370 Patienten aus, die mit dieser Methode behandelt worden waren. Die Studienteilnehmer hatten Prostatakrebs, der sich noch nicht in das umliegende Gewebe ausgebreitet hatte.
80% der Patienten mit niedrigem Risiko, 74% der Patienten mit mittlerem Risiko und 45% der Hochrisiko-Patienten waren auch zehn Jahre nach der Behandlung noch krebsfrei. Aus Sicht der Forscher stellt daher die Kryotherapie eine akzeptable Methode zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms dar. Sie geben allerdings zu bedenken, dass weitere Forschung erforderlich ist, bevor die Kryochirurgie standardmäßig empfohlen werden kann.
Wichtige Anmerkung:
D.h. Kontrollierte vergleichende Studien oder retrospektive Serien mit langer Nachbeobachtung fehlen.

In NRW wird die Kryotherapie m.W. im Klinikum in Leverkusen angeboten oder bei Prof. Engelmann in Köln. In Hessen ist mir bekannt, dass das Krankenhaus Nordwest (Kryotherapie der Prostata Klinik für Urologie und Kinderurologie im Krankenhaus Nordwest in Frankfurt/Main Ansprechpartner: Chefarzt Prof. Dr. E. Brecht und OA Dr. med. U. K. F. Witzsch)diese Technik anbietet.
Hichsichtlich der Kosten, die von den GKV nicht übernommen werden, hört man von ca. 8500 Euro.

letzte Aktualisierung im Juli 2010

siehe auch Kryotherapie


Schlagwörter:

Kryotherapie, Witzsch

Zurück