Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Biopsie - Was passiert bei einer Prostatabiopsie?

23.12.2009

Der Arzt tastet die Prostata vom Rektum (Enddarm) aus ab. Dann wird eine speziell geformte, mit Gleitmittel versehene Ultraschallsonde, die etwas größer als der Finger eines Mannes ist, in das Rektum eingeführt. Die Sonde erzeugt mittels Ultraschallwellen ein Bild der Prostata. Der Arzt verwendet den Ultraschall zur Steuerung einer Hohl-Nadel, die durch die Wand des Rektums in die Prostata gestoßen wird, um eine Gewebeprobe zu entnehmen.

Es werden heutzutage durchschnittlich 12 Proben entnommen (vor einigen wenigen Jahren nur 6) und vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht, um nach Prostatakrebs zu suchen. Der Eingriff wird ambulant unter Lokalanasthäsie von einem Urologen durchgeführt und dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Er wird von den meisten Männern als unangenehm, von einigen auch als schmerzhaft beschrieben.

Um das Infektionsrisiko zu verringern, bekommt der Patient vor und nach der Prostatabiopsie kurzzeitig Antibiotika, und wird aufgefordert, in den nachfolgenden 24 Stunden viel Wasser zu trinken.

Aufgrund der zunehmenden Restistenz gegen bestimmte Antibiotika beobachtet man immer mehr an infektiösen Komplikationen nach transrektaler Prostatabiopsie. Strategien zur Reduktion solcher infektiösen Komplikationen umfassen u.a. mikrobiologische Untersuchung der rektalen Flora, alternative Antibiotika zur Prophylaxe und/oder die Umstellung auf eine perineale Biopsietechnik.

In einer Untersuchung aus Schweden ist man den Risikofaktoren für eine Infektion nach einer Biopsie nachgegangen. Untersucht wurden die Daten von 51 Tsd Männern aus dem Zeitraum 2006 bis 2011.
Ergebnis: Innerhalb 30 Tagen benötigten 6 Prozent der Männer ein Antibiotikum. 1 Prozent wurde in das Krankenhaus aufgenommen aufgrund der Infektion. Erkenntnis: Der stärkste Risikofdaktor für eine antibiotische Behandlung waren vorausgegangene Infektionen, eine hohe Komorbidität (vorheriger Blasenkatheter, vorausgegangener Krankenmhausaufenthalt mit antibiotischer Therapie) und Diabetes. Männer, die Fluorquinolon-resitente Keime aufweisen (es werden immer mehr!!) haben ein dreifach erhöhtes Risiko für Infektionen. Durch einen Rektalabstrich kanneine Besiedelung mit resistenten Keimen vor der Biopsie festgestellt werden.

Zeitlich nach der Biopsie kann es sein, dass sich Blut im Urin befindet; in der Regel ist diese Nachwirkung der Biopsie nach zwei bis drei Tagen abgeklungen, in seltenen Fällen kann das aber auch über zehn bis vierzehn Tage andauern. Kleinere Blutmengen können auch ein bis zwei Tage nach dem Eingriff auf dem Stuhl sichtbar sein. Außerdem ist das Auftreten von Blutbeimengungen im Samenerguss für kurze Zeit - bis zu wenigen Wochen nach der Biopsie - möglich.

Insgesamt sind diese kleineren Blutbeimengungen im Urin, Samenerguss oder auf dem Stuhl nach einer Biopsie völlig normal und kein Anlass zur Sorge. Ein Urologe:"Blut im Stuhl, Urin, Ejakulat können unter Umständen wochenlang anhalten und auch nach längerer Ruhephase erneut auftreten - das ist aber völlig harmlos. Nur erhöhte Temperaturen über 38.o sollten zum sofortigen Arztbesuch führen!"

Ergänzung:

Karzinome aus der Tansitional-Tone (TZ-Karzinome) weisen höhere PSA-Werte bei unauffälligem Tastbefund und negativer Erstbiopsie der peripheren Zone auf.

letztmalig aktualisiert im Dezember 2009/Ergän zung im März 2015/April 205 WDF

Neu in 2016

In einem Interview nach dem ASCO 2016 sagt
PD Dr. med. Richard Cathomas, Chur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bereich Prostatakarzinom wurden insgesamt drei Studien mit «practice changing» Ergebnissen präsentiert. Abstract 5000 zeigte, dass das mulitparametrische MRI (mpMRI) der «blinden» transrektalen Ultraschall-gesteuerten (TRUS) Prostatabiopsie deutlich überlegen ist. Vor einer Biopsie sollte beim Mann mit erhöhtem PSA (>3ng/ml) ein mpMRI vorgenommen werden. Dies selbstverständlich an einem dafür ausgerüsteten und ausgebildeten Radiologie-Institut. Dadurch könnte in 27% der Fälle auf die TRUS Biopsien verzichtet werden. Das MRI allein genügt aber nicht zur Diagnose, diese muss weiterhin durch eine Biopsie erfolgen (je nach Lokalisation entweder TRUS oder MRI-gesteuert).
Quelle: Kongressausgabe zum ASCO Meeting 2016 der info@onkologie

 

Prof. Dr. Heinz-Peter Schlemmer bestätigt anläßlich seines Vortrages am 07.09.2016 vor Selbsthilfegruppenleitern aus NR in Essen die Überlegenheit des mpMRT und fügt hinzu: "Der Bedarf an Bildgebung wird steigen, die Fusionsbiopsie wird bei den Urologen hoch gehandelt". 

 

 

 



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