Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Cyberknife Technologie

11.7.2011

Cyberknife Radiochirurgie ist eine hoch präzise, schmerzlose, robotergesteuerte Hochpräzisionsbestrahlung, die als Alternative oder Ergänzung zu einem offenen chirurgischen Eingriff oder einer herkömmlichen, mehrwöchentlichen Strahlenbehandlung angewandt werden kann. Es handelt sich dabei um eine neue medizinische Technologie, die zwei Verfahren kombiniert:

Das Eine ist ein besonders leichtes und kompaktes Bestrahlungsgerät, welches an einem Roboterarm befestigt ist. Solche Roboter und vor allem ihre Beweglichkeit sind aus der Automobilindustrie und der sonstigen halbautomatischen Fertigung in Industriebetrieben bekannt. Die Beweglichkeit ermöglicht, dass alle Körperregionen für eine optimale Behandlung problemlos erreicht werden können, anders als die wenig flexiblen stationären und schwergewichtigen Geräte, die wir bisher kennen gelernt haben.

Das Zweite ist ein computergesteuertes Bildortungssystem. Mit dieser Technologie kann das Cyberknife den Tumor während der gesamten Behandlung orten und kleinere Patientenbewegungen automatisch ausgleichen. Damit entfällt die Notwendigkeit zur Fixierung am Kopf oder Körper des Patienten, ebenso wird eine Narkose (zur Ruhigstellung des Patienten) vermieden.

Das Münchner Cyberknife System ist z.Zt. auf die Behandlung von vaskulären und tumorösen Läsionen im Bereich des Gehirnes und der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarkes ausgelegt. Prinzipiell können jedoch auch alle geeigneten Tumore im gesamten Körper mit dem Cyberknife behandelt werden, also auch das Prostatakarzinom.

Für jede Behandlung wird im Cyberknife-Zentrum eine Computertomographie (CT) Untersuchung und Kernspintomograpie (MRT) Untersuchung durchgeführt. Die CT und MRT Daten werden auf einen Planungscomputer übertragen, damit die behandelnden Ärzte und spezialisierten Medizinphysiker die Zahl, die Intensität und die Richtung der Strahlen, die der Roboter auf das Ziel lenkt, planen und simulieren können. Am Ende muss nämlich die Dosis im Tumor exakt stimmen, und zwar nicht nur im Zentrum, sondern an jeder Stelle - auch am Tumorrand. Je größer der Tumor ist, desto größer muss der Durchmesser der einzelnen Strahlen sein und desto stärker ist auch die Strahlenbelastung für das umliegende Gewebe. Ein Tumor mit mehr als zwei Zentimeter Durchmesser ist nach Meinung der Cyberknife-Ärzte eine kritische Größe.

Am Behandlungstag muß der Patient keine besonderen Vorkehrungen treffen: Sein Frühstück und evt. Medikamente sollte er wie gewohnt einnehmen.

Bei der Behandlung werden mehr als 100-mal nacheinander Strahlen aus bis zu 1.200 Richtungen auf den Tumor "geschossen". Für sich genommen ist jeder einzelne Schuss harmlos, aber im Kreuzungspunkt der Strahlen addieren sich die Dosen und entfalten ihre vernichtende Wirkung - bis auf 0,5 Millimeter exakt und für die Tumorzellen tödlich.

Wichtig ist die dynamische Positionskorrektur. Der Computer hinter dem Roboterarm erkennt Bewegungen des Körpers, kann sich darauf einstellen und seine Position korrigieren. Und zwar macht das Gerät während der Behandlung regelmäßig Röntgenbilder und vergleicht sie automatisch mit der ursprünglichen Aufnahme. Und das Gerät kann regelmäßige Bewegungen, die beispielsweise durch Atmen oder sich verschiebende Bauchorgane z.B. die Veränderungen durch die Füllstände in Blase und Dickdarm entstehen, erfassen und vorhersehen. Damit wäre die Behandlung größerer Tumoren wie z.B. das Prostatakarzinom durchaus denkbar.

Die Therapie sei nach Auskunft der Ärzte im Cyberknife-Zentrum nicht für alle Tumorpatienten geeignet. Ausgeschlossen seien Geschwülste, die wild ins Gewebe wachsen würden oder solche, die mehrere Metastasen gebildet hätten.

Der Zeitaufwand für die eigentliche Behandlung beträgt etwa eine Stunde.

Das Cyberknife Zentrum, eines von fünf in Europa (Stand 2006), in München-Großhadern besteht seit 2005 und kooperiert als eigenständige Einrichtung mit dem Klinikum der Universität München (Neurochirurgische Klinik und Institut für Klinische Radiologie) sowie der AOK Bayern. Ausser der Radiochirurgie für Hirnbehandlungen wurde auch die Anwendung bei Wirbelsäulentumoren sowie bei Lungen- und Lebertumoren aufgenommen.

Mehr Infos von Europäisches Cyberknife Zentrum München - Großhadern
Max - Lebsche - Platz 31 D - 81377 München Tel. 089 / 45 23 36 – 0 Fax 089 / 45 23 36 – 16
oder
www.cyber-knife.net

Mai 2008

Ergänzung:
Der folgende Link führt Sie zu einer Regional-Sendung des WDR und verdeutlicht die Anwendung von Cyberknife
http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/2011/02/28/lokalzeit_suedwestfalen.xml
Falls der Link nicht funktionieren sollte, versuchen Sie es bitte hier:
CyberKnife in Soest

Ergänzung:
Krebspatienten aus ganz Norddeutschland können künftig in Güstrow von der CyberKnife-technochnologie profitieren. Das 7,5 Millionen teure Zentrum wurde von einem Kuratorium privater Geldgeber finanziert.

Mit der Robotersteuerung könne der Tumor genauer als bei der herkömmlichen Bestrahlung angesteuert werden. "Der Roboterarm kann den Linearbeschleuniger, der die Strahlung bündelt, frei im Raum ausrichten und sogar die Atembewegungen des Patienten berücksichtigen", erklärte Peter Schuff-Werner, ärztlicher Direktor der Uni-Klinik in Rostock, die das Zentrum betreut. Einige Krankenkassen hätten dem Vernehmen nach das Verfahren in ihre Kostenerstattung aufgenommen; der Verbund der Betriebskrankenkassen (BKK) und die KKH-Allianz sollen bereits Verträge mit dem Behandlungszentrum abgeschlossen haben. Ob weitere und welche Krankenkassen sich anschließen, muß derzeit durch Anruf bei der jeweiligen KK oder im CyberKNife-Zentrum in Güstrow geklärt werden.

Ein weiteres CyberKnife-Therapiezentrum ist im Strahlenzentrum Hamburg entstanden, welches gerade und pünktlich zum 3-jährigem Bestehen der Praxis vom TÜV ein erfolgreich implementiertes Qualitätsmanagement-System nach ISO9001 bestätigt bekam.
In einem jüngst geführten Telefonat mit Prof. Seegenschmiedt wurde in dem Hamburger Strahlenzentrum die Möglichkeit einer einwöchigen Bestrahlung eines Prostatakarzinoms mittels Cyberknife in Aussicht gestellt.

letzte Aktualisierung im März 2011/April 2011/Juli 2011



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