Wolfhard Frost · Bessemerweg 13 · 33611 Bielefeld
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PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld

Radionuklid-Therapie

28.8.2008

...erfolgt mit einem Arzneimittel, dessen radioaktive Strahlung für die Therapie genutzt wird.

Details:

Zum Zeitpunkt der Primärdiagnose sind bereits 25-40% der Prostatakarzinome ossär metastasiert. Trotz effektiver Primärtherapie entwickelt sich jedoch im Verlauf der Erkrankung bei bis zu 75% der Patienten ein Skelettbefall.

Bei der Therapie mit Radionukliden geht es darum, eine möglichst hohe Strahlendosis in die Knochenmetastasen einzubringen bei gleichzeitiger Schonung des Knochenmarks. Zu diesem Zweck werden Radionuklide mit ß-Strahlung verabreicht, welche sich überwiegend am Skelett anlagern, vor allem dort, wo der Knochenstoffwechsel stark erhöht ist. Weil die ß-Strahlung im Gewebe eine Reichweite von nur einigen Millimetern hat bleibt die Wirkung der Strahlung weitgehend auf die Metastasen beschränkt.

Eine solche Therapie ist dann durchzuführen, wenn eine disseminierte Skelettmetastasierung besteht, die primären Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und das Blutbild des Patienten keine Kontraindikation darstellt, d.h. im Differentialblutbild müssen mindestens 2400 Leukozyten, 800 Lymphozyten und 60000 Thrombozyten vorhanden sein.

Eine erfolgreiche Radionuklidtherapie von Knochenmetastasen führt innerhalb weniger Tage zu einem Nachlassen der Schmerzen, allerdings können zu Beginn der Behandlung die Schmerzen noch zunehmen, meist in den ersten zwei Tagen nach der Injektion. In etwa 70% ist mit einer Besserung der Schmerzsymptomatik zu rechnen. Aber auch hier gibt es die Einschränkung: erst nach 1-3 Wochen. Die schmerzlindernde Wirkung der Therapie hält im Regelfall über mehrere Monate an.

Metastatisch bedingte pathologische Frakturen führen zwar zu starken Schmerzen, die aber durch eine Radionuklidtherapie nicht oder nur schwer zu behandeln sind. Schmerzen, die durch Kompression bzw. Invasion von Nerven, durch Wurzelkompression oder Kompression des Rückenmarks verursacht werden, sprechen in der Regel ebenfalls nicht auf eine Radionuklidtherapie an.

Eine Radionuklidtherapie kann bei erneutem Auftreten der Schmerzen bzw. unzureichendem Ansprechen nach der ersten Therapie wiederholt werden, unter der Voraussetzung, dass das Blutbild des Patienten (wieder) stabil ist. Die Ansprechrate liegt bei der Zweittherapie immerhin bei etwa 50%.

Eine Radionuklidtherapie ist auch nach vorausgegangener perkutaner Strahlentherapie gut wirksam, sie sollte jedoch nicht gleichzeitig, kurz vor oder nach einer Chemotherapie durchgeführt werden.

Wichtig:
Die Therapie soll wegen des Kontaminationsrisikos und der zusätzlichen Strahlenexposition des Personals bei der Handhabung eines radioaktiv kontaminierten Katheters nur in Ausnahmefällen an inkontinenten Patienten durchgeführt werden.
Dem Patienten soll während der ersten Woche nach Applikation ein eigenes WC zur Verfügung stehen und er sollte die Toilette so benützen, dass möglichst geringe Kontaminationen verursacht werden.
Die in der ersten Woche nach der Applikation benützte Bettwäsche und Bekleidung des Patienten darf nicht (zur Vermeidung einer Kontamination der Umgebung) gemeinsam mit der Wäsche der anderen Familienmitglieder gereinigt werden.

Entnommen: BEGLEITENDE BEHANDLUNGSARTEN DES NICHT MEHR HEILBAREN PROSTATAKREBSES -
Nuklearmedizinische Therapie von Skelettmetastasen
Univ. Doz. Dr. phil. Ernst HAVLIK, Österreich

August 2008


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