Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Welche Behandlung ist für mich richtig?

24.7.2008

Welche Behandlung ist für mich richtig?

Welche Methoden am häufigsten bei der Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. In jedem Fall muss der behandelnde Facharzt (Urologe) bei der Therapieentscheidung zwischen dem möglichen Nutzen, der aus der Behandlung erwachsen kann, und der Wahrscheinlichkeit und Schwere möglicher Nebenwirkungen abwägen. Welche Art von Behandlung angezeigt ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
1. Aggressivität der Krebserkrankung, d. h. wie schnell wächst der Krebs und hat er sich über die Prostata hinaus ausgebreitet;
2. Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten.

Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:

1. Aktive Überwachung.

Diese Behandlung wird Männern empfohlen, bei denen man davon ausgeht, dass sie kleine, langsam wachsende Tumore haben, die ihre Lebenserwartung möglicherweise gar nicht verringern. Diese Patienten kommen regelmäßig in die Sprechstunde, um ihren Gesundheitszustand überprüfen und regelmäßige PSA-Tests sowie eventuell weitere Prostatabiopsien durchführen zu lassen. Wenn das Karzinom beginnt, schneller als erwartet zu wachsen, wird eine kurative Behandlung wie z.B. die Prostatektomie oder eine Strahlentherapie erwogen.

2. Beobachtendes Abwarten.

Diese Behandlung wird meist älteren Männern mit langsam wachsendem Tumor empfohlen, die sehr wahrscheinlich weder die Lebenserwartung verkürzen noch die Lebensqualität beeinträchtigen werden. Der Gesundheitszustand dieser betroffenen Männer wird regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass der Prostatakrebs ihre Lebensqualität nicht beeinträchtigt.

3. Prostatektomie, Operation zur Entfernung der Prostata.

Diese Behandlung wird normalerweise Männern mit einer aggressiven Form des Prostatakrebs empfohlen, der noch nicht außerhalb der Prostata gestreut hat. Mit dieser Operation können schwere Nebenwirkungen verbunden sein; Ein nicht geringer Anteil der Männer hat Erektionsprobleme (Impotenz), einige verlieren ihre Fähigkeit, das Wasserlassen zu kontrollieren (Harninkontinenz). Wenig invasive, nervschonende und robotergestützete OP-Methoden sind technische Fortschritte, die weniger schwere Nebenwirkungen verursachen

4. Strahlentherapie.

Um die Krebszellen zu vernichten, werden Röntgenstrahlen verwendet. Diese können entweder durch die Haut appliziert werden (perkutane Strahlentherapie) oder durch das sorgfältige Platzieren von kleinen radioaktiven Implantaten in die Prostata (Brachytherapie). Wie die Prostatektomie ist diese Therapie für Männer mit einer aggressiven Form der Erkrankung geeignet, die noch nicht außerhalb der Prostata gestreut hat. Auch die Strahlentherapie beinhaltet die Risiken Impotenz und Harninkontinenz, Darmprobleme sind zusätzlich mögliche Nebenwirkungen. Durch die Anwendung moderner Bestrahlungstechniken (intensitätsmoduliert - IMRT - und dreidimensional konformal) können die Nebenwirkungen (Reizung von Blase und Enddarm) meistens gering gehalten werden. Eine neuerliche Bestrahlung ist bei Therapieversagen nicht möglich.
Die Langzeitergebnisse sowohl der Prostatektomie als auch der Strahlentherapie sind normalerweise gut. Nach der Behandlung sollten die Betroffenen regelmäßig PSA-Bestimmungen durchführen lassen, um sicherzustellen, dass alle Krebszellen entfernt oder abgetötet wurden und dass der Krebs nicht erneut ausbreitet.

5. Hormontherapie.

Diese wird Männern verordnet, deren Prostatakrebs sich entweder bereits ins umliegende Gewebe oder in andere Körperteile ausgebreitet hat; gelegentlich auch Männern, für die eine kurative (die Heilung anstrebende) Strahlentherapie geplant ist. Das männliche Hormon Testosteron fördert das Wachstum des Prostatakarzinoms; Durch das Senken des Testosteronspiegels im Körper ist es daher möglich, das Wachstum von Prostatakrebszellen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Hierzu werden Medikamente in Form von Tabletten oder Injektionen verabreicht. Die Hormonbehandlung kann über lange Zeit wirksam sein. Der Zustand des Patienten wird sorgfältig überwacht und die Behandlung kann über viele Jahre fortgesetzt werden.
Zu den Nebenwirkungen der Hormontherapie zählen Libidoverlust, Impotenz, Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit und Brustschwellungen bzw. –schmerzen als auch Osteoporose. Einige der Nebenwirkungen sind zum Teil auch vom eingesetzten Medikament abhängig und reversibel, sobald die Behandlung gestoppt wird.

6. HIFU Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)

Die HIFU-Therapie ist für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom und Strahlentherapieversager geeignet. Bei dieser Therapieform werden hochenergetische Ultraschallwellen auf das Prostatagewebe fokussiert und führen zum Absterben des behandelten Gewebes durch Verschmelzung. Vor der HIFU wird meist eine operative Verkleinerung der Prostata durchgeführt.
Vorteilhaft ist, dass es keine Gewebeverletzungen außerhalb der Prostata gibt und der Eingriff wiederholbar ist, ausserdem, wer die HIFU-Therapie wählt, schließt damit weitere Therapieoptionen nicht aus. Das Inkontinenzrisiko ist sehr gering bei einem mittleren Impotenzrisiko. Es gibt Langzeitdaten von derzeit 10 Jahren

7. Kryotherapie

Die Kryotherapie ist für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom geeignet; die Hauptindikation ist die Behandlung eines Tumorrezidivs nach Strahlentherapie. Bei der Kryotherapie wird die Prostata vereist, indem das Gewebe mehrfach auf -40°C abgekühlt wird. Über Temperaturmesssonden und mit transrektalem Ultraschall wird die Kontrolle des Vereisungsvorganges gewährleistet. Da es durch die Vereisung zu einer Schwellung der Drüse und Harnlassbeschwerden kommt, wird vorübergehend ein Blasenkatheter gelegt. Der ca. zweistündige Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Es ist eine wenig invasive Therapie; allerdings mit möglichen postoperativen Harnlassbeschwerden wegen Verengungen/Schwellungen; negativ ist auch die hohe Impotenzrate

8. Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt zum Einsatz bei Patienten mit fortgeschrittenem bzw. metastasiertem Prostatakrebs, der auf eine Hormonbehandlung nicht (mehr) anspricht. Die Chemotherapie wirkt auf die Zellteilung bzw. Zellwachstum durch sogenannte Zytostatika. Die Therapie wird in mehreren Zyklen und in der Regel ambulant durchgeführt. Sie kann bei Prostatakrebs derzeit keine Heilung bewirken, den Krankheitsverlauf jedoch verlangsamen. Neue Medikamente befinden in sich in der Erprobung durch klinische Studien. Stärke und Dauer der Wirkung sind individuell unterschiedlich, Nebenwirkungen sind unterschiedlich stark ausgeprägt - erträglich bis gravierend

Vor einer eventuellen Prostatakrebsbehandlung ist es wichtig, dass der behandelnde Facharzt alle Behandlungsmöglichkeiten ausführlich mit dem Patienten bespricht, so dass dieser in der Lage ist, eine informierte Entscheidung zu treffen. Die möglichen Nebenwirkungen jeder Behandlung und ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten müssen ebenfalls erörtert werden.

Juli 2008


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